Von diesen Lehrern können andere Lehrer etwas lernen

Online-Unterricht - so geht das!

02. Februar 2021 - 22:06 Uhr

Diese Schule setzt seit Jahren auf digitalen Unterricht

Seit Wochen müssen Schüler online von Zuhause aus am Unterricht teilnehmen. Das funktioniert oft leider noch nicht so richtig gut. Aber: Gute Ideen und engagierte Lehrkräfte können viel bewirken. Das zeigen auch das Beispiel der Inge-Aicher-Scholl-Realschule in Neu-Ulm.

"Wir haben die Infrastruktur schon weit vor Corona aufgebaut"

Sebastian Schmidt arbeitet an einem Video für seine Schüler.
Sebastian Schmidt arbeitet an einem Video für seine Schüler.
© RTL

Um acht Uhr morgens melden sich die Schüler der Neu-Ulmer Inge-Aicher-Scholl-Realschule erstmal per Chat. So starten Schüler und Lehrer in den Tag. Der dauerhafte Kontakt mit den Schülern während der Pandemie ist für die Lehrer an der Realschule das A und O. Und auch der Online-Unterricht funktioniert gut. Der Grund: Die Schule hatte schon lange vor Corona ein Digitalkonzept. Und so sehen die Bausteine aus:

  1. Tablets setzt man an der Schule schon seit Jahren ein,
  2. dann half es, neben anderen engagierten Lehrern auch Sebastian Schmidt im Haus zu haben. Der Mathelehrer gewann den Deutschen Schulpreis – weil er seit Jahren innovativ mit Lernvideos lehrt, die er selbst in einem Mini-TV-Studio in seinem Keller produziert. Das Wissen, was online funktioniert, war somit da.
  3. Die besten Wege nutzen: Das Lehrmaterial wird über die Bayern-Plattform Mebis verteilt, der Online-Unterricht läuft über das Programm Teams, immer nur ganz kurz, dann wird selbständig gearbeitet. Bloß keine Online-Marathons.

"Wir haben die Infrastruktur schon weit vor Corona aufgebaut – das hat auch geholfen, aber andersherum hat uns auch das Aushandeln von 'Wie geht Unterricht mit neuen Medien?' und 'Was können auch alte Medien dazu beitragen?' vielleicht ein paar Schritte schneller vorangebracht wie man es mit dem Distanzlernen hinbekommt", erklärt Sebastian Schmidt. Er erklärt den Kindern den Unterrichtsstoff erst in Videos, die er in seinem Keller selber produziert. In Kombination mit Online-Sitzungen und dem Lernportal Mebis funktioniere das sehr gut. Schmidt gibt sein Know-How auch gern an Kollegen weiter und hat in den vergangenen Monaten 4.500 Lehrer online geschult.

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"Videokonferenz heißt eigentlich Hilfe zur Selbsthilfe"

Die Kommunikation unter den Schülern sei elementar, so Schmidt. "Man darf Unterricht nicht verwechseln damit, dass der Lehrer eine Dreiviertelstunde spricht und die Schüler nehmen es dann mit nach Hause, nein! Die Schüler müssen aktiviert werden, sich selber zu helfen und aktiv zu werden. Es ist im normalen Präsenzunterricht wichtig, dass die Schüler was sagen dürfen und das muss man auch mit nach Hause bringen – also nicht Distanzlehre, sondern Distanzlernen!

Und so läuft der Unterricht dann ab:

"Die Schüler bekommen Arbeitsaufträge, um selbstständig zu arbeiten und dann mache ich aber auch eine Videokonferenz, um ihnen Unterstützung anzubieten, sie aber auch dazu zu bringen, sich selbst zu unterstützen", erklärt der Lehrer. Auch bei den Schülerinnen kommt das Digitalkonzept gut an.

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"Chance Lehren und Lernen wirklich ins 21. Jahrhundert zu bringen"

Auch Sybille Ziegler, Lehrerin für Mathe, Geschichte und Religion an der Neu-Ulmer Schule, sieht im digitalen Unterricht eine Chance für das Lernen und Lehrern der Zukunft. Sie chattet mit ihren Schülern, gibt Hilfestellungen, übt Kritik oder lobt. Die Schüler hätte so die Möglichkeit, ihr Lernen viel individueller und freier zu gestalten und sich auch selbst nochmal zu reflektieren, so Ziegler. "Ich sehe die Situation tatsächlich als Chance, Lehren und Lernen wirklich ins 21. Jahrhundert zu bringen".

Mit täglichem Kontakt gegen Corona: So sieht das Konzept aus

Die Schule setzt ganz klar auf Sichtbarkeit und Austausch mit den Schülern. "Die Schüler haben über den Tag verteilt zwei bis drei Videokonferenzen und über die wird dann der Kontakt gehalten. Zusätzlich bekommen sie dann noch Aufgabenstellungen, die sie selbstständig und in Eigenregie lösen und bis zu einem gewissen Abgabetermin abgeben müssen, erklärt Stefan Vielweib, der Schulleiter der Inge-Aicher-Scholl-Realschule im RTL-Interview.

Ganz wichtig sei, dass die Schüler auch lernen zu lernen. "Wir wollen die Kinder in die Selbstständigkeit bringen", so der Schulleiter. Auch permanente Online-Konferenzen seien nicht sinnvoll. Schüler müssten auch mal abschalten können und sich selbst überlegen können, wann sie die Lerninhalte selbstständig erarbeiten, so Vielweib. Die Ergebnisse "Das, was ich selbstständig erarbeitet habe, das was ich selbst ausprobiert habe, das behalte ich auch viel besser im Kopf. Der Lernfortschritt wird dadurch besser." Das zeigten auch die Rückmeldungen der Schüler.

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