11. April 2019 - 9:01 Uhr

Wenn irgendwie alles anders kommt als gedacht

Es ist unser erster Urlaub als kleine Familie. Eine Woche Auszeit in den verschneiten Bergen in Österreich. Wellnesshotel, all inclusive. Wir freuen uns wie Bolle. Leni ist jetzt acht Monate alt, kann alleine sitzen, brabbelt den ganzen Tag und lacht viel. Nur abends ab 18 Uhr wird sie immer sehr nörgelig, dann fordert sie regelrecht ein, ins Bett gebracht zu werden. Das wird uns noch sehr stressen, aber dazu später mehr.

Oha, wie soll das die nächsten sechs Abende werden?

Erstmal müssen wir unseren SUV vollstopfen. Und das meine ich durchaus so, wie ich es sage. Als wir zuhause losfahren, ist wirklich kein Zentimeter Platz mehr im Auto. Wie machen das bitte Familien mit zwei Kindern? Wir sind doch nur drei Personen?! Aber gut, es muss halt alles mit: Reisebett, Kinderwagen, Babyschale, alle Milchflaschen, Windeln, das Teil für die Mikrowelle, um die Flaschen auszukochen und dann das ganze Babyessen (NEIN, in Österreich gibt es ganz sicher keinen Drogeriemarkt ;-)) Ski-Klamotten, etc. pp. ...

Acht Stunden Fahrt haben wir vor der Brust. Zum Glück hatten wir die glorreiche Idee, um sechs Uhr morgens loszudüsen - und das an einem Sonntag. Aber wir kommen wirklich gut durch und Leni schläft fast die ganze Zeit. Natürlich müssen wir öfter mal halten, um Leni aus der Babyschale zu holen, damit sie kein Rücken kriegt. Und auch Windeln wechseln und Flasche geben gehört zum Rastplatz-Programm. ABER: Alles easy. Angekommen um 14 Uhr sind wir echt relaxed. Endlich kann es losgehen. Uuuuurlaub! Wir checken als erstes ab: Wann gibt es denn hier immer was zu Essen?! Mittags von 13 bis 15 Uhr und abends von 18:30 bis 21 Uhr. Erste kurze Panik: Abendessen erst ab 18:30 Uhr??? Genau zu dieser Zeit muss doch Leni ins Bett! Also, was tun? Wir entscheiden, sie am ersten Tag mit ins Restaurant zu nehmen und zu schauen, wie sie sich verhält...

Naja, und es kommt halt, wie es kommen muss: Sie quengelt, weil sie müde ist und lässt sich nicht beruhigen. Sie gibt Vollgas in einer Lautstärke, dass ein startender Düsenjet dagegen leise wirken würde. Und das, während die anderen Gäste um uns herum versuchen, genussvoll ihr 4-Gänge-Menü zu sich zu nehmen. Um nicht zu negativ aufzufallen, hetzen wir durch unser Menü und stellen einen neuen Rekord auf: Eine halbe Stunde später sind wir wieder auf dem Zimmer. Leni fällt totmüde ins Bett. Und Mama und Papa auch. Oha, wie soll das die nächsten sechs Abende werden? Am Tag darauf probieren wir das mitgebrachte Babyphone aus: Können wir Leni erst ins Bett bringen und dann ganz normal wie früher als Pärchen ein romantisches Abendessen genießen? Das wäre ja grandios!!! Nein, klappt leider nicht, denn so weit reicht der Empfang nicht. Mist!

Wann kommt bitteschön der Urlaub vom Urlaub?

Mit Baby fällt man halt auf, die Leute kennen einen schon nach einem Tag im ganzen Hotel. Auch im Wellnessbereich sind wir bekannt wie bunte Hunde und das nach nur einer Stunde. Leni hat natürlich keine Hemmungen und gibt auch dort richtig Gas. Sie ist echt süß, und ich bin mega stolz auf sie, weil sie so fröhlich ist und viel erzählt, aber wenn ich viel Geld für Erholung bezahlen würde und meine Ruhe haben wollte, würde ich mich als Gast schon über die Ruhestörung ärgern. Wir ernten auch prompt böse Blicke.

Also ziehen wir nach einer Stunde im Poolbereich wieder von dannen und legen uns lieber aufs Zimmer zum "Entspannen". Die nächsten Tage gehen wir viel spazieren und machen mit Leni sogar ihre erste Schlittenfahrt. Und schwups, sind die sieben Tage schon um. Und Mama und Papa fragen sich: Wann kommt bitteschön der Urlaub vom Urlaub?

Wir machen das Beste draus

mit Baby verreisen
Beine hochlegen und relaxen - so sollte Urlaub eigentlich aussehen.
© Sandra Kuhn

Die Fahrt nach Hause wird als krönender Abschluss auch noch zur Tortur: Leni will nach vier Stunden nicht mehr in der Babyschale sitzen und macht uns die Hölle heiß: Ungeplanter Zwischenstopp mit Übernachtung in Frankfurt. Gut, da waren wir auch noch nicht zusammen. Machen wir das Beste draus, auch wenn wir keine frische Unterwäsche mehr haben. Am nächsten Morgen dann noch zwei Stunden nach Hause und Leni ist zum Glück mega entspannt. Endlich wieder daheim und im eigenen Bett schlafen. Herrlich! Was gibt's Schöneres? Ach, da war ja noch was!! Auspacken und Wäsche waschen. Hilfeeeeeee!!!