Auch wenn die Stiko das anders sieht

Darum können in Niedersachsen alle Jugendlichen geimpft werden

In Niedersachsen werden Jugendliche bereits seit Anfang Juni gegen das Coronavirus geimpft, wenn sie wollen. (Symbolbild)
In Niedersachsen werden Jugendliche bereits seit Anfang Juni gegen das Coronavirus geimpft, wenn sie wollen. (Symbolbild)
© dpa, Oliver Berg, obe cul vco

03. August 2021 - 17:10 Uhr

Impfangebot für alle ab 12 Jahren

Die Gesundheitsminister der Länder sind sich einig: Alle Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren sollen geimpft werden können, wenn ihre Eltern dem zustimmen. Dafür zugelassen sind die Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna. Künftig sollen nicht nur Hausärzte Jugendliche impfen können, sondern auch Impfzentren sollen die Impfung anbieten. Niedersachsen sieht sich mit diesem Beschluss bestätigt, werden hier doch schon seit Anfang Juli Jugendliche ab 12 Jahren geimpft. Doch die Entscheidung ist umstritten.

​+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Gesundheitsministerin verteidigt Impfpläne

18.07.2021, Niedersachsen, Hannover: Impflinge stehen am Eingang vom Impfzentrum auf dem Messegelände in einer Schlange. Bei einer landesweiten Impfaktion für Kinder und Jugendliche wurden rund 27 000 Impfdosen gegen das Coronavirus für den Aktionsta
Die Impfaktion für Jugendliche Ende Juli wurde gut angenommen.
© dpa, Swen Pförtner, spf sb

Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich gegen eine generelle Impfung von Jugendlichen aus. Stattdessen sollen nur die geimpft werden, die aufgrund einer Vorerkrankung, wie beispielsweise Diabetes, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Als Grund nennt die Stiko die noch geringe Datenlage.

Es sei eine sehr emotionale Debatte "an der ich mich nicht beteiligen möchte", sagte die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) während der Landespressekonferenz am Dienstag. Das Land mache Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren ein Impfangebot, weil Eltern, aber auch Jugendliche selbst danach gefragt hätten. Bis zum Dienstag haben sich laut Gesundheitsministerium rund 112.000 der zwischen 12- und 17-Jährigen erstimpfen lassen, das entspricht 28% in dieser Altersgruppe, rund 41.000 seien bereits zweifach geimpft. Im Juli, kurz vor Start der Ferien, gab es eine groß angelegte Impfaktion, die gut angenommen wurden. Die Nachfrage in Niedersachsen ist also groß, weshalb künftig in 36 der 50 Impfzentren im Bundesland auch diese Gruppe den Piks bekommen werden. Die Ministerin betont aber, dass es keine Impfverpflichtung sei, sondern ein Angebot.

Eltern sind besorgt, Kinder wollen keine Außenseiter sein

Bei unserer RTL Nord-Umfrage in Hannover gehen die Meinungen auseinander:"Ich persönlich würde mein Kind nicht impfen lassen", erzählt uns eine Mutter. Ein andere ist besorgt, "weil einfach keine langfristigen Erkenntnisse da sind." Als unsere Reporterin einen Jungen fragt, ob er sich impfen lassen würde, ist die Antwort allerdings ganz klar: "Ja, weil die Hälfte meiner Klasse auch schon geimpft ist und man nicht der Einzige ist." Und auch Immunologe Jürgen Wienands spricht sich für eine Impfung aus: "Man muss eben festhalten, dass auch Jugendliche, junge Erwachsene, mit schweren Verläufen rechnen müssen. Und dann auch Post-Covid und Long-Covis zu erwarten haben. Und von daher begrüße ich die gemachten Impfangebote für diese Altersgruppe." (mba)