Ulrike fühlte sich wie ein Zombie

RTL-Zuschauerin: „Ich habe durch Krebs meine Nase verloren!“

Links sieht man, wie Ulrike vor der Krebs-OP aussah. Das rechte Bild zeigt sie nach dem heftigen Eingriff.
© Privat

04. Dezember 2020 - 9:35 Uhr

Bösartiger Tumor in der Nase

In den Spiegel zu schauen, fällt Ulrike aus Bayern nicht leicht. Denn dort, wo früher ihre Nase war, klafft mittlerweile nur noch ein großes Loch. Anfang dieses Jahres bekommt sie eine niederschmetternde Diagnose: Krebs. Ein bösartiger Tumor wuchert in ihrer Nase. Im März 2020 muss diese der 71-Jährigen dann vollständig amputiert werden. Nur so konnte Ulrike überleben. Und leben will sie unbedingt! Doch dabei würde sich die Rentnerin so gerne noch einmal schön und selbstbewusst fühlen.

„Egal, ob mit oder ohne Nase, du bist meine Mama!“

Ulrike hat sich dazu entschieden, alt zu werden. Mindestens ihren 96. Geburtstag möchte sie noch feiern. Doch um dieses ehrgeizige Ziel erreichen zu können, musste sie einen schweren Schritt gehen. Dass sie diesen gewagt hat, verdankt sie den beiden wichtigsten Menschen in ihrem Leben: "Mein Sohn hat mir ganz klar gesagt: Lieber du lebst ohne Nase, als wenn du gar nicht mehr da bist. Und meine Tochter meinte, egal, ob mit oder ohne Nase, du bist meine Mama!" Die Stimme der 71-Jährigen bricht, als sie sich an die rührenden Worte ihrer Kinder erinnert.

Erst dachte die Rentnerin, es sei nur ein kleiner Pickel

2019 entdeckte Ulrike einen kleinen Knoten in ihrer Nase. Zunächst dachte die ehemalige Versicherungsfachfrau, es sei nur ein kleines Pickelchen. Doch im Januar machte Sie sich allmählich Sorgen: "Meine Nase stülpte sich an der Seite schon ein bisschen heraus. Ich bin zum HNO gegangen und der schickte mich sofort ins Krankenhaus", erinnert sich die Rentnerin.

Die Ärzte entnahmen eine Gewebeprobe – die niederschmetternde Diagnose: Plattenepithelkarzinom. "Das bedeutet, es entwickeln sich Krebszellen aus den normalen Hautzellen", erklärt Prof. Dr. Jutta Hübner, Stiftungsprofessur für Integrative Onkologie der Deutschen Krebshilfe. In den meisten Fällen werde diese Krebsart, wenn sie außen auf der Haut auftritt, durch UV-Licht ausgelöst, so Hübner: "Deswegen kommt sie hauptsächlich an Stellen vor, die dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Es gibt allerdings gut sichtbare Vorstufen. Das sind zum Beispiel leichte Hautveränderungen wie Rötungen oder Schorf. Wenn sich so etwas entwickelt, sollte sich das ein Hautarzt ansehen. Wird es rechtzeitig entdeckt, kann es behandelt werden."

Im Falle von Ulrike war leider nur noch ein drastischer Eingriff möglich: Die Ärzte im Krankenhaus teilten Ulrike mit, dass der Krebs wegoperiert werden muss. Dabei würde sie ihre Nase verlieren.

Ulrike fühlte sich grauenvoll, hässlich und entstellt

Diese Nachricht war für Ulrike ein Schock, gesteht sie gegenüber RTL: "Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen. Ich habe versucht, mich im Internet schlauzumachen, mir Bilder anzusehen von Menschen, die keine Nase mehr haben und habe mir gedacht: Nein, das kann doch nicht sein! So kann man doch nicht leben, so kann man doch nicht herumlaufen! Aber man kann. Und man muss, wenn man leben will."

Das weiß Ulrike heute – über ein halbes Jahr nach dem lebensverändernden Eingriff. Als sie am Morgen nach der OP im Krankenhaus aufwachte, traute sich die 71-Jährige allerdings kaum, in den Spiegel zu schauen: "Es war Horror. Es war ein richtiges Loch drin. Ich habe mich grauenvoll, hässlich und entstellt gefühlt, wie ein Zombie."

Auf dem linken Bild sieht man Ulrike mit ihrer Brille. Auf dem rechten Bild sieht man sie ohne Brille - dort erkennt man die Ränder ihrer künstlichen Nase.
Ulrike kaufte sich extra eine Bille, um die Ränder ihrer künstlichen Nase zu kaschieren.
© Privat

Ulrike hat das Gefühl, alle starren sie an

Anstelle ihrer alten Nase bekam Ulrike dann eine sogenannte "Epithese" – eine künstliche Nase. Mit dieser kann sie zwar nicht riechen, aber zumindest verdeckt sie das Loch in ihrem Gesicht. Glücklich ist sie mit dieser Lösung allerdings überhaupt nicht.

"Ich bin in einer Krebsgruppe und wir haben alle Probleme mit den künstlichen Nasen. Wir hätten gerne eine Nase, mit der wir uns wohlfühlen können. Unser Selbstbewusstsein geht daran kaputt", gibt die 71-Jährige im RTL-Interview zu. "Ich traue mich kaum noch, nach draußen zu gehen. Mit Mundschutz ist das natürlich schön angenehm. Aber sonst habe ich das Gefühl, mich starren die Leute an. Ich habe mir sogar eine Brille gekauft, obwohl ich eigentlich keine brauche, aber das verdeckt zumindest ein bisschen die Ränder der künstlichen Nase."

Die Rentnerin wünscht sich, dass sich mehr Menschen in ihre Lage versetzen können

Ulrike hat heute einen großen Wunsch: Sie möchte auf das Leiden aufmerksam machen, das Patienten wie sie für den Rest ihres Lebens ertragen müssen. Nicht nur, dass sie eine furchtbare Krankheitsgeschichte hinter sich hat – sie fühlt sich entstellt. Und so geht es vielen anderen Betroffenen. Natürlich sind künstliche Nasen besser, als ein Loch. Aber Ulrike hofft, dass diese stetig weiterentwickelt werden und dass es in der Zukunft Modelle geben wird, mit denen sie sich wohlfühlen kann und die von einer echten Nase kaum zu unterscheiden sind.

Aber egal, ob mit Nase und Selbstbewusstsein oder ohne – nun, da Ulrike den Krebs besiegt hat, will sie zumindest 96 Jahre alt werden. Und ihre Kinder werden sie dabei mit Sicherheit bedingungslos unterstützen.