Fall löst Debatte über häusliche Gewalt aus

Brasilien: DJ soll seine Frau verprügelt haben - sie veröffentlicht Videos der Übergriffe

Pamella Holanda veröffentlichte bei Instagram Videos, die die Angriffe zeigen sollen.
Pamella Holanda veröffentlichte bei Instagram Videos, die die Angriffe zeigen sollen.
© @pamellaholanda/Instagram

13. Juli 2021 - 14:32 Uhr

Mann verprügelt Frau auch vor den Augen des Babys

Die Video-Aufnahmen, die Pamella Holanda in sozialen Netzwerken veröffentlichte, sind schwer zu ertragen. Die Videos von Überwachungskameras im Haus zeigen, wie die Frau von einem Mann an den Haaren gezogen, geschlagen, getreten und brutal durch den Raum geschubst wird. Der Täter soll Pamella Holandas Ehemann sein - der brasilianische DJ Ivis. Die Attacken fanden zum Teil sogar vor den Augen der neugeborenen Tochter des Paares statt. Inzwischen sind die beiden getrennt.

DJ soll auch schon während der Schwangerschaft gewalttätig geworden sein

Holanda berichtet in einem Online-Interview mit einem brasilianischen Journalisten, dass die Gewaltausbrüche angefangen hätten, als sie schwanger gewesen sei. Das Paar lernte sich 2018 über Instagram kennen. Holanda wurde Anfang 2020 schwanger und zog mit DJ Ivis zusammen. "Als er mich das erste Mal angegriffen hat, war ich im fünften Monat schwanger", erzählt die Frau in dem Interview. "Er packte mich am Hals und zerrte mich den Flur entlang zum Sofa."

Immer wieder sei sie körperlich und verbal von ihrem Mann misshandelt worden – sie könne im Nachhinein nicht mehr sagen, wie oft. Die letzte Attacke soll laut Holanda am 2. Juli stattgefunden haben. Der DJ soll sie dabei sogar mit einem Messer bedroht haben. Die Frau rief daraufhin die Polizei und veröffentlichte ein paar Tage später die Videos aus der Wohnung, um öffentlich zu machen, was sie erleiden musste.

Pamella Holanda veröffentlicht Videos häuslicher Gewalt
Auch als das Baby des Paares anwesend war, prügelte der DJ offenbar auf Pamella Holanda ein.
© @pamellaholanda/Instagram

Vor den Augen des Babys prügelt der Mann auf Pamela Hollanda ein

Auf den Videos ist zu sehen, dass der Ehemann offenbar auch keine Hemmungen hat, seine Frau vor den Augen des Babys oder weiterer Anwesender zu verprügeln. Laut Holanda soll die andere Frau auf den Video-Aufnahmen ihre Mutter sein, die ihr half, das Baby zu versorgen. Aber auch vor den Augen eines Bekannten, der laut dem brasilianischen Portal G1 ein Bekannter namens Charles sein soll, ging der DJ auf die Frau los – ohne dass der Unbeteiligte eingriff.

"Ich werde meinen Mund nicht mehr halten", erklärte Holanda kämpferisch in einer Instagram-Story. Sie habe viel zu lange geschwiegen. Es sei eine große Erleichterung für sie, jetzt über den Horror in ihrer Beziehung sprechen zu können. Sie forderte auch, dass sich gesellschaftlich in Brasilien etwas ändern müsse. "Wir Frauen brauchen Einigkeit und wir müssen aufhören, alles herunterzuspielen", schrieb Holanda in ihrer Instagram-Story.

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Fall von häuslicher Gewalt in Brasilien
Auf den Aufnahmen ist zu sehen, dass der DJ offenbar auch vor anderen Leuten auf die Frau eingeprügelt hat.
© @pamellaholanda/Instagram

DJ gibt seiner Ex die Schuld an seinen Gewaltausbrüchen

Wie G1 berichtet, soll in Eusébio, einem Ort in der Metropolregion Fortaleza, seit dem 3. Juli eine Anzeige gegen den DJ vorliegen – wegen Körperverletzung und häuslicher Gewalt. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, verhaftet wurde der 30-Jährige aber noch nicht. Das Portal schreibt weiter, dass das Management nach der Veröffentlichung der Videos die Zusammenarbeit mit DJ Ivis beendet habe.

Auch der DJ veröffentlichte ein Statement bei Instagram, in dem er über die Trennung von Holanda sprach. Die Beziehung des Paares sei "seit einiger Zeit" nicht mehr "gesund", erklärte er dort. Darum hätten sich die beiden getrennt. Dann gab er seiner Ex die Schuld für die Gewaltausbrüche. Die Beziehung zu ihr sei schwierig gewesen, behauptet er. Er sei von Holanda bedroht worden. "Ich habe immer versucht, alles zu tun, damit es nicht zum Äußersten kommt", wird er von brasilianischen Medien zitiert. Er habe die Drohungen aber nicht mehr ertragen können.

Fall löst Debatte über Gewalt gegen Frauen in Brasilien aus

Der Fall löste in Brasilien eine Welle der Empörung aus. Und stieß eine Debatte über häusliche Gewalt und Frauenrechte an. "Die Schuld liegt nie beim Opfer", erklärte die Frauenrechtsorganisation "União Brasileira de Mulheres".

Viele Menschen posteten in sozialen Netzwerken ein schwarzes Bild auf dem in weißen Buchstaben zu lesen ist: "Bei einem Streit zwischen Mann und Frau, retten wir die Frau!" Auch viele Prominente bekundeten ihre Solidarität mit der misshandelten Frau.

Etwa alle sieben Stunden wird in Brasilien eine Frau getötet, weil sie eine Frau ist

Laut einer Erhebung der Nichtregierungsorganisation "Fórum Brasileiro de Segurança Pública", wurden 2019 über 266.000 Frauen Opfer häuslicher Gewalt. 1.326 Frauen wurden Opfer eines Femizids – das heißt etwa alle sieben Stunden wurde eine Frau getötet, weil sie eine Frau ist. (jgr)