Der 42-Jährige verteidigte die Tat als Sex-Unfall

15-Jährige beim Sex zu Tode gewürgt: Bekim H. muss wegen Mordes und Vergewaltigung lebenslang in Haft

Bekim H. soll das 15 Jahre alte Mädchen in Berlin ermordet haben.
Bekim H. soll das 15 Jahre alte Mädchen in Berlin ermordet haben.
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31. März 2021 - 11:26 Uhr

Bekim H. begegnete 15-Jähriger zufällig am Berliner Ostbahnhof

Das Berliner Landgericht hat Bekim H. wegen Mordes zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Er soll die 15-Jährige N. am 5. August 2020 vergewaltigt und anschließend aus Angst vor der Entdeckung erwürgt haben.

Bekim H. stand wegen versuchter Vergewaltigung und Mordes vor Gericht

Die Mutter und die Schwester des Opfers sind im Gerichtssaal anwesend, so wie bei jedem der 13 Verhandlungstage. Als das Urteil ausgesprochen wird, suchen sie den Blick von Bekim H.. Doch der 42-Jährige gönnt ihnen nicht mal eine Reaktion. Regungslos starrt er nach unten und nimmt die lebenslange Haftstrafe wortlos hin.

Ihre Anwältin beschreibt, wie hart dieser Prozess für die Familie war: "Meine Mandantin sagte mir, es ist, als wenn sie jeden Tag wieder umgebracht wird hier."

Jeden Tag wieder umgebracht, so wie in der grausamen Nacht am 5. August 2020. Es begann mit einer Zufallsbegegnung: Um 2:01 nachts laufen sich die 15-jährige N. und der damals 41-jährige Bekim H. am Berliner Ostbahnhof über den Weg. Das Mädchen kommt betrunken von einer Geburtstagsfeier, auch Bekim H. hat sich volllaufen lassen. N. folgt ihm offenbar freiwillig, Überwachungskameras zeigen, wie beide gemeinsam den Bahnhof verlassen. Sie klettern in der nah gelegenen Rummelsburger Bucht lachend über einen Zaun. Kurz darauf ist das Mädchen tot.

Bekim H. war Meister der Manipulation

Bekim H.
Bekim H. versteckt vor Gericht sein Gesicht
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Was genau sich in der Nacht abspielte, wurde zwei Monate lang im Berliner Landgericht verhandelt. Über allem schwebte die Angst der Angehörigen vor einem ähnlichen Urteil wie 2001. Schon damals stand Bekim H wegen einer Vergewaltigung vor Gericht. Er hatte eine 68-jährige Rentnerin schwerverletzt und sich mehrfach an ihr vergangen. Wegen einer erheblichen psychischen Erkrankung verurteilte ihn das Gericht damals aber nicht, er wurde für 13 Jahre in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Dann kam er auf Grund eines umstrittenen Gutachtens raus.

"Dieses Gutachten hat vorgelegen, das gesagt hat, da besteht keine weitere Gefährlichkeit. Hinterher ist man da immer schlauer, dass man da im Nachhinein sagen muss: Das war ein Fehler, keine Frage", sagt sein Verteidiger Jan Zilke.

Angeklagter stellt Tod der 15-Jährigen als Sex-Unfall dar

Es ist nicht der einzige Fehler, der den späteren Mord ermöglicht. Denn draußen beginnt Bekim H. wieder, zu trinken und Drogen zu nehmen. Drei Mal pro Woche sieht ihn eine Bezugsbetreuerin. Sie weiß, dass er Urin-Proben manipuliert. Doch sie meldet es nicht. Staatsanwalt Ralf Knispel sagt: "Ich möchte kein Urteil über die Frau fällen, gehe aber nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme davon aus, dass der Angeklagte mit seinen durchaus bestehenden Fähigkeiten zur Manipulation auch diese Frau vereinnahmt hat."

Könnte die 15-Jährige ohne diese krasse Fehleinschätzungen noch leben? Erst sie ermöglichten es, dass Bekim H. und die 15-jährige N. im August 2020 aufeinander trafen. Um den Tathergang zu rekonstruieren, werden Zeugen befragt, DNA-Spuren analysiert und medizinische Gutachten angehört. Auch Bekim H. äußert sich. Er spricht von einvernehmlichem Sex, von einem leichten Würgen im Zuge des Liebesspiels. Die Verteidiger legen Gutachten vor, die offenbar einen durch Alkohol und Drogen ausgelösten epileptischen Anfall als Todesursache nicht ausschließen. Auch das ist für Mutter und Schwester nur schwer zu ertragen, sagt deren Anwältin.

"Und dass natürlich die ganze Zeit dieser Angeklagte einem so sehr vor Augen ist, das ist natürlich auch eine schreckliche Situation. Dem gegenüber zu sitzen und mitzubekommen, was es für ein Mensch ist, dass der so hochmanipulativ hier gehandelt hat."

Urteil gegen Bekim H. ist noch nicht rechtskräftig

Doch die Angehörigen des Opfers haben das rechtsmedizinische Gutachten auf ihrer Seite. Schürfwunden im Bereich des BHs und der Unterschenkel, Sandaufhäufungen, die auf einen Kampf hinweisen, DNA-Spuren, die letztlich für eine Verurteilung ausreichen.

Die Richter sind sich sicher, dass der damals 41-Jährige das Mädchen vergewaltigt hat und anschließend versucht hat, die Tat durch einen Mord zu verdecken. Ein psychologisches Gutachten bescheinigt ihm die volle Schuldfähigkeit. Das bedeutet: Bekim H. kommt lebenslang ins Gefängnis. Auch wenn seine Verteidiger eine Revision nicht komplett ausschließen. "Wir lassen das erstmal sacken", sagt Jan Zilke.

Die Angehörigen hoffen, dass sie nach dem Urteil endlich nach vorne blicken können. "Gerade sagte mir meine Mandantin nochmal, das sei jetzt ein richtiger Schritt, aber jetzt kann es erst wieder beginnen darüber nachzudenken, was machen wir jetzt eigentlich, wie kommen wir darüber hinweg", sagt Anwältin Christina Klemm. Denn es bleibt die traurige Tatsache, dass sie ihre Tochter nach dem verhängnisvollen 5. August niemals wieder in die Arme schließen kann.

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