Happy Birthday!

Das große Janosch-Interview zum 90. Geburtstag

Der Künstler Janosch
Der Künstler Janosch
© dpa, --, htf alf

12. März 2021 - 5:59 Uhr

Oh, wie schön ist Panama

Janosch gilt als einer der bedeutendsten Kinderbuchautoren und – illustratoren des 20. Jahrhunderts. Zu verdanken hat er das vor allem seinen Figuren Tiger, Bär und Tigerente, die 1978 zum ersten Mal in der Geschichte "Oh, wie schön ist Panama" auftauchen. Doch Janosch ist mehr als nur die Tigerente! Im Interview erzählt Janosch von seiner Fitness, Picasso, Günther Jauch und Teneriffa.

Janosch, wie fühlen Sie sich eigentlich?

Sie werden am 11. März 90 Jahre alt – wie fühlen Sie sich?

JANOSCH: Ich fühle mich wie am ersten Tag. Aber: Feiern muss ich nicht. Genug gefeiert.

Was bedeutet denn Älterwerden für Sie?

JANOSCH: Ich freue mich schon darauf.

Und wie haben Sie sich im Laufe der Jahre verändert?

JANOSCH: Kaum. Na ja, der Kopfstand fällt mir nicht mehr ganz so leicht wie früher.

Sie sehen gut aus: Sind das Leben und das Klima auf den Kanaren das Geheimnis? Sie leben ja seit Jahrzehnten auf Teneriffa.

JANOSCH: Ich bin halbwegs fit – mit viel Schlafen, mit sehr viel Ruhe. Bin ja jetzt schon 40 Jahre hier. Und habe es nie bereut, das kalte Europa gegen das Leben auf dem Land und in der Sonne eingetauscht zu haben.Corona kommt hier jedenfalls nicht zur Haustür rein marschiert - abgelegen zu wohnen hat eine Menge Vorteile - wenn man nicht ständig Menschen um sich herum braucht. Schlimm ist, wenn sich ganze Busladungen auf den Weg machen, um einen alten Mann wie mich zu besuchen… aber das geht ja jetzt nicht mehr. Das wird ein ruhiger Geburtstag - aber das ist auch gut so. Keine Festrede - kein Brimborium. Falls meine Frau mir da nicht Bescheid sagt, werde ich wohl gar nichts merken, und fragen "Was soll denn die Torte da?"

Aber vielleicht gibt es eine Schlagzeile, die Sie in diesem Jahr über sich selbst lesen wollen würden?

JANOSCH: 90. Geburtstag von Janosch wurde weitgehend ignoriert.

Es gibt nicht nur Bilder für Kinder

Sie sind ja über einen sehr langen Zeitraum produktiv gewesen, haben für Kinder wie Erwachsene gezeichnet und gemalt. Von der Tigerente bis zum Wondrak, haben Fernsehen gemacht, Kalender, Kinderbücher, Kolumnen und viele, viele Editionen und Unikate.

JANOSCH: Ich hab vor allem für mich gemalt. Denke ich so – zumindest das, was nicht jugendfrei ist, also der Schweinskram – der hängt ja auch nicht im Wartezimmer beim Arzt, sondern irgendwo zuhause, wo´s nicht jeder sieht. "Sex und Suff und Gewalt" hat mal jemand über mich geschrieben. Stimmt, stimmt aber auch nicht. Ja - Malen, Malen auf Papier - mit Tusche und Aquarellfarben, das mach ich auch heute noch. Manchmal. Bin aber nur zufrieden, wenn der Titel des Bildes auch wirklich passt. Alles muss passen. Egal ob das Thema eher schräg oder kindlich ist. Und nochmal zur Kunst - was meine Augen nicht mehr so lustig finden, sind die Radierungen. Da muss ich das Motiv spiegelverkehrt mit der Radiernadel in eine Kupferplatte ritzen – und das ist immer eine Drecksarbeit, ich meine damit Denksportarbeit und Präzision pur.

Sie meinen, weil der Abdruck für die Druckauflage seitenverkehrt sein muss? Sie machen das immer noch so, wie man das früher gemacht hat, in der Zeit, bevor es Computer gab?

JANOSCH: Ja. Nicht seitenverkehrt – nicht quergedacht - sondern spiegelverkehrt.

Gibt es da in der Rückschau bestimmte Bilder oder Werke, die für Sie besonders wertvoll sind? Und wo befinden sich diese Bilder?

JANOSCH: Wenn Sie mir 50 meiner Bilder zeigen könnten, dann würde ich da sicher das eine oder andere rausfischen und sagen: Das da ist doch was ganz Besonderes… aber ist das überhaupt von mir? Es sind bestimmt Tausende an Unikaten, die alle längst verkauft sind oder sich in musealen Sammlungen befinden - selbst mein Verleger ist ein großer Sammler – ja, und es gibt sicher Hunderte von Editionen, die ich gemacht habe, ich meine, die ich in Kupfer geritzt habe, die dann vervielfältigt wurden. Und dann die vielen Illustrationen, es sind ja nun doch einige Bücher erschienen. Ich habe eigentlich immer gemalt, aber sicher nicht so viel wie Picasso, der hat es mit 91 Jahren auf über 30.000 erfasste Werke gebracht. Und ist auch etwas berühmter geworden als ich.

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Welche Ihrer Ausstellungen hat Ihnen denn besonders gut gefallen?

JANOSCH: Da denke ich sofort an die Ausstellung im Günter Grass-Haus in Lübeck. Sicher schon über 10 Jahre her. Toller Typ – der Grass. Wenn ich schon nicht Schopenhauer oder Nietzsche kennenlernen konnte, so war das sicher ein ganz besonderes Vergnügen. Ich mag aber auch Günther Jauch oder Anke Engelke, die sagen den jungen Leuten heute mehr als Nietzsche oder Grass.

Derzeit sind Ausstellungen mit Publikumsverkehr kaum denkbar. Was denken Sie über Corona? Was macht Ihnen in diesen pandemischen Zeiten Mut?

JANOSCH: In meiner Jugend gab es zahlreiche gefährliche Viren wie z. B. Polio, die haben ihren Schrecken verloren. Es macht mir Mut, dass es heute so schnell so gute Impfstoffe gibt.

Wie wird Janosch in 5 Jahren über Corona denken?

JANOSCH: Corona? Dagegen sind wir doch dann geimpft!

Die Zeit der Corona-Pandemie ist gerade auch für Kinder nicht einfach. Was raten Sie Kindern für diese Krise?

JANOSCH: Ich sehe es als Chance, das zu tun, wozu die Zeit sonst nie reicht. Wie wäre es mit Bücher lesen. Oder Zimmer aufräumen.

Vielen Menschen fällt aber die Decke auf den Kopf, weil sie nur zu Hause sind. Würden sich Tiger und Bär auch auf den Geist gehen?

JANOSCH: Nein. Sie würden natürlich ihre Freunde vermissen und müssten Reisen nach Mittelamerika verschieben, aber sie könnten zuhause auf Schatzsuche gehen - oder einfach mal einen Brief schreiben.

"Ich wusste, dass noch eine richtig blöde Frage kommt"

Sie sagen selbst, dass Sie persönlich von Corona kaum etwas mitbekommen haben. Denn Sie wohnen auf ihrer eigenen Finca auf Teneriffa.

JANOSCH: Ja, das ist unser kleines Reich. Hier haben wir Platz - hier herrscht Ruhe ohne Stille. Und - hier kann man arbeiten – wenn man denn will. Denn gearbeitet habe ich genug – wenn ich die Malerei überhaupt als Arbeit bezeichnen möchte.

Das klingt toll! Fühlen Sie sich reich? Was bedeutet für Sie Reichtum?

JANOSCH: Ich wusste, dass noch eine richtig blöde Frage kommt. Wenn ich an Schlesien denke, an meinen Vater, an die mühsamen Anfänge, dann kann ich mich heute auf jeden Fall nicht beklagen. Obwohl ich mich gerne beklage. Wenn ich Gesundheit kaufen könnte, würde ich das sicher machen. Aber der Zug ist längst abgefahren. Mein Reichtum ist jetzt jeder Tag, an dem es morgens hell und abends dunkel wird. Ich fühle mich reich beschenkt durch das Leben. Ich verfolge keine ehrgeizigen Ziele mehr, bin dankbar, dass meine Frau Ines hier ist – wir sind beide bescheiden - nie gierig. Übrigens RTL - das Interview ist jetzt beendet … Ganz wichtig: "Grüßen Sie mir alle Kinder in Deutschland!" Die sollen den Kopf hochhalten.

Vielen Dank, Janosch. Und alles Gute zum 90. Geburtstag!

Die Fragen stellte Jan Bulig

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