21. Februar 2019 - 11:23 Uhr

Vom Jagen, Sammeln und Verkaufen

Trödel- und Verkaufsexperte Sükrü Pehlivan erzählt, wie er zu dem geworden ist, was er ist. Außerdem gibt er Tipps zum Thema Handeln und Feilschen und klärt über die "No-Gos" auf.

Wie sind Sie zum Experten für Trödel geworden?

"Das fing schon in meiner Kindheit an. Mit sieben Jahren habe ich zuerst meine Matchbox-Autos verkauft und hab mir halt so ein bisschen Taschengeld dazu verdient. Ich komme aus einer großen Familie, habe noch vier Geschwister und deshalb saß das Geld nicht immer so locker. Später bin ich dann gerne auf Flohmärkte gegangen. Einfacher wurde es mit Ebay, wo ich der allererste eBay-Agent Deutschlands wurde. Eigentlich bin ich Fachinformatiker und war in der Anwendungsentwicklung tätig. Aber Freunde, Familie und Bekannte haben mich einfach nicht in Ruhe gelassen und baten mich immer wieder, für sie etwas zu versteigern. Dabei habe ich dann keine Zeit mehr gefunden, meine eigentliche Arbeit zu erledigen. Also habe ich mir ein Ebay-Verkaufsagent-Schild zugelegt und dachte, wenn die jetzt kommen und mich darum bitten, dann sage ich halt, ich habe schon so viel zu tun, es tut mir leid, es kann schon ein paar Monate dauern, so dass sie freiwillig wieder gehen. Das hat dann aber so viel Aufmerksamkeit erregt, es haben sich sehr viele Leute bei mir gemeldet, auch die Medien. Schließlich hat Kabel 1 mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei einer Trödelsendung mitzumachen. So bin ich zum Fernsehen gekommen."

Sie sind kurz nach der Geburt in die Türkei gezogen, mit 7 Jahren dann wieder zurück nach Mönchengladbach. Sind die Türken genauso eifrige Jäger und Sammler?

"Nein, sind sie nicht. Türken handeln sehr viel mit Autos und Maschinen, also eher mit größeren Sachen als mit kleineren Dingen, die man bei Ebay versteigert. Auch beim Sammeln sieht es ganz anders aus. Es wird nicht gesammelt, sie schmeißen oder verschenken direkt alles, was sie nicht mehr brauchen. Dadurch bleibt die Wohnung sauber und der Keller leer."

Wie feilscht man richtig? Was ist ein absolutes "No-Go" bei einem Verkaufsgespräch?

"Der Verkäufer sollte auf keinen Fall fragen, was Händler einem dafür geben würden. Denn wenn ich etwas verkaufe, dann weiß ich auch, was es für einen Wert hat. Und was natürlich immer wichtig ist, es heißt ja "Die Superhändler", weil hier auch verhandelt wird. Man muss, wenn man eine bestimmte Summe im Kopf hat, ein bisschen Aufpreis draufpacken , damit man auch die Möglichkeit hat, zu verhandeln und damit die Superhändler sehen, aha, er kommt auch auf mich zu. Also niemals mit einem Preis reingehen, den man fest im Kopf hat und dann sagen, dass ist die Schmerzgrenze, darunter geht nichts. Es muss halt auch Spaß machen, man muss zusammen feilschen können, man muss sich sympathisch sein, man muss sich langsam antasten und dann funktioniert das meistens auch mit dem Preis, den man sich vorgestellt hat."

Was verkauft sich gerade am besten?

"Eigentlich verkauft sich alles gut, es kommt aber immer darauf an, wo man es anbietet. Alte, dunkle Möbel gehen im Moment etwas schwieriger. Was gerade wieder voll im Trend ist, sind diese hellen Weichholzmöbel. Kleidung ist meiner Meinung nach auf dem Flohmarkt am besten zu verkaufen. Kinderklamotten und -Spielzeug gehen auf dem Flohmarkt ebenfalls sehr gut. Viele Eltern wissen ja selber, wie teuer Spielzeug ist. Die Kinder spielen drei Monate damit, danach liegt es in der Ecke und landet irgendwann in Kartons. Was auch im Trend ist, ist Vinyl, also Schallplatten. Und auch Schallplattenspieler sind wieder stark im Kommen.

Ich sage immer, alles, was man nicht mehr braucht, nicht einfach in die Schublade legen, sondern so schnell wie möglich verkaufen, damit man auch noch einen vernünftigen Preis dafür erzielt."

Haben Sie mal etwas ganz Besonderes auf einem Flohmarkt gefunden?

"Man findet eigentlich immer schöne Dinge auf dem Flohmarkt. Ich habe aber mal etwas bei einer Familie gefunden, wovon sie dachten, das hätte nur Flohmarkt-Wert. Als ich sie gefragt habe, was sie dafür haben möchten – es war eine Figur von dem Bildhauer George Minne "Der Idiot" – sagten sie 30 oder 40 Euro. Ich hab die Figur erkannt und bin mit der Familie zum Auktionator gefahren, wo wir 4.500 Euro erhalten haben."