Bis zu eine Milliarde Hektar Wald nötig

Forscher sicher: Bäume pflanzen kann den Klimawandel stoppen

© dpa, Ralf Hirschberger, axs fgj

5. Juli 2019 - 13:56 Uhr

Energiewende alleine reicht nicht aus

Den CO2-Ausstoß senken, Kohle und Öl als Energiequelle abschwören: Das sind wichtige Maßnahmen, um den Klimawandel aufzuhalten – und damit auch so erschreckende Bilder wie von diesem halbverhungerten Eisbär. Doch wie eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich jetzt aufzeigt, können vor allem Bäume unser Klima retten. Die Bedingung: Wir müssen gigantische Flächen neu bepflanzen.

Neue Bäume könnten zwei Drittel des gesamten CO2-Ausstoßes aufnehmen

Die Erde könne ein Drittel mehr Wälder vertragen, ohne dass Städte oder Agrarflächen beeinträchtigt würden, schreiben Forscher der ETH im Fachmagazin "Science". Zwei Drittel des bisher von Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Ausstoßes könnten so aufgefangen werden – wenn wir nicht nur unsere Emissionen in Sachen Energie und Transport senken, sondern sofort mit der Aufforstung von bis zu einer Milliarde Hektar Land beginnen.

Eine Fläche so groß wie die USA

Nach Angaben der Forscher ist die Erde derzeit mit 2,8 Milliarden Hektar Wald bedeckt. Sie halten es für "zweifellos erreichbar", 900 Millionen Hektar zusätzlich neu zu bepflanzen – das entspräche fast der Fläche der USA oder einer Fläche etwa 25 Mal so groß wie Deutschland. Vor allem in Russland wäre dafür jede Menge Platz, gefolgt von den USA, Kanada, Australien, Brasilien und China.

Rodung bestehender Wälder muss gestoppt werden

Studienleiter Tom Crowther mahnt allerdings zur Eile: "Wir müssten schnell handeln, denn es wird Jahrzehnte dauern, bis die Wälder reifen und ihr Potenzial als natürliche CO2-Speicher ausschöpfen". Die zur Aufforstung geeignete Fläche werde durch den Klimawandel jedes Jahr kleiner. Felix Creutzig vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin ergänzt: "Gleichzeitig ist es aber noch wichtiger, dass erst einmal die Entwaldung gestoppt wird, speziell in Brasilien und Indonesien."

Eine interaktive Karte der Universität berechnet für jeden Ort der Erde, wie viele Bäume dort wachsen könnten und wie viel Kohlenstoff sie speichern würden. Creutzig betont jedoch: "Die Aufforstung kann trotz allen Potenzials nur eine von vielen Maßnahmen für den Klimaschutz sein. Eine rasche Abkehr vom fossilen Wirtschaftsmodell ist notwendig und kann mit Hilfe eines sektor-übergreifenden CO2-Preises am besten erreicht werden."

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