Angespannte Lage in den Supermärkten

Discounter-Mitarbeiterin klagt an: "Zuerst waren wir die Helden, jetzt der letzte Abschaum"

"Meistens kommt es zu Eskalationen" - eine Kassiererin erzählt (Symbolbild).
© dpa, Jens Kalaene, jka dul exa

13. Februar 2021 - 12:37 Uhr

Viele Kunden lassen ihren Frust raus

Supermärkte und Discounter gehören zu den wenigen Geschäften, die im Corona-Lockdown noch geöffnet haben. Das bedeutet aber auch, dass die Mitarbeiter viele Anfeindungen und Frust von Kunden abbekommen. Eine Mitarbeiterin eines Discounters will das nicht mehr täglich ertragen müssen.

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von Lauren Ramoser

Kunden lassen Masken-Frust an Mitarbeitern aus

Die Stimmung im anhaltenden Lockdown wird schlechter. Viele Kunden lassen ihren Frust über Masken und andere Corona-Maßnahmen an den Mitarbeitern der eigenen Geschäfte aus, die noch geöffnet sind: Supermärkte und Discounter. Für die Mitarbeiter ist das Verhalten vieler Kunden nur schwer nachzuvollziehen: "Wir waren im ersten Lockdown einmal die großen Helden, jetzt sind wir der letzte Abschaum", klagt eine Discounter-Mitarbeiterin an, die aus Sorge vor Konsequenzen anonym bleiben möchte.

Die Arbeit von Mitarbeitern in Supermärkten und Discountern hat sich nicht verändert, die Stimmung ihnen gegenüber aber schon. Täglich werden ihre Kollegen und sie mit Anfeindungen konfrontiert, weil sie Kunden auf falsche oder falsch getragene Masken aufmerksam machen. "Letzte Woche wurde ich von einem Kunden angeschrien und das ist so hochgekocht innerlich", erinnert sich die Discounter-Mitarbeiterin. "Das passiert leider jeden Tag, dass die Leute uns beleidigen."

Schulung im Umgang mit aggressiven Kunden

Sie arbeitet bei einem großen deutschen Discounter und geht gerne zur Arbeit – zumindest war das in den vergangenen sechs Jahren so. "Jetzt denke ich nur noch: Hoffentlich habe ich bald Feierabend", so die junge Frau. Sie warte nur noch darauf, wann sie "von Kunden angepflaumt" werde. Allein in dieser Woche mussten Mitarbeiter der Filiale bereits zwei Mal die Polizei rufen, um Kunden aus dem Geschäft zu bringen.

Die Mitarbeiter seien in der vergangenen Woche geschult worden, wie sie mit aggressiven Kunden, die sich weigern, die gesetzlich vorgeschriebenen FFP2- oder OP-Masken zu tragen, umgehen sollen.

"Das ist ein Stufenplan. Zunächst sollen wir Kunden immer darauf ansprechen und einen Kollegen hinzurufen", erklärt die Einzelhandelskauffrau. Doch nicht immer zeigen diese Gespräche Wirkung. "Wir müssen uns aber nicht selbst in Gefahr bringen und dann rufen wir die Polizei." Zwar würden sie dann immer auch einen Kunden verlieren, doch die Sicherheit von anderen Kunden und den Mitarbeitern gehe vor.

"Meistens kommt es zu Eskalationen"

Ihr ist es wichtig zu betonen, dass das bei weitem nicht alle Kunden seien. Die meisten halten sich an die Regeln und verstünden, dass nicht die Mitarbeiter oder die jeweilige Filialleitung über geltende Corona-Maßnahmen entscheide. Dennoch könne sie Eigeninitiative von Kunden nicht empfehlen.

"Wir raten unseren Kunden, dass sie andere Kunden ohne Masken lieber nicht ansprechen sollen. Meistens kommt es zu Eskalationen", so die Mitarbeiterin. "Viele andere Kunden bedanken sich dann auch, wenn wir die betreffenden Kunden ansprechen."

Langeweile-Shopper und sozialer Treffpunkt

Auch in der Lockdown-Verlängerung bleiben die Supermärkte und Discounter mit wenigen anderen Geschäften die einzigen, die weiterhin öffnen dürfen. Daher nutzen viele Menschen den beheizten Markt immer wieder als sozialen Treffpunkt. "Wir haben oft auch Gruppen, die sich zum Einkaufen verabreden und sich dann eine dreiviertel Stunde in einer Ecke unterhalten", so die junge Frau.

Hinzu kämen "Langeweile-Shopper", die sich auffällig lange durch die Gänge schieben würden und fast täglich für Kleinigkeiten vorbeikämen. Das steigert die Zahl der Kunden und somit das Risiko einer Infektion für alle Anwesenden.

Zu den regulären Anforderungen des Jobs kommen jetzt also noch diverse Auseinandersetzungen mit Kunden hinzu – und dass, obwohl die Mitarbeiter zur systemrelevanten Infrastruktur gehören und somit nicht ausfallen sollten.

Am Mittwoch hat die Bundesregierung über die Verlängerung der Corona-Maßnahmen entschieden. Die genauen Beschlüsse können Sie hier nachlesen.

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