Die Patientinnen ahnten nichts

Frauenarzt aus Holland zeugte heimlich 17 Kinder

Ohne Wissen der Frauen hat ein niederländischer Gynäkologe Patientinnen mit seinem Sperma befruchtet und so mindestens 17 Kinder gezeugt (Symbolbild).
Ohne Wissen der Frauen hat ein niederländischer Gynäkologe Patientinnen mit seinem Sperma befruchtet und so mindestens 17 Kinder gezeugt (Symbolbild).
© picture alliance / Sigrid_Gomber, Sigrid Gombert

08. Oktober 2020 - 10:09 Uhr

Gynäkologe befruchtete Patientinnen mit eigenem Sperma

Ohne Wissen der Frauen hat ein niederländischer Gynäkologe Patientinnen mit seinem Sperma befruchtet und so mindestens 17 Kinder gezeugt. Die Wunscheltern hätten nichts geahnt und sicher keine Zustimmung gegeben, teilte das Isala-Krankenhaus in Zwolle am Dienstag mit. Der inzwischen gestorbene Arzt war an einer Klinik in Zwolle zwischen 1981 und 1993 Spezialist für künstliche Befruchtungen mit Spendersperma. Damals waren die meisten Spender anonym.

Krankenhaus Zwolle: Arzt handelte "moralisch inakzeptabel"

Das Isala-Krankenhaus in Zwolle, etwa 100 Kilometer östlich von Amsterdam, machte den Fall am Dienstag öffentlich – auch im Namen der betroffenen Kinder und der Familie des Arztes. Das Verhalten des Arztes sei "moralisch inakzeptabel", erklärte das Krankenhaus. Man könne nicht zugleich behandelnder Arzt und Spender sein – und schon gar nicht ohne Zustimmung der Patientinnen.

Samenspende-Skandal per Zufall aufgedeckt

Gynäkologische Praxis
Die Wunscheltern ahnten nicht, dass der Gynäkologe für die Befruchtung sein eigenes Sperma nutzte (Symbolbild).
© picture-alliance / dpa, Klaus Rose

Der Fall kam durch Zufall ans Licht. Einige der heute erwachsenen Kinder hatten sich unabhängig voneinander auf die Suche nach ihrem biologischen Vater begeben. Ihre DNA-Proben stimmten überein mit denen von anderen Suchenden – und auch mit der DNA-Probe einer Cousine des Arztes. Eine Mutter erkannte sofort den Namen: Es war der ihres damaligen Arztes. Die Kinder informierten dessen Familie, und die gesetzlich anerkannten Kinder des Arztes stimmten einem DNA-Abgleich zu.

Die Wunscheltern seien "total ahnungslos" gewesen, erklärte Ina Kuper von der Direktion des Isala-Krankenhauses. "Die Eltern gingen von einem anonymen Spender aus", sagte sie der Zeitung "De Stentor". Das Motiv des Arztes hänge möglicherweise mit dem damaligen großen Spendermangel zusammen.

Eine der Mütter sagte der Zeitung: "Der Arzt machte auf uns einen freundlichen, engagierten und integren Eindruck. (...) Wir haben nie auch nur eine leise Vermutung gehabt, dass er selbst Spender hätte sein können." Die Frau wollte nur anonym zitiert werden.

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Holländischer Frauenarzt könnte noch mehr Kinder gezeugt haben

Das Krankenhaus schließt nicht aus, dass der Mediziner noch mehr Kinder gezeugt hat. "Zur Zeit der Befruchtung in den 80er-Jahren wurde den Wunscheltern geraten, die künstliche Befruchtung mit Spendersamen zu verschweigen", heißt es in der Erklärung des Krankenhauses.

Die betroffenen Kinder und die Angehörigen des Arztes hatten den Fall an die Öffentlichkeit gebracht – auch, um das Tabu rund um das Thema Samenspende zu brechen, wie Ina Kuper von der Krankenhausdirektion sagte. "Die Familien sind auch der Ansicht, dass jedes Kind das Recht hat, seine biologischen Eltern zu kennen."

Die Gesundheitsbehörden wurden informiert. Doch rechtliche Konsequenzen wird der Fall kaum haben: Mögliche Vergehen sind verjährt.

Ähnlicher Fall sorgte in Niederlanden für Entsetzen

Vor einigen Jahren hatte ein ähnlicher Fall in den Niederlanden für Entsetzen gesorgt. Ein umstrittener Fortpflanzungsmediziner hatte in den 80er- und 90er-Jahren mit seinem eigenen Sperma mindestens 49 Kinder gezeugt. Auch in diesem Fall wussten die Eltern nichts davon. Allerdings mussten die Kinder einen Abgleich mit der DNA des inzwischen gestorbenen Arztes vor Gericht erzwingen.

Anonyme Samen-Spenden sind seit 2004 in den Niederlanden nicht mehr zulässig.