Depressionen durch die Pille? Packungsbeilage warnt ab sofort vor Suizidrisiko

22. November 2018 - 13:57 Uhr

Neuer Warnhinweis soll für bessere Aufklärung sorgen

Eine winzige Tablette eingeworfen, und schon ist die Sache geregelt: Die Antibabypille ist in Deutschland mit das beliebteste Verhütungsmittel. Doch der Schutz kommt nicht ohne Risiken zustande. Ab sofort wird auf den Beipackzetteln in aller Deutlichkeit vor der Gefahr von Depressionen und Suizidgedanken durch die Einnahme der Pille gewarnt. Wie groß diese wirklich ist, erklärt eine Gynäkologin im Video.

Vielen Frauen sind die Auswirkungen der Pille nicht bewusst

Die Verhütung mit der Pille gilt als sehr sicher, doch viele Frauen wissen nicht, was die darin enthaltenen Hormone mit ihrem Körper machen können. Eine Studie des Universitätsklinikums Kopenhagen, an der fast 500.000 Frauen teilnahmen, zeigte jetzt: Unter denen, die die Pille nahmen, war der Anteil der Selbstmorde und Selbstmordversuche fast doppelt so hoch wie unter Frauen, die noch nie hormonell verhütet hatten.

Bisher steht in den Packungsbeilagen zwar bereits der Hinweis auf Stimmungsschwankungen und Depressionen, die durch die Pille auftreten können, doch nun wird die Warnung auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) deutlich verstärkt: "Depressionen können schwerwiegend sein und gelegentlich zu Selbsttötungsgedanken führen." Eine bis zehn von 1.000 Anwenderinnen der Pille entwickeln laut den Informationen zu möglichen Nebenwirkungen eine Depression.

Gibt es Pillen, bei denen das Risiko besonders hoch ist?

Gynäkologin Zuhal Stella Al-Dulaimi erklärt: "Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Welche Pille verschrieben wird, muss immer im Einzelfall entschieden werden. Bei Präparaten mit dem Gestagen Levonogestrel treten zum Beispiel häufiger Stimmungsschwankungen auf, gleichzeitig ist das Hormon das am längsten erforschte und birgt ein niedrigeres Risiko für Thrombosen als andere."

Die Ärztin kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass depressive Verstimmungen ein häufiges Problem bei der Einnahme der Pille sind: "Bestimmt 20 Prozent meiner Patientinnen berichten von solchen Nebenwirkungen – aber nur, wenn sie direkt gefragt werden, denn von selbst redet fast keine über ihre Psyche." Sie warnt jedoch davor, das Verhütungsmittel als einzigen Grund für das Auftreten einer Depression zu sehen. "Die Pille allein ist nicht der einzige entscheidende Faktor, sondern verstärkt das ohnehin schon vorhandene Potenzial."

Kondome und Kupferpräparate einzige Alternative

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wählen rund 55 Prozent der Frauen die Pille als Verhütungsmittel. Sollen die möglichen Nebenwirkungen vermieden werden, sieht Zuhal Stella Al-Dulaimi eine hormonfreie Verhütung - also Kondom, Kupferkette oder Kupferspirale – als einzige Alternative mit ähnlich hoher Sicherheit.