Kinderärztin klärt auf

Wasser trinken: Gefährlich für Babys?

Dürfen Babys Wasser trinken - oder ist es für sie schädlich?
Dürfen Babys Wasser trinken - oder ist es für sie schädlich?
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09. Oktober 2021 - 9:28 Uhr

Wasservergiftung bei Babys: Das sagt die Expertin

Es ist eine Frage, die viele Eltern verunsichert und insbesondere an heißen Sommertagen schon zu so mancher Diskussion geführt hat: Dürfen Babys Wasser trinken? Während die einen dabei ganz entspannt bleiben, haben andere Angst, die Kleinen könnten eine gefährliche Wasservergiftung bekommen. Aber was passiert dabei überhaupt, und ist das wirklich so dramatisch? Wir haben eine Kinderärztin gefragt, was sie zum Thema "Wasser für Babys" empfiehlt.

Wasser ist möglich, aber meistens nicht notwendig

Dr. Melanie Ahaus ist Sprecherin des Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte und gibt Entwarnung: Im Gegensatz zu Gerüchten, die sich hartnäckig halten, ist pures Wasser für Babys nicht lebensgefährlich – aber auch nicht unbedingt notwendig. "Gesunde Babys dürfen auf jeden Fall Wasser trinken. Werden sie aber voll gestillt, bekommen sie genug Flüssigkeit über die Muttermilch. Auch an heißen Sommertagen können Mütter ihren Kindern zwar etwas Wasser anbieten, aber auch ohne müssen sie vor einem zu hohen Flüssigkeitsverlust keine Angst haben."

Vorsicht walten lassen sollten Eltern allerdings bei Neugeborenen bis zu vier Wochen: "Sollte es hier nötig sein, Wasser zu verabreichen, zum Beispiel zur Gabe von Medikamenten, sollte aufgrund des noch schwachen Immunsystems des Neugeborenen nur abgekochtes Leitungswasser benutzt werden."

Wasser für Babys: Das rät die BZgA

Was die ersten Lebensmonate angeht, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Thema zusätzliches Wasser eine ähnliche Empfehlung wie die Medizinerin: "In den ersten vier bis sechs Monaten erhält Ihr Baby durch die Muttermilch oder Flaschennahrung genügend Flüssigkeit", heißt es auf der Website der Behörde.

Zusätzliche Getränke seien in dieser Zeit nur an besonders heißen Tagen, bei Fieber oder Durchfall nötig. Dann sollten Sie am besten zu Leitungswasser oder ungesüßter Früchte- und Kräutertees greifen.

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Ab drei Brei-Mahlzeiten pro Tag etwas zu trinken anbieten

Baby wird mit Brei gefüttert
Bekommt Ihr Baby regelmäßig Brei, sollte es zu den Mahlzeiten auch Flüssigkeit angeboten bekommen
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Erst, wenn das Baby mindestens drei feste Mahlzeiten pro Tag, also Brei statt Milch, bekommt, sollte dazu immer etwas zu trinken angeboten werden, rät Dr. Ahaus. "Am besten immer nach der Mahlzeit, nicht vorher, sonst wird der kleine Magen schnell voll. Wasser oder ungesüßter Tee sind gut geeignet." Säfte sollten hingegen nicht verabreicht werden: Sie enthalten zu viel Zucker und erhöhen das Risiko für Karies.

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Wasservergiftung: Wie entsteht sie?

Die Nieren von Säuglingen arbeiten im ersten Lebensjahr noch nicht korrekt. Trinken sie in kurzer Zeit zu große Mengen Wasser, können die Nieren diese Mengen nicht schnell genug verarbeiten und ausscheiden. Der Körper spült damit eine große Menge Natrium ins Blut. Die Folge: Die Babys werden benommen, reizbar, der Körpertemperatur sinkt und das Gesicht schwillt an. Kommt der Haushalt von Salz und Wasser nicht wieder ins Gleichgewicht, wird die Wasservergiftung gefährlich – übrigens auch bei Erwachsenen.

Muttermilch sollte deshalb auf keinen Fall mit Wasser verdünnt werden, ebenso sollte Säuglingsnahrung nur exakt mit der empfohlenen Menge Wasser zubereitet werden.

Das Risiko für eine Wasservergiftung geht bei Kindern zwischen sechs und zwölf Monaten zurück, wenn sie bereits feste Nahrung bekommen. Spätestens mit Ende des ersten Lebensjahres sind die Nieren dann auch voll ausgebildet, um Salz- und Wassergehalt besser auszugleichen.

Auf Durst des Babys vertrauen

Dem Kind zu viel Wasser einzuflößen, ist laut Dr. Ahaus aber im Normalfall eigentlich nicht möglich. Für Kleinkinder gelte die Empfehlung von einem Liter pro Tag, "aber das schaffen ohnehin die wenigsten." Die Kinderärztin empfiehlt Eltern, auf die Signale des Kindes zu achten: "Bei einem gesunden Kind ohne Nierenprobleme gibt es keine Höchstmenge an Flüssigkeit. Das Baby wird aufhören zu trinken, wenn es keinen Durst mehr hat. Darauf dürfen Eltern ruhig vertrauen." (rka/ija)