Abschied von den Engeln

Victoria's Secret schmeißt alle Supermodels raus

Das Dessous-Label Victoria's Secret trennt sich von seinen Engeln.
Das Dessous-Label Victoria's Secret trennt sich von seinen Engeln.
© picture alliance, zz/ESBP/STAR MAX/IPx

18. Juni 2021 - 19:22 Uhr

„VS Collectiv“ ersetzt die Engel

Das Dessous-Label Victoria's Secret schmeißt alle seine berühmten Supermodels raus. Statt langer Beine sollen jetzt die inneren Werte eine größere Rolle spielen. Die "Engel" werden durch das "VS Collectiv" ersetzt. Das Unternehmen verspricht mit seiner neuen Ausrichtung "revolutionäre Kollektionen".

US-Fußballstar Megan Rapinoe ist eines der neuen Gesichter

Martin Waters, Geschäftsführer der Marke, gab den Abschied von den schönen Engeln in der "New York Times" bekannt: "Wir müssen aufhören, das zu tun, was Männer wollen, und anfangen, das zu tun, was Frauen wollen." Victoria's Secret will ab sofort nur noch mit Frauen werben, die für ihre Leistungen bekannt sind.

Ein neues Gesicht bei Victoria's Secret ist US-Fußballstar Megan Rapinoe. Die 35-Jährige ist selbst lesbisch, setzt sich für die Rechte Homosexueller ein – und hat sich regelmäßig mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wegen seiner politischen Ausrichtung angelegt.

Neue Gesichter könnten das Unternehmen wertvoller machen - für den bevorstehenden Börsengang

Victoria's Secret kämpfte noch im letzten Jahr gegen Image- und Absatzprobleme. Neue Kollektionen wurden direkt mit Rabatten angeboten und auch auf reduzierte Artikel gab es ordentlich Prozente obendrauf. Die auf makellose, leicht bekleidete Frauenkörper setzende "Sex Sells"-Vermarktung wurde in Zeiten von "Body Shaming"-Debatten und der "#MeToo"-Bewegung zum Stein des Anstoßes.

Und dann beschuldigte auch noch Supermodel Bella Hadid den Ex-Marketingchef Edward Razek der sexuellen Belästigung. Er soll seine Machtposition schamlos ausgenutzt und die Mädchen hinter den Kulissen sogar unsittlich berührt haben. Auch das deutsche Model Toni Garrn packte über ihre Zeit als Unterwäsche-Engel aus.

Inzwischen wurde bei Victoria´s Secret ordentlich aufgeräumt, auch die Geschäfte laufen wieder besser. Im ersten Quartal 2021 stieg der Umsatz von "Victoria's Secret" im Jahresvergleich um 74 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar (1,3 Mrd Euro). Und dann will der Mutterkonzern L Brands die Marke Victoria´s Secret noch in diesem Jahr an die Börse bringen. Ein paar kluge Köpfe statt langer Beine könnten das Unternehmen ordentlich aufwerten – und deutlich wertvoller machen. (aze)