Keine teuren Produkte notwendig

Dr. Yael Adler erklärt: So bleibt die Haut trotz Hautkrankheit faltenfrei

Kranke Haut braucht eine besonders milde Pflege - oft reicht schon Wasser aus
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28. Februar 2020 - 14:59 Uhr

Geht Anti-Aging bei Hauterkrankungen?

Akne, Rosazea, Neurodermitis: Wer im späten Erwachsenenalter eine Hauterkrankung hat, fragt sich nicht selten, ob Anti-Aging in so einem Fall überhaupt möglich ist. Die gute Nachricht: Das geht! Hautärztin Dr. Yael Adler aus Berlin erklärt, was beim Kampf gegen Falten wichtig ist.

von Isabel Michael

Bei Hautkrankheiten auf herkömmliche Cremes verzichten

Um zu verstehen, warum Menschen mit Hautkrankheiten unbedingt auf konventionelle Anti-Aging-Cremes verzichten sollten, ist es wichtig zu wissen, wie sich erkrankte Haut von einer gesunden unterscheidet. Bei Schuppenflechte, Neurodermitis oder Spätakne ist sie oft äußerst empfindlich und verträgt viele Inhaltsstoffe, die oft in industriellen Produkten verwendet werden, nicht. Dazu gehören unter anderem Allergene wie Duftstoffe, Farbstoffe, Konservierungsmittel und Emulgatoren.

Akne-Betroffene haben außerdem das Problem, dass die ohnehin fettige Haut durch die oft fettreichen Anti-Aging-Cremes zusätzlich verstopft wird. Das führt häufig zu einer Verschlimmerung der Akne. Allerdings sind die Produkte gegen Pickel meistens sehr austrocknend für die Haut, sodass die Fältchenbildung eher noch begünstigt wird.

"Es gibt keine effektive Anti-Aging-Pflege von außen"

Die Hautärztin und Buchautorin Dr. Yael Adler ("Haut nah: Alles über unser größtes Organ"*, Droemer-Verlag) hält wenig von Anti-Aging-Cremes: "Es gibt keine effektive Anti-Aging-Pflege von außen. Die Faltencremes dringen nicht über die Hautbarriere in die zweite Schicht der Haut ein. Von außen wird ausschließlich die ultradünne Hornschicht für ein paar Stunden stärker mit Feuchtigkeit versorgt, sodass die Haut ein bisschen saftiger aussieht", sagt sie im Interview mit RTL.de. Reinigungslotionen sollten also auch vermieden werden, da diese die Hautbarriere zusätzlich schwächen: "Strapaziös ist es für die Haut, wenn Sie eine Reinigungssubstanz verwenden und damit die Schutzfette, den Säureschutzmantel sowie das Mikrobiom entfernen. Dann ist die Haut schutzlos äußeren Einflüssen ausgeliefert und spannt", sagt Adler.

Das gilt übrigens auch für Frauen, die sich gerne schminken. Wird lediglich ein leichtes, nicht porenverstopfendes und hochwertiges Make-up ohne Massen von Mineralölen verwendet, reicht es laut der Hautärztin aus, dieses mit warmem Wasser und einem Handtuch zu entfernen. Empfehlenswert sind hier beispielsweise "nicht komedogene" Produkte aus der Apotheke, aber auch von einzelnen Herstellern in der Parfumerie. Zum Abschminken mit ausschließlich Wasser eignet sich auch ein Mikrofasertuch ohne Reinigungsprodukt. So kann sich die Schutzbarriere der Haut regenerieren und Hauterkrankungen haben eine Chance zum Abheilen.

Wenn die Haut trotzdem spannt

Haut nah von Dr. Yael Adler
Dermatologin Dr. Yael Adler erklärt in ihrem Buch "Haut nah" unter anderem, wie man selbst Cremes und Lotionen herstellt
© Droemer-Verlag

Die Hautärztin empfiehlt, die Haut erst einmal erst einmal vier Wochen lang morgens und abends ausschließlich mit Wasser zu waschen, um herauszufinden, ob die Haut überhaupt zusätzliche Pflege benötigt und in welchen Arealen. Stellen Betroffene jedoch fest, dass die Haut langfristig immer noch nach dem Waschen spannt, können dennoch feuchtigkeitsspendende oder rückfettende Cremes verwendet werden, aber nur an den Stellen, die bedürftig sind, es muss nicht das gesamte Gesicht zugematscht werden. An sonnenreichen Tagen, ist es notwendig die Haut durch Meiden, Kleiden und Sonnencreme zusätzlich zu schützen, um die lichtbedingte vorzeitige Hautalterung zu vermeiden.

Wer dennoch, unbedingt klassische, von der Industrie beworbene "Anti-Aging-Substanzen" in Cremes kaufen möchte, wird auch für sensible Haut bei Rosazea, Neurodermitis oder Schuppenflechte in Apotheken fündig. Harnstoff, Hyaluronsäure, Vitamine A, C und E sowie kurzkettige Polypeptide wirken zwar nur sehr oberflächlich, allerdings ist deren Wirkung immerhin untersucht.

Gegen Reizungen und Juckreiz wirkt Niacin (Vitamin B3) und zur Förderung der Wundheilung Dexpanthenol. Erste probiotische Cremes sind auf dem Markt, sie sollen helfen, das Mikrobiom samt Immunabwehr zu stärken und so Entzündungen und vorzeitiger Hautalterung vorzubeugen.

Anti Aging von innen

Bei der Hautalterung spielen viele Faktoren eine Rolle. So sind nur 30 Prozent genetische Veranlagung, den Rest haben wir selber mit in der Hand. Eine hohe Feinstaubbelastung und Umweltgifte tragen zu einer beschleunigten Hautalterung bei. Worauf man selber aktiv Einfluss nehmen kann, ist die Lebensweise. Wer regelmäßig ausreichend schläft, sich viel bewegt, das persönliche Stresslevel niedrig hält und auf Rauchen, sowie übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet, tut seiner Haut schon mal etwas Gutes. Besonders wichtig bei Hauterkrankungen und für ein faltenarmes Äußeres ist eine gesunde Ernährung: "Die Haut wird geschützt, erneuert und repariert. Dazu braucht sie Eiweiße, Kohlenhydrate und Fett sowie Mikronährstoffe, also Vitamine, Mineralstoffe, Omega-Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe, etwa Pflanzenfarbstoffe", sagt Adler. Um Nährstoffmängel wie Zinkmangel oder Eisenmangel auszuschließen, empfiehlt die Hautärztin einen Bluttest.

Adler zufolge sollte man auch der Gesundheit zuliebe auf Zucker, Weißmehl, Junk Food sowie Fertigprodukte verzichten. Stattdessen gilt es, viel Obst und Gemüse zu essen. Omega-3-Fettsäuren (zum Beispiel in Lachs, Leinöl oder Walnüssen) wirken zudem anti-entzündlich. Auch gut für die Haut ist eine Knochenbrühe: "Die Hyaluronsäure und das Kollagen aus dem Knochen bauen die Haut auf und strafft das Bindegewebe", betont die Hautärztin. Wer nicht kochen mag, kann Hyaluronsäure und Kollagen aber auch als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

Eine gesunde Darmflora ist besonders wichtig: "Es gibt verschiedene Studien, die zeigen, dass Hautprobleme mit dem Mangel an verschiedenen Bakterienstämmen zusammenhängen", sagt Adler. Doch das ist noch nicht alles, denn eine schlechte Darmflora macht sich nicht nur in Hautproblemen bemerkbar, sondern lässt die Haut auch schneller altern: "Wer keine Artenvielfalt im Darm, oder entzündungsfördernde Bakterien im Überschuss hat, altert schneller", warnt die Hautärztin. Um die Darmflora wieder aufzubauen, sollte man daher viele lösliche Ballaststoffe und fermentierte Lebensmittel wie unpasteurisiertes Sauerkraut, Kefir oder Joghurt essen. Ebenso können auch Probiotika eingesetzt werden. Hier sollte man sich in der Apotheke oder beim Hautarzt beraten lassen, welches Produkt das richtige ist.

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