Dank Elektrostimulation: Querschnittsgelähmter läuft 102 Meter!

25. September 2018 - 13:30 Uhr

Großer Erfolg für Mediziner der Mayo Clinic in Rochester oder nur ein Einzelfall?

Das ist ein Rekord! Ein gelähmter Patient hat es mit Hilfe einer neuen Behandlungstechnik geschafft, 331 Schritte zu gehen. Er legte eine Strecke von 102 Metern zurück. Dafür benötigte er zwar einen Rollator und Stützhilfe durch einen Therapeuten, doch die verantwortlichen Forscher sehen in ihrem Verfahren einen enormen Fortschritt. Andere Ärzte bleiben skeptisch.

Elektroimpulse simulieren Gehirnsignale für die Phasen eines Schrittes

Mediziner der Mayo Clinic in Rochester (Minnesota, USA) behandelten den Mann mit elektrischer Rückenmarkstimulation und stellen ihr Ergebnis nun im Fachjournal "Nature Medicine" vor. Das Team um Kendall Lee und Kristin Zhao implantierte dem Patienten, dessen Rückenmark seit einem Unfall vor vier Jahren beschädigt ist, einen Neurostimulator.

Bei einer Querschnittslähmung ist das Rückenmark des Patienten so stark beschädigt, dass die Signale aus dem Gehirn nicht mehr oder kaum noch an die Beine weitergeleitet werden können. Mit der elektrischen Rückenmarkstimulation versuchten die Mediziner nun, die verletzte Stelle zu überbrücken.

Sie schickten Elektroimpulse in seine Beinmuskeln. Dabei entdeckten sie, dass ein einzelnes Stimulationsmuster nicht ausreicht. Sie entwickelten zwei unterschiedliche, ineinandergreifende Muster, mithilfe derer der Patient die verschiedenen Phasen eines Schrittes meistern konnte.

"Es gab keine neurologische Heilung"

Andere Mediziner sind allerdings skeptisch. Zum einen, da es sich nur um einen Einzelfall handelt und das Rückenmark beim entsprechenden Patienten auch nicht vollständig zertrennt war. Zum anderen, weil der Mann neben dem Rollator und der Hilfe durch seinen Therapeuten auch 43 Wochen Rehabilitationstherapie gebraucht habe, um die 102 Meter laufen zu können.

"Er kann mit viel Hilfe ein paar Schritte gehen – aber es gab keine neurologische Heilung", gibt Jocelyne Bloch vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois in Lausanne (Schweiz) zu bedenken. "Doch im Labor einige Schritte zu tun, bedeutet nicht, dass das auch zu Hause und im Alltag klappt und das Leben verändert. Wir sollten also wortwörtlich einen Schritt zurücktreten und die Ergebnisse in der Realität betrachten."

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Für den Patienten ist es ein großer Hoffnungsschimmer

Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob die Technik auch anderen Querschnittsgelähmten helfen kann. Für den Mann, den Sie in unserem Video bei seinen ersten erfolgreichen Schritten nach vierjähriger Lähmung sehen können, sind die 102 gegangenen Meter jedoch ein unglaublicher Erfolg und ein wahnsinniger Hoffnungsschimmer.