Bespuckt und beleidigt

Bochumer Muslim ist schwul und Dragqueen

18. Oktober 2021 - 18:27 Uhr

Wenn Jakob (24) mit auffälligem Make-Up und Frauenkleidern auf die Straße geht, schwingt ein ungutes Gefühl mit.

Oft wird er beleidigt, bespuckt, beschmissen. Jakob ist schwul und Dragqueen. Aber er ist auch gläubiger Muslim. Viele muslimische Mitmenschen akzeptieren seine Leidenschaft für Drag nicht. Sie pöbeln ihn immer wieder auf der Straße an. Gerade in den Sozialen Netzwerken wie Instagram lebt er seine Leidenschaft für Drag aus – verbindet seine Kunst mit Politik. Im Fokus: Homosexualität im Islam. In einigen muslimischen Ländern werden Menschen der sogenannten LGBT-Community (Gemeinschaft, die nicht heterosexuell ist) bestraft oder sogar umgebracht. All das im Namen des politischen Islams. Den lehnt Jakob ab. Dafür bekommt er viel Hass im Netz.

Ein Nachbar outet ihn

Jakob wird in Deutschland geboren und wächst in Bochum auf. Seine feminine Art, seine Liebe zu Kleidern, Barbies und langen Haaren lässt ihn schon als Kind wissen, dass er schwul ist. Ein großes Problem, weil er in einer kurdischen, konservativen Familie groß wird. Auch sein Interesse für Drag verheimlicht der Bochumer lange Zeit vor ihr. Als "Gypsy" unterhält er in Clubs, steht auf Theaterbühnen, tritt beim Christopher Street Day (CSD) auf. Niemand aus seiner Familie weiß davon. Bis ihn ein Nachbar beim CSD in Düsseldorf erkennt und seine Familie davon erfährt. Das Verhältnis zu seiner Familie beschreibt Jakob momentan als kühl. Trotzdem: Heute zeigt er seine Homosexualität und seine Leidenschaft für Drag auch öffentlich. In Zukunft möchte sich der Bochumer hauptberuflich für homosexuelle Muslime stark machen. Zum Beispiel an Schulen. Zeigen, dass schwule Muslime in Deutschland keine Angst haben müssen, sich zu outen.

Info: DRAG wird als "Dressed As A Girl" interpretiert und beschreibt Männer, die sich als Frauen kleiden.