Sie will Tabu um Geburtsverletzungen brechen

Dammriss dritten Grades: Frau hat zwei Jahre nach Geburt noch Schmerzen

Misha Clarke mit Sohn Cade: Die Geburt dauerte zwei Tage.
© Misha Clarke

08. Juli 2020 - 22:46 Uhr

Geburtsverletzungen: Noch zwei Jahre später leidet Misha Clarke unter Schmerzen

Als Misha Clarke aus der englischen Grafschaft Cumbria vor zwei Jahren ihren Sohn Cade zur Welt brachte, ahnte sie nicht, dass sie Jahre später immer noch mit den körperlichen Folgen der Geburt zu kämpfen haben würde. Wegen heftiger, lang andauernder Presswehen erlitt die damals 19-Jährige einen Dammriss dritten Grades, der ihr noch heute Schmerzen bereitet.

Misha Clarke bemerkte den Dammriss zunächst nicht

An ihrer Schwangerschaft sei nichts besonders auffällig gewesen, erzählt Misha Clarke im Interview mit Metro UK – bis im Juli 2018 ihre Wehen einsetzen. Auch nach vielen schmerzhaften Stunden, erinnert sich die heute 21-Jährige, habe sich ihr Muttermund kaum geöffnet, sodass ihr im Krankenhaus wehenfördernde Mittel verabreicht werden mussten. Erst unglaubliche 40 Stunden nachdem ihre Fruchtblase geplatzt war, setzten endlich die Presswehen ein.

"Ich presste und presste und wurde immer erschöpfter", erinnert sich die Mutter. "Das ging über eine Stunde so. Weil ich eine PDA bekommen hatte, bemerkte ich nicht, dass ich mir währenddessen einen Riss zuzog." Als ihr Sohn Cade endlich auf der Welt war, sagt sie, sei sie vor lauter Glück so abgelenkt gewesen, dass ihre Schmerzen in den Hintergrund rückten. Bei der Nachuntersuchung entdeckte die Hebamme dann die Verletzungen in Mishas Unterleib - sie waren so tief, dass sich die Hebamme nicht selbst zutraute, sie zu nähen und einen Arzt um Hilfe bat.

Das Tabu um Geburtsverletzungen im Intimbereich

Es stellte sich heraus: Misha hatte einen Dammriss dritten Grades. Der Bereich zwischen Anus und Vulva – das sogenannte Perineum – war während des Geburtsvorgangs bis zum Po gerissen. Auch an der Innenseite der Vaginalwand, an den Schamlippen sowie in der Nähe der Harnröhre trug sie Verletzungen davon. Sie wurde genäht, konnte jedoch tagelang kaum aufrecht sitzen oder gehen. Und auch noch heute, zwei Jahre nach dem schmerzhaften Erlebnis, verspürt die junge Frau noch immer Schmerzen im Unterleib.

Misha beschloss, mit ihrem Schicksal an die Öffentlichkeit zu gehen, um gegen das Stigma um Geburtsverletzungen im Intimbereich anzukämpfen. "Ich möchte Frauen dabei helfen zu verstehen, dass das, was sie da durchmachen, nichts ist, wofür man sich schämen sollte."

Damm-Massagen können Geburtsverletzungen vorbeugen

Misha Clarke und Sohn Cade
Trotz Schmerzen und Verletzungen bei der Geburt: Die Freude über Sohnemann Cade überwiegt für Misha Clarke.
© Misha Clarke

Das Problem sei, sagt Misha Clarke, dass viele Frauen nicht richtig darauf vorbereitet würden, was ihren Körpern während oder nach der Geburt widerfährt, auch, weil es ihnen unangenehm sei, über so intime Angelegenheiten wie einen Dammriss zu sprechen. Vor allem sei ihr wichtig, die Frauen darüber aufzuklären, wie sie Geburtsverletzungen vorbeugen können. Dafür seien regelmäßige Damm-Massagen ab der 34. Schwangerschaftswoche besonders wichtig.

Hier erfahren Sie, wie eine Damm-Massage zur Geburtsvorbereitung funktioniert.

Vor wenigen Monaten bekam die Britin ihr zweites Kind, eine Tochter namens Aurora. Auch dabei erlitt Misha einen Riss, der jedoch diesmal schneller verheilte, sagt sie, weil sie nun besser vorbereitet war.

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