Nur zwei Tage nach seinem Herzstillstand

Eriksen meldet sich zu Wort: "Ich werde nie aufgeben"

15. Juni 2021 - 10:01 Uhr

Es ist seine erste öffentliche Äußerung

Das Drama um Christian Eriksen hält die Fußballwelt am Samstagabend in Atem, jetzt hat sich der Spielmacher der Dänen erstmals nach seinem dramatischen Kollaps bei der Fußball-EM zu Wort gemeldet. "Danke an alle, ich werde nicht aufgeben", lässt der 29-Jährige aus dem Krankenhaus über seinen Manager gegenüber der "Gazzetta dello Sport" ausrichten: "Ich fühle mich jetzt besser – aber ich möchte verstehen, was passiert ist."

Eriksen lacht und scherzt schon wieder

Eriksen muss weiter im Krankenhaus bleiben, ist aber nach Angaben seines Beraters auf dem Weg der Besserung. "Wir haben uns heute Morgen gehört. Er hat gescherzt, er war guter Stimmung, es geht ihm gut", sagte Martin Schoots der "Gazzetta dello Sport". "Wir wollen alle verstehen, was ihm passiert ist, das will er auch: Die Ärzte machen gründliche Untersuchungen, das braucht Zeit", ergänzte Schoots.

Der 29-Jährige werde wahrscheinlich bis Montag oder Dienstag unter Beobachtung im Krankenhaus bleiben. "Jetzt muss er sich erholen, seine Frau und die Eltern sind bei ihm", sagte Schoots. Der Mittelfeldspieler verfolge aber auch die dänischen EM-Spiele weiter: "In jedem Fall will er sein Team gegen Belgien als Fan unterstützen."

Das EM-Drama um Eriksen

COPENHAGEN, DENMARK - JUNE 12: Medics surround Christian Eriksen of Denmark as he receives treatment during the UEFA Euro 2020 Championship Group B match between Denmark and Finland on June 12, 2021 in Copenhagen, Denmark. (Photo by Martin Meissner -
Die Sanitäter kämpfen um Eriksens Leben
© Getty Images, Bongarts, ma / GW

Der Mittelfeldspieler von Inter Mailand war im Vorrundenspiel gegen Finnland plötzlich und ohne Einwirkung des Gegners zusammengebrochen und musste auf dem Spielfeld wiederbelebt werden. Der Grund für Eriksens Herzstillstand ist noch nicht geklärt. Im Krankenhaus in Kopenhagen stabilisierte sich sein Zustand. "Er war glücklich, weil er gesehen hat, wie viel Liebe er um sich herum hat. Er hat Nachrichten aus aller Welt bekommen", berichtete sein Berater Schoots.

Millionen Menschen haben live miterlebt, wie wichtig Herzdruckmassagen sind und wie Team-Kapitän Kjear zum Helden wurde. Er hatte die gefährliche Situation frühzeitig erkannt, seinen um das Leben ringenden Mitspieler in die stabile Seitenlage gebracht, ihn abgeschirmt und seine Frau getröstet. Doch er hat auch gezeigt wie belastend eine solche Situation sein kann. Eine gute Viertelstunde nach dem Wiederanpfiff bat Kjaer um seine Auswechslung.

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Verarbeitung des Eriksen-Kollaps kann lange dauern

Yussuf Poulsen, Simon Kjaer, Thomas Delaney, Andreas Christensen og Jonas Wind mens Christian Eriksen faar behandling under EM landskampen mellem Danmark-Finland i Parken, Koebenhavn loerdag den 12. juni 2021. , Copenhagen Denmark *** Yussuf Poulsen,
Fassungslosigkeit bei der dänischen Nationalmannschaft
© imago images/Ritzau Scanpix, Liselotte Sabroe via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der Sportpsychologe René Paasch geht davon aus, dass der dramatische Zusammenbruch des Mittelfeldstars Christian Eriksen im EM-Gruppenspiel den Spielern der dänischen Fußball-Nationalmannschaft noch länger zu schaffen machen wird. Solch ein plötzlich auftretendes Ereignis bedeute für die Mitspieler "natürlich auch eine Schocksituation, eine Schockstarre, die dazu führen kann, dass man selbst auf einmal Angst aufbaut und Sorge hat", sagte Paasch in einem Interview. "Wir sprechen dann in solch einem Moment auch wirklich von einer posttraumatischen Belastungsstörung, die sich manifestieren kann, indem man viele traurige Phasen hat, nicht schlafen und sich nicht konzentrieren kann."

Der dänische Fußball-Verband hatte seinen Spielern bereits kurz nach dem Spiel psychologische Hilfe in Aussicht gestellt. "Es ist eine traumatische Erfahrung", sagte Nationaltrainer Kasper Hjulmand. "Wir werden die nächsten Tage damit verbringen, so gut wie möglich daran zu arbeiten. Und natürlich gibt es professionelle Leute um uns herum." Der Verband bot auf seiner Internetseite ganz konkret "den Spielern, Christians Familie und allen anderen in der Herren-Nationalmannschaft Krisenhilfe an". (fgo/dpa/sid)

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