Drag King Maria Moschus will provozieren:

„Irgendwer muss schon sagen: Ich find' es richtig scheiße.“

© Juli Ortiz, JULI ORTIZ

14. Juli 2019 - 10:33 Uhr

von Lauren Ramoser

Drag Kings verdienen mindestens genauso viel Aufmerksamkeit wie Drag Queens, sind aber weithin unbekannt. Das will die Leipzigerin Taiina Grünzig ändern und tritt regelmäßig als Drag King Maria Moschus auf. Was ihr daran besonders gefällt und warum andere das ruhig scheiße finden können, erzählt sie im exklusiven Interview.

Drag Kings: Wer ist hier das starke Geschlecht?

Drag Queens sind mittlerweile richtig bekannt. Der Hamburger Oliver Knöbel tritt seit Jahren als die Kunstfigur Olivia Jones auf und die US-Show Ru Paul's Drag Race sucht per Casting Show nach neuen Größen in der Unterhaltungsbranche. Doch performen nur Männer als Frauen, oder gibt es das auch umgekehrt?

Diese Frage hat sich die Leipziger Studentin Taiina Grünzig gestellt. Und hat während einer Filmvorführung die Antwort gefunden: Drag Kings gibt es auch und was die machen, gefällt ihr richtig gut: "Das war für mich so ein bisschen wie ein Erlösungsmoment. So wie wenn man 14 ist und zum ersten Mal einen Popstar sieht und sich denkt: So will ich auch sein", erzählt Taiina im Interview.

Genau wie Queens treten Drag Kings in Shows auf, performen auf der Bühne, singen, tanzen oder nutzen die Aufmerksamkeit für politischen Protest. "Aber eben alles in einem queeren Rahmen, in dem Gender und alles was in unserer Gesellschaft damit an Stereotypen einhergeht, zerstört wird", erklärt Taiina. Das kann dann eben in glitzern und bunt sein, aber genauso gut aufwühlend.

Wie kam es zu Maria Moschus?

Vor ein paar Monaten hat es Taiina nicht mehr ausgereicht, nur bei den Shows zuzugucken – sie hat ihre eigene Kunstfigur erschaffen: Den Drag King Maria Moschus. Maria, weil er nicht nur weiblich ist, sondern auch als männlicher Zweitname genutzt wird und Moschus soll zeigen, dass viele starke "Männlichkeit" als Gegengewicht zu "Weiblichkeit" verstehen. Gegen diesen Gegensatz will sich Maria Moschus dann auf der Bühne auflehnen und performt ganz emotionale Songs wie "Hero" von Enrique Iglesias.

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Ob einfach nur zum Spaß oder um wie hier aufzurütteln: Auf der Bühne ist Maria Moschus nicht zu stoppen.

Kritik ist gerne gesehen, denn darum geht es

Auf ihrem Instagram Account zeigt Taiina teils sehr freizügige Fotos von ihren Auftritten. Dass ihre Auftritte als Drag King nicht jedem gefallen, ist ihr bewusst: "Ich mache das, weil ich es toll finde und weil es mir Spaß macht, aber ich mache es eben auch, um Leute aufmerksam zu machen." Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt: "Also irgendwer muss schon sagen: Ich find es richtig scheiße."

Aber was sagt ihre Familie zu den ungewöhnlichen Auftritten? Während ihre Freunde begeistert sind, tut sich Taiinas Familie manchmal noch schwer. "Meine Familie ist noch ein bisschen verwirrt. Aber es haben alle Vertrauen, dass ich weiß, was ich da mache."

Drag Queens und Kings sind vor allem eins: mutig

Hinter der bunten und lauten Showwelt der Drags steht ein ernster Hintergrund. Denn die Provokation funktioniert nur, weil vieles noch immer nicht gesellschaftlich akzeptiert ist. Die Drag Queens und Kings, die seit Jahrzehnten auftreten und für Gleichberechtigung und Spaß sorgen, findet Taiina vor allem eins: mutig. "Und ich bin extrem dankbar für alle, die das schon gemacht haben, damit ich das jetzt so erleben kann."