Zahlen von Google und Open Table zeigen

Viele Deutsche gehen bereits freiwillig in den Teil-Lockdown

02. Dezember 2021 - 15:57 Uhr

Bundesweit gilt 2G

Bund und Länder haben am Donnerstag neue Corona-Maßnahmen beschlossen. Bundesweit gilt 2G, es gibt nur einige Ausnahmen. Das bedeutet: Ungeimpfte können während der Corona-Pandemie kaum noch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Auch ohne Impflicht steigt also der Druck auf Ungeimpfte täglich. Aktuelle Daten zeigen aber auch: Viele Deutsche sind bereits freiwillig in den Teil-Lockdown gegangen. Wie sich das auf die Wirtschaft auswirkt, erklärt RTL-Börsenexpertin Sabrina Marggraf im Video.

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Viele Beschäftigte im Homeoffice

Ablesen lässt sich das zum Beispiel aus Daten, die Google zur Verfügung stellt und der beliebten Restaurant-Reservierungs-App Open Table.

Google stellt Mobilitätsberichte zur Coronakrise zur Verfügung. Die Berichte sollen laut Google Informationen dazu liefern, was sich durch die Regelungen zur Bekämpfung der Coronakrise geändert hat. Sie zeigen, wie sich die Zahl der Besuche und die Aufenthaltsdauer an bestimmten Orten verändert hat. Google nutzt für die Mobilitätsberichte anonymisierte Datensätzen von Nutzern, die die Einstellung Standortverlauf aktiviert haben.

Die Daten aus Googles Mobilitätsbericht zeigen: Die Zahl von Besuchen und die Aufenthaltsdauer im Einzelhandel und in Freizeiteinrichtungen sind sehr stark gesunken. Auch der Trend zum Homeoffice lässt sich aus den Daten ablesen: Während der Mobilitätsbericht ein Minus bei "Arbeitsstätten" verzeichnet, gehen die Zahlen bei "Wohnorten" nach oben. Das bedeutet: Immer mehr Berufstätige, die die Möglichkeit haben, arbeiten vom Homeoffice aus und meiden das Büro. Statt im Fitnessstudio Sport zu machen oder im Restaurant zu sitzen, halten sich auch immer mehr Menschen in ihrer Freizeit im Freien auf, zum Beispiel in Parks.

Restaurantbesuche brechen ein

Das bestätigen auch Daten, die von der Reservierungs-App Open Table ausgewertet werden: Auch ohne flächendeckenden Lockdown leiden Restaurants schon. Im November seien die Umsätze von Hotels und Gaststätten gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 um 34 Prozent eingebrochen, sagte Branchenvertreter Guido Zöllick. 2G-Plus-Regelungen - also Zugang nur für Geimpfte und Genesene mit negativem Test - würden für viele Cafes und Restaurants einem Lockdown gleichkommen.

Laut Daten der Open Table ließen sich zuletzt im Sieben-Tages-Schnitt knapp 30 Prozent weniger Gäste bewirten als vor Ausbruch der Pandemie. Die jüngsten Zahlen von Montag und Dienstag zeigen sogar einen Rückgang von knapp 50 Prozent. Das ist der stärkste Rückgang seit gut einem Jahr. Am 29. November gab es sogar einen Einbruch von 47 Prozent, am 30. November von 48 Prozent. Für die Konjunktur bedeutet die Entwicklung nichts Gutes. "Wir rechnen mit einer Rezession im Winterhalbjahr", sagte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. "Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sowohl im laufenden vierten Quartal als auch Anfang 2022 schrumpfen."

Auch der Einzelhandel befürchtet durch bundesweite 2G-Regeln Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzverluste. "Mitten im Weihnachtsgeschäft verlieren die betroffenen Einzelhändler bis zu 50 Prozent ihrer Umsätze", sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands HDE den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das ist nach den ohnehin schon kräftezehrenden Lockdowns der vergangenen Monate für viele nicht zu verkraften." Die 2G-Regelungen für den Einzelhandel führten zu einem erhöhten Kontrollaufwand und in der Folge zu Schlangen vor den Geschäften. Das schrecke viele Kunden ab. (reuters/aze)