Nach erneutem Böllerverbot an Silvester

Feuerwerkshersteller Weco befürchtet "Todesstoß"

06. Dezember 2021 - 9:51 Uhr

Pyrotechnische Industrie vor dem Aus

Eine ganze Branche steht unter Schock: Auch in diesem Jahr wird der Verkauf von Böllern und Feuerwerk zu Silvester verboten. Die pyrotechnische Industrie in Deutschland könnte durch die Entscheidung vor dem Aus stehen, rund 3000 Beschäftigten droht die Arbeitslosigkeit. Der größte Hersteller Weco Feuerwerk musste bereits einen Standort schließen, jetzt wackelt das ganze Unternehmen.

Weco Feuerwerk musste bereits Standort schließen

Ein nochmaliges Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper zu Silvester wegen der Corona-Pandemie würde der Hersteller Weco nach eigener Einschätzung nicht überstehen. Es würde "nicht nur den Todesstoß für das Eitorfer Unternehmen, sondern für die allermeisten der Branche angehörigen Firmen bedeuten", teilte der Sprecher der Geschäftsführung, Thomas Schreiber, am Mittwoch mit.

Das Verkaufsverbot 2020 hatte das Unternehmen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen bereits in seine schwerste Firmenkrise seit Unternehmensgründung gestürzt. Rund ein Jahr lang habe es für die gesamte Belegschaft Kurzarbeit gegeben. Der Fertigungsstandort Freiberg (Sachsen) musste geschlossen werden. Ein weiteres Werk gibt es in Kiel. Trotz Überbrückungshilfen, die laut Unternehmensangaben nach wie vor nicht vollständig ausgezahlt wurden, sowie Kosteneinsparungen und standortübergreifender Kurzarbeit musste das Unternehmen zum Geschäftsjahresende einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe verzeichnen.

Ein Mitarbeiter von Weco, Hersteller von Feuerwerk, hält in einem Lagerraum Silvesterraketen.
Der Feuerwerkshersteller Weco fürchtet um seine Existenz.
© picture alliance

Das Geschäftsmodell von Weco mit seinen rund 400 Beschäftigten ist nach Schreibers Angaben vollständig auf Silvester ausgerichtet. 95 Prozent des Umsatzes würden an den letzten drei Tagen im Jahr erwirtschaftet. Seit Anfang Oktober werden die rund 160.000 Paletten Feuerwerksware für den deutschen Einzelhandel kommissioniert. Bei Feuerwerk handelt es sich um ein vollständiges Kommissionsgeschäft und die Ware muss vollständig und auf eigene Kosten zurückgenommen werden.

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Ganze Jahr umsonst gearbeitet - 3000 Beschäftigten droht das Aus

Der Hauptgrund des Verkaufsverbots 2020 sei die Entlastung des Gesundheitswesens gewesen. Dabei seien Silvester nur fünf Prozent der Krankenhausbesuche auf Feuerwerk zurückzuführen, argumentierte der Unternehmenschef unter Bezugnahme auf Zahlen eines großen Klinikbetreibers. Die wirklich schweren Verletzungen entstünden durch illegale Pyrotechnik. Auch der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft hätte im Vorfeld bestätigt, dass nur die allerwenigsten Krankenhausbesuche in der Silvesternacht überhaupt auf Verletzungen durch Feuerwerkskörper zurückzuführen sind.

Der Weco-Chef ist gleichzeitig Vorsitzender des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI). Unter dem Dach des VPI haben sich 21 Mitgliedsunternehmen zusammengefunden, darunter auch die großen deutschen Anbieter Weco, Comet und Nico. Der pyrotechnischen Industrie mit ihren 3000 Mitarbeitern drohe das Aus, erklärte Schreiber. "Bei einer Branche, deren Hauptumsatz in nur drei Tagen zum Jahresende entsteht, ist es umso schmerzhafter, wenn nach Monaten harter Arbeit und Hoffnung auf einen Silberstreif am Horizont die komplette wirtschaftliche Überlebensgrundlage entzogen wird. So war es 2020", sagte Schreiber.

Schon das Feuerwerksverbot vor einem Jahr habe die Branche an den Rand des Ruins gebracht. "Die Gefahr der Insolvenz stand im Raum und rund 3000 Mitarbeitende vor der Frage, wie es weitergehen soll", betonte der Verband. Schreiber beziffert die durch Corona bis heute aufgelaufenen Bankverbindlichkeiten allein bei den VPI-Mitgliedern auf rund 200 Millionen Euro. Die einzige Chance, diese finanzielle Last zu schultern, wäre ein Silvester 2021 mit Feuerwerk gewesen. Diese Hoffnung hat sich jetzt endgültig zerschlagen. (dpa/aze)