Yangjie Li wurde vergewaltigt und umgebracht

Chinesische Studentin in Dessau ermordet - Fünf Jahre danach haben Eltern wieder Hoffnung

Die chinesische Studentin Yangjie Li wurde in Dessau ermordet.
Die chinesische Studentin Yangjie Li wurde in Dessau ermordet.
© dpa, Peter Endig, pen

11. Mai 2021 - 15:58 Uhr

100 Meter von ihrer Wohnung entfernt in eine Falle gelockt

Die junge Chinesin Yangjie Li kam für ein Architektur-Studium nach Dessau (Sachsen-Anhalt). Nach dem Abschluss wollte sie zurück in die Heimat. Die 25-Jährige wollte ihren Eltern ein Traumhaus planen, Marathon laufen, eine Familie gründen. Doch dazu kam es nicht. Die Studentin wurde 100 Meter von ihrer Dessauer Wohnung entfernt von einem Pärchen in einen Hinterhalt gelockt, vergewaltigt und ermordet, musste stundenlang leiden. Ihre Eltern gingen durch die Hölle. Fünf Jahre nach der Tat haben sie nach einer Zeit voller Leid neue Hoffnung.

Yangjie Lis Eltern haben inzwischen Zwillinge bekommen

Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet, haben Yangjie Lis Eltern inzwischen Zwillinge bekommen. Die beiden Mädchen seien heute drei Jahre alt, heißt es weiter. "Das Gute hat gewonnen", zitiert das Blatt Rudolf Lückmann. Er ist Professor für Architektur an Hochschule Anhalt, seine Frau Yili Lu betreut dort ausländische Studentin. Als Yangjie Li am 11. Mai 2016 verschwand, begleiteten die beiden ihre Eltern durch die quälende Zeit. Sie holten das trauernde Paar vom Flughafen ab, nachdem die Leiche ihrer Tochter entdeckt worden war, heißt es in dem Bericht. Der Professor sei auch dabei gewesen, als der Vater im Krematorium den Sarg seiner Tochter umarmt und um Vergebung gebeten habe. "Weil er ihr beigebracht hatte, zu kämpfen. Er glaubte: Wenn sie sich nicht gewehrt hätte, würde sie noch leben", sagt Lückmann. Die Eltern nahmen die Urne mit der Asche ihrer Tochter mit zurück nach China, der Kontakt mit ihnen sei bis heute freundschaftlich.

Vater entschuldigte sich am Sarg der Tochter

Das sei gerade am Anfang anders gewesen. "Die ersten Tage waren sehr schwierig. Sie misstrauten uns, weil sie den Institutionen in Deutschland misstrauten", erinnert sich der Professor. Lis Eltern hätten sich Vorwürfe gemacht, ihr zu dieser Zeit einziges Kind nach Deutschland gelassen zu haben. Lückmann und sie selbst seien "Mund und Ohren" für das trauernde Paar gewesen, sagt Yili Lu. "Wir wussten alles und waren der Ansprechpartner für alle." Als nach und nach die grauenvollen Details des Mordes ans Licht kommen, geraten auch die Betreuer an ihre Grenzen. Yili Lu habe nicht richtig schlafen können, weil sie nachts nachdachte, ihr Mann habe Gewicht verloren. "Wir haben in dieser Zeit den Glauben an das Gute verloren und zwei Jahre Lebensfreude", zitiert die "Mitteldeutsche Zeitung" Rudolf Lückmann. Er habe sich übergeben müssen, als er erstmals den Ablauf der Tat gehört habe.

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Schreiendes Opfer in Wohnung gezerrt

Der Angeklagte Sebastian F. steht am 04.08.2017 in Dessau-Roßlau in einem Saal des Landgerichts. Das Landgericht Dessau-Roßlau hat den Vergewaltiger und Mörder einer chinesischen Studentin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Seine mitan
Urteilsverkündung nach Mord an chinesischer Studentin.
© dpa, Sebastian Willnow, wil jai

Die Ermittler rekonstruieren, dass der damals 21 Jahre alte Sebastian F. und seine gleichaltrige Mittäterin Xenia I. die junge Chinesin am Abend des 11. Mai 2016 bei ihrer abendlichen Joggingrunde abfangen. Die beiden zerren ihr schreiendes Opfer in eine leerstehende Wohnung und missbrauchen Li mehrfach. Dabei wird die 25-Jährige so übel misshandelt, dass sie noch in der Nacht stirbt. Bei der Obduktion werden schwere Verletzungen am Kopf und im Gesicht festgestellt. Zwei Tage nach der Tat wird die Leiche der jungen Frau unter einer Konifere entdeckt, nur wenige Meter von ihrer WG entfernt. Im Prozess spricht die Richterin von einem "unfassbaren Verbrechen", Die beiden Angeklagten, die selbst junge Kinder haben, sollen das Leben der Studentin ausgelöscht haben, um ihre sexuellen Fantasien ausleben zu können. Das eiskalt geplante Verbrechen und die Skrupellosigkeit, mit der es durchgeführt wurde, schockieren die Menschen im Gerichtssaal.

Xenia I. zeigt Reue - ihr Ex nicht

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Xenia I. wird in den Gerichtssaal geführt.
© dpa, Sebastian Willnow, wil jai

Die Ermittler durchleuchten die Vergangenheit der Angeklagten und stellen fest, dass beide während ihrer Kindheit missbraucht wurden. Während ihr Ex-Partner zu den Vorwürfen schweigt und die mehr als 30 Verhandlungstage teilnahmslos verfolgt, zeigt Xenia I. vor Gericht Reue und Scham. Sie sei jahrelang von F. missbraucht, gedemütigt und geschlagen worden. An der Tat will sie nur zeitweise beteiligt gewesen sein. Das Gericht verurteilt den Angeklagten schließlich zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, seine Mittäterin muss fünfeinhalb Jahre in Haft, zudem müssen beide insgesamt 60.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Beide nehmen das Urteil ohne Regung zur Kenntnis.

Yili Lu ist auch fünf Jahre nach der Tat noch von der Stärke von Yangjie Lis Eltern beeindruckt. "Wir haben von den Eltern viel gelernt", sagt Yili Lu der "Mitteldeutschen Zeitung". Die Mutter habe sogar Mitgefühl mit den Eltern des Täters gezeigt. ",Nun hat er zwei Müttern die Hoffnung ihres Lebens genommen', hat sie gesagt."

MST

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