Paar verzweifelt an Ämter-Chaos

Bauverbot auf Baugrundstück: Hauswunsch wird zum Alptraum

20. Januar 2021 - 16:27 Uhr

Warum dürfen Jennifer & Markus ihr Haus nicht bauen?

Jennifer und Markus aus Chemnitz wollen ihren Traum vom eigenen Haus wahrmachen. In einem von der Stadt ausgewiesenen Baugebiet kaufen sie ein Grundstück für 80.000 Euro – und erfahren dann: Sie dürfen dort gar nicht bauen. Grund dafür sind die Bäume daneben. Laut der Stadt müsste hier beim Bau ein Mindestabstand von 30 Metern eingehalten werden, wovon vorher nicht die Rede war. Und das, obwohl die Gebäude ringsum deutlich näher dranstehen. Das Paar fühlt sich schikaniert und fürchtet, seine Ersparnisse zu verlieren. RTL-Reporter Torsten Misler versucht, zu helfen. Was er schließlich herausfindet, sehen Sie im Video.

"Das ist einfach Schikane"

Eigentlich sollte auf dem Grundstück von Jennifer Hanisch und Markus Fiedler schon seit zwei Monaten gebaggert werden. Doch die beiden kämpfen seit Monaten scheinbar gegen Windmühlen. Denn die Bäume gleich neben ihrem Grundstück sind im offiziellen Bebauungsplan als "private Grünfläche" eingezeichnet – das bedeutet: so gut wie keine Mindestabstände für Häuser. Doch als sie die Unterschrift unter den Kaufvertrag gesetzt haben und ihren Hausbau beantragen, kommt plötzlich heraus: Für die Stadt gilt das Gebiet als Wald! Somit müsste das Gebäude 30 Meter von den Bäumen entfernt hochgezogen werden, was gar nicht möglich ist.

"Wenn das hier scheitert, ist für uns klar: Wir werden nie ein Haus bauen können", so Markus. Er und seine Partnerin haben Angst, auf den Schulden für das Grundstück sitzenzubleiben. "Das ist die größte Ungerechtigkeit, die ich bisher erfahren habe", sagt auch Jennifer, "einfach Schikane."

Wald oder nicht Wald? Das ist hier die Frage

Auch Erik Gruber, der Makler, der den beiden das Grundstück verkauft hat, kann die Forderungen der Stadt nicht verstehen. "Dieses Bebauungsgebiet ist 2003 rechtsgültig verabschiedet worden und bis heute noch gültig", stellt er klar.

RTL-Reporter Torsten Misler zieht den renommierten Baurechtsexperten Dr. Andreas Stammkötter hinzu. Er widerspricht der Aussage der Stadt Chemnitz: "Für mich ist es kein Wald." Dieser müsse laut Gesetz eine gewisse Größe haben, einen Erholungseffekt bieten und typische Tiere müssten dort zu finden sein. "Ich glaube nicht, dass sich da mal ein Reh oder Wildschwein hinverirrt", so der Rechtsanwalt.

Zudem findet auch er, dass die Stadt hinsichtlich der Nachbarhäuser eine Erklärung schuldig bleibt. Denn die durften offensichtlich dicht an den Bäumen gebaut werden, und hier müsse die Kommune alle gleich behandeln. Das sei gesetzlich ganz klar geregelt – Jennifer und Markus müssten also bauen dürfen, so das Fazit des Experten.

Vorschlag der Stadt: Paar soll Wald auf eigene Kosten verlegen

Das Bauamt hat Jennifer und Markus bereits einen Vorschlag gemacht: Man könne prüfen, ob das Paar sogenannten Waldersatz stellen kann – auf eigene Kosten. "Wir müssten ein Grundstück besorgen, diesen Wald hier dann abholzen und auf dem neuen Grundstück einen neuen Wald anpflanzen." Das würde das Paar nach eigener Schätzung noch mal um die 50.000 Euro kosten – ohne, dass für ihr Haus ein Spatenstich gemacht wurde.

Torsten Misler nimmt Kontakt zur Stadt Chemnitz auf, die nach eigener Aussage zu einem Kompromiss bereit sei, wie der Pressesprecher erklärt. Beim genauen Blick auf die Unterlagen auf beiden Seiten stellen beide schließlich etwas Erstaunliches fest. Wie unser Reporter dem Fall letztendlich eine neue Wendung geben kann und was den Grundstück-Besitzern neue Hoffnung macht, sehen Sie oben im Video.

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