DSGVO: Das müssen Sie über die neuen Datenschutzregeln wissen

21. Mai 2018 - 18:13 Uhr

Die Europäische Datenschutzgrundverordnung wirft ihre Schatten voraus

Gefühlt ist es eine mächtige Revolution in Sachen Datenschutz. Denn für viele Verbraucher ist in den letzten Wochen kein Tag vergangen, an dem nicht irgendein Hinweis auf geänderte Richtlinien aufploppte – ob von der Bank, dem Mobilfunkanbieter oder bei Facebook. Hintergrund ist die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), deren Vorgaben nun komplett umgesetzt werden müssen.

"Jugendsünden" im Netz wird man dank DSGVO nun einfacher los

Die neuen Datenschutzregeln haben nicht nur für Unternehmen Folgen, sondern auch für Privatnutzer, Fotografen und Vereine. Ziel der DSGVO ist laut 'Tagesspiegel' eine Art Datensparsamkeit: Unternehmen dürfen fortan nur noch jene Daten von Kunden oder Nutzern abfragen, die für den betreffenden Zweck auch erforderlich sind. Das bedeutet: Ein Handwerksbetrieb benötigt zwar Name und Adresse seines Kunden, um einen Auftrag auszuführen – aber sicher nicht dessen Geburtsdatum. Nicht relevante Informationen müssen Firmen entweder aus den Daten löschen oder die Verbraucher um ihr Einverständnis für die Speicherung bitten.

Kunden oder Nutzer von Online-Anbietern bekommen ein Auskunftsrecht über die zu ihrer Person gespeicherten Daten und außerdem ein "Recht auf Vergessenwerden": Unternehmen müssen auf Antrag alle personenbezogenen Daten löschen, wenn keine rechtlichen Gründe oder ein öffentliches Interesse dagegen sprechen. "Jugendsünden", etwa peinliche Fotos im Internet, kann man also bald leichter loswerden.

Wer den Anbieter wechselt, darf seine Daten mitnehmen. Ein soziales Netzwerk etwa muss Kopien aller veröffentlichten Einträge und Fotos zur Verfügung stellen – theoretisch. Denn weil Informationen auch die Rechte von im Netzwerk verknüpften Freunden berühren, dürften Facebook Instagram & Co. die Herausgabe verweigern.

Tipp: Stimmen Sie Datenschutzregeln nicht reflexartig zu

DSGVO: Lesen Sie auch das "Kleingedruckte", bevor Sie neuen Datenschutzregeln zustimmen.
Lesen Sie auch das "Kleingedruckte", bevor Sie den neuen Datenschutzregeln zustimmen.
© dpa, Patrick Pleul, ppl wst

Klar, die ständigen Hinweise auf irgendeinen neuen Datenschutz-Kram können nerven. Aber klicken Sie nicht einfach auf "zustimmen", weil Ihnen das Lesen zu lästig erscheint: Genau darauf baut so manches Unternehmen und nutzt die Umstellung zu einer Art Frühjahrsputz beim Datenschutz. Falls Sie also gefragt werden, ob Ihnen z.B. "nützliche und relevante Werbeanzeigen" eingeblendet werden sollen, überlegen Sie sich gut, ob Sie das wirklich wollen.

Die neue Datenschutzverordnung betrifft auch Vereine. Sie müssen angepasste Einverständniserklärungen für Mitgliederdaten einholen. Das gilt auch für die Veröffentlichung bestimmter Fotos im Netz. Aber: "Ein Sportverein darf aber ohne Einwilligung Wettkampfergebnisse oder Ranglisten mit Sportlernamen veröffentlichen", sagt Anwältin Julia Dönch von BDO Legal.

Fotografen hingegen dürften von der DSGVO weniger stark betroffen sein als zunächst befürchtet. "Die Annahme, dass die DSGVO dem Anfertigen von Fotografien entgegenstehe, ist unzutreffend", erklärt das Bundesinnenministerium. Es gelte dafür wie bisher das Kunsturhebergesetz. Man muss also nicht von jeder Person das Einverständnis einholen, fotografiert zu werden. Sondern nur, wenn man das Bild z.B. in der Presse veröffentlichen will.

Unternehmen müssen Anfragen schnell beantworten

Grund zur Panik besteht wegen der neuen Regeln also nicht, aber sie bedeuten für viele einen Menge Arbeit und Achtsamkeit. Kleinere Firmen zum Beispiel haben die gleichen Kriterien zu erfüllen wie alle anderen – für manchen Mittelständler eine Herkulesaufgabe. Und auf Anfragen müssen Unternehmen innerhalb eines Monats antworten. Geschieht dies nicht, können sich Verbraucher bei der Datenschutzbehörde über das Unternehmen beschweren.