Auswirkungen von härterer Corona-Maßnahme

Radius-Regel: Was bedeutet das fürs Umgangsrecht?

Ein eingeschränkter Bewegungs- und Reiseradius von 15 Kilometern soll das Infektionsgeschehen in Corona-Hotspots eindämmen.
© iStockphoto

07. Januar 2021 - 10:25 Uhr

15-Kilometer-Bewegungsradius: Das sind die Folgen

Wer hoffnungsvoll auf den Januar und die damit möglichen Corona-Lockerungen geblickt hat, dürfte von diesem Beschluss bitter enttäuscht werden. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder haben die Einführung einer Radius-Regel, einer Einschränkung des Bewegungsradius in Corona-Gebieten mit einem Inzidenzwert ab 200, beschlossen.

Doch was bedeutet eine solche Radius-Regel für das Umgangsrecht? Denke man einmal an Scheidungskinder, deren Eltern nicht zusammen leben, oder aber Großeltern, die außerhalb des angekündigten 15-Kilometer-Radius leben. Wir erklären, was die Corona-Maßnahme für Auswirkungen hat.

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus können Sie im Liveticker auf RTL.de nachlesen +++

Fahrten außerhalb des Radius sind tabu

Was in Sachsen schon länger galt, findet jetzt bundesweit Anwendung: In Regionen mit einer 7-Tage-Inzidenz über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sollen Bürger sich künftig nicht mehr als 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen – außer sie haben einen "triftigen Grund". Fahrten zu Familie, Freunden und Bekannten außerhalb dieses Radius sind damit untersagt. Ähnlich wie beim harten Lockdown Anfang des Jahres setzt die Maßnahmen-Verschärfung darauf, soziale Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Ob Ausnahmen für die Radius-Regel gelten werden, steht aktuell noch nicht fest. Als "triftiger Grund" gelte ein Arztbesuch oder die Fahrt zur Arbeitsstätte, wie Merkel in der Pressekonferenz zu der Lockdown-Verlängerung am Dienstag mitteilte.

Nicht alle Länderchefs waren von der Knallhart-Regel, die sich auf die Mehrheit der Bundesbürger auswirkt, überzeugt. Während Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen für den Radius plädierten, hätten Hessen, Niedersachsen und NRW den Lockdown lieber verlängert, nicht aber mit strengeren Auflagen.

Ob Ihre Region von der Radius-Regel betroffen ist, das erfahren Sie hier.

Ein-Haushalt-Plus-1-Regel: Dürfen Kinder das getrennt lebende Elternteil besuchen?

Seit dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern am 05. Januar wurden auch die Kontaktbeschränkungen nochmals verschärft. Die Zwei-Haushalte-Regelung gilt weiterhin, dabei sollen private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten allerdings auf maximal eine weitere haushaltsfremde Person begrenzt sein. Das gilt diesmal auch für Kinder unter 14 Jahren. Wie ist dann aber, wenn Kinder das getrennt lebende Elternteil besuchen wollen?

Bei dieser Frage werde es darauf ankommen, wie die Verordnungen der Bundesländer die vom Bund beschlossenen Maßnahmen umsetzen, erklärt Anwältin Nicole Mutschke im RTL-Interview. "Bisher war es immer so, dass es mit nahen Angehörigen Ausnahmeregelungen gab." Auch in dem neuen Beschluss seien derartige noch nicht automatisch ausgeschaltet, so die Anwältin. Trotzdem klinge es so, dass zwar beispielsweise Kinder ihren Vater besuchen dürfen, wenn dieser in einem anderen Haushalt wohnt, jedoch dürften dann vermutlich keine weiteren Personen anwesend sein. Das könnte zum Beispiel dann problematisch werden, wenn der Vater in einer Wohngemeinschaft lebt oder mit einer neuen Partnerin zusammenwohnt.