Happy Birthday, Dr. Steelhammer!

"Challenge Master" Wladimir Klitschko feiert 44. Geburtstag

New Body Award 2017
© dpa, Britta Pedersen, ped sab

25. März 2020 - 17:56 Uhr

Von Reinhard Brings

Geburtstage sind ihm nicht so wichtig, er redet auch nicht gerne darüber. 44 Jahre wird Wladimir Klitschko heute – und er steht mitten im Leben. Der langjährige Schwergewichts-Weltmeister ist nicht absturzgefährdet wie viele andere Boxer, die nach ihrer Karriere nichts mehr mit sich anzufangen wissen. Um das zu verhindern, hat der Champion schon während seiner Laufbahn an sich gearbeitet.

Erstes Treffen in Köln

Meine erste Begegnung mit Klitschko hatte ich im Juli 2007 in Köln. Zum ersten Mal durfte ich als RTL-Reporter einen Klitschko-Kampf begleiten, weil unser damaliger News-Reporter Andreas von Thien verhindert war.

Klitschko, damals 31, vermöbelte Lamon Brewster, gegen den er drei Jahre zuvor in Las Vegas noch verloren hatte, nach Strich und Faden. Vor 19.000 Zuschauern gab der Amerikaner nach der 6. Runde völlig zermürbt und gezeichnet von harten Treffern auf. Hinterher in der Umkleidekabine jubelte Klitschko nach der eindrucksvollen Revanche in unser Mikrofon: "Ich sprühe vor Energie wie ein Fisch im Wasser." Da ahnte ich noch nicht, dass ich den Weg dieses "Energiebündels" zehn Jahre lang begleiten würde.

Interviews im Hotelzimmer

Wir hatten als übertragender Sender immer das Privileg, am Tag nach einem Kampf Klitschko auf dem Hotelzimmer besuchen zu dürfen, um noch einmal ein aktuelles Interview zu führen. Da stand ich nun, das neue Gesicht, in sehr persönlicher Atmosphäre mit dem Champion, der wenige Stunden zuvor mit seinem "Steelhammer" seinen Herausforderer verprügelt hatte. Wir führten ein Gespräch geprägt von gegenseitigem Respekt.

Auf die viel gestellte Frage zu Hause im Freundeskreis: "Wie ist der Wladimir denn so?", antworte ich bis heute: "Ich habe selten einen höflicheren Menschen kennengelernt als Wladimir Klitschko."

Der Schwergewichtsweltmeister nach Version der IBF und IBO, Wladimir Klitschko aus der Ukraine (r), steht am Samstag (07.07.2007) beim Rematch gegen den US-Amerikaner Lamon Brewster in der Kölnarena in Köln im Boxring. Klitschko gewinnt den Kampf dur
2007 vermöbelte Wladimir Klitschko den Amerikaner Lamon Brewster
© dpa, A3724 Felix Heyder

Steelhammer das Markenzeichen

Klitschko hat eine überragende sportliche Karriere hinter sich. 1996 hatte er sich in Atlanta den Olympiasieg geholt, danach mischte er gemeinsam mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Vitali das Profi-Boxen auf.

Wladimir war ein Ästhet im Ring, jedes Pressetraining verzückte die Fans, sein Markenzeichen waren aber seine "Stahlhämmer", mit dem er die Gegner ausknockte – mit links wie rechts.

Vitali boxte eher unorthodox. Er kam ursprünglich vom Kickboxen, ließ seine Arme meist unten hängen, verzichtete fast auf die Deckung. Trotzdem war er in seiner gesamten Karriere nie am Boden - traf seine Eisenfaust aber ins Ziel, gingen beim Gegner die Lichter aus.

Gegeneinander kämpfen durften die Brüder übrigens nie – die Mutter hatte es verboten!

12 Jahre Weltmeister

Zielstrebigkeit zeichnete den Schwergewichtler schon immer aus. Wie sein Bruder promovierte auch Wladimir an der Universität in Kiew. Mit 24 Jahren setzte er sich den Doktorhut auf, darf sich "Doktor der Sportwissenschaften und Philosophie" nennen.

Klitschko lernte aber auch, Rückschläge zu verkraften wie die verheerenden Niederlagen gegen Corrie Sanders (2003, T.K.o. in Runde 2) oder Lamon Brewster (2004, T.K.o. in Runde 5). Am Ende aber saß Dr. Steelhammer – mit Unterbrechungen – zwölf Jahre auf dem Thron der Königsklasse des Boxens.

"Zusammengenommen ist er der am längsten amtierende Weltmeister im Schwergewicht und hat alles erreicht. Das ist eine grandiose Leistung", sagt Klitschkos früherer Manager Bernd Bönte. (Alle WM-Kämpfe von Wladimir Klitschko)

DUESSELDORF, GERMANY - OCTOBER 12:  Wladimir Klitschko of Ukraine pose with his championship belts after a press conference at Esprit-Arena on October 12, 2011 in Duesseldorf, Germany. The WBO, WBA, IBF and IBO heavy weight titel fight between Wladim
Wladimir Klitschko sammelte in seiner Karriere so ziemlich jeden WM-Gürtel ein, den es gibt
© Bongarts/Getty Images, Bongarts

Dramatischer letzter Kampf gegen Joshua

Zehn Jahre durfte ich Wladimir Klitschko begleiten, 17 Kämpfe habe ich dabei erlebt. Den besten Kampf machte Wladimir Klitschko für meine Begriffe ausgerechnet in seinem letzten, bei der Niederlage gegen den Engländer Anthony Joshua.

Vor 90.000 begeisterten Zuschauern im Wembley-Stadion lieferten er und Joshua sich am 29. April 2017 eine Ringschlacht. Schwergewichtsboxen, wie es die Fans sich wünschen, mit viel Mut, Entschlossenheit und Niederschlägen auf beiden Seiten.

"Das war einer der aufregendsten Kämpfe, die ich je gesehen habe", meinte hinterher Arnold Schwarzenegger am Ring. Der damals 41-jährige Klitschko war nach dem Fight so enttäuscht, dass wir hinterher nicht zu ihm in die Umkleidekabine durften – zum ersten Mal überhaupt!

Britain Boxing - Anthony Joshua v Wladimir Klitschko IBF, IBO & WBA Super World Heavyweight Title s - Wembley Stadium, London, England - 29/4/17 Anthony Joshua in action with Wladimir Klitschko BOXE : Anthony Joshua vs Wladimir Klitschko - Wembley -
Seinen letzten Kampf verlor Wladimir Klitschko gegen Anthony Joshua durch T.K.o. in Runde 11
© imago/PanoramiC, Andrew Couldridge, imago sportfotodienst

Reizt der Foreman-Rekord?

Wladimir Klitschko hat den Absprung vom Boxen geschafft. Heute betreibt er die Firma "Klitschko Ventures". Sein Berufsbild bezeichnet er so: "Ich bin Challenge Master, denn ich liebe Herausforderungen – und Wege zu finden, sie zu meistern. Ich bin weder Unternehmer noch Politiker, noch bin ich Sportler oder Lehrer. Von allem bin ich ein bisschen, aber Challenge Master trifft es am besten."

44 Jahre ist der Ex-Weltmeister jetzt und sieht nach wie vor topfit aus. Laut eigener Aussage trainiert er jeden Tag.

In den Ring zurückkehren würde er nur für etwas ganz Extravagantes. Zum Beispiel um den Altersrekord von Legende George Foreman zu brechen, der 1994 mit 45 Jahren ältester Schwergewichts-Champion wurde. Das könnte ihn in der Tat noch reizen.

Diszipliniert genug dafür wäre er, aus Reporter-Sicht würde ich es mir wünschen.