34-jährige Mutter vor Gericht

Er wog mehr als ein Kilo weniger als bei seiner Geburt: Zwei Wochen alter Junge verhungert

Neugeborenes verhungert
Nur zwei Wochen wurde ein Neugeborenes alt, nachdem seine Mutter ihn unzureichend versorgt haben soll. (Symbolbild)
deutsche presse agentur

Nur zwei Wochen wurde ein Junge alt, dann gab sein kleiner Körper auf. Die vierfache Mutter, deren fünftes Kind starb, ist nun am Landgericht Verden (Niedersachsen) angeklagt, denn sie soll für den Tod des Neugeborenen verantwortlich sein.

Kind verlor mehr als ein Kilo Gewicht

Die 34-Jährige steht vor Gericht, weil sie ihren Ende April 2019 neugeborenen Sohn nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nicht ausreichend gefüttert haben soll. Zwar habe sie die Flasche gegeben, doch wie Gerichtssprecherin Sara Teufel im Gespräch mit RTL erklärt, habe der Junge zu wenig Flüssigkeit bekommen. Auch eine Kinderärztin soll den lebensbedrohlichen Zustand des Säuglings zu spät erkannt haben. Als das Kind zwei Wochen nach der Geburt dehydriert ins Krankenhaus kam, wog es 1130 Gramm weniger als bei der Geburt. Zehn Tage später schalteten die Ärzte die lebenserhaltenden Geräte ab.

Kinderärztin bemerkte den Gewichtsverlust nicht

Laut Anklage soll die Deutsche ihren neugeborenen Sohn statt täglich sechs Mal mit mindestens 100 Milliliter Säuglingsmilch nur je mit 20 Millimeter versorgt haben. Deshalb habe das Baby innerhalb kürzester Zeit stark an Gewicht verloren. Als dann das Kind zehn Tage nach der Geburt eine Infektion im Mundraum bekam, habe die Mutter eine Kinderarztpraxis aufgesucht. Dort habe sie allerdings verschwiegen, dass ihr Sohn ungenügend Nahrung zu sich nehme. Weil die Ärztin davon ausgegangen sei, eine erfahrene Mutter vor sich zu haben, habe diese auf eine komplette körperliche Untersuchung verzichtet. Der Gewichtsverlust sei ihr daher nicht aufgefallen.

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Baby war völlig eingefallen und unterkühlt

Laut Anklage war das Baby zwei Tage nach dem Arztbesuch „völlig eingefallen“ und unterkühlt. „Es war nicht mehr in der Lage, den Saugreflex auszuführen“, sagte die Staatsanwältin. Obwohl sie den lebensbedrohlichen Zustand erkannt habe, habe die Mutter in der Kinderarztpraxis lediglich nach einem neuen Termin gefragt, weil das Baby „nicht gut trinke“. Die Ärztin veranlasste beim zweiten Besuch die Einweisung in eine Klinik. „Sämtliche Werte waren lebensbedrohlich“, sagte die Staatsanwältin. Die Organe hätten schließlich versagt. Gegen die Kinderärztin hatte die Staatsanwaltschaft nach Angaben des Vorsitzenden Richters ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, dies aber eingestellt.

Angeklagte Mutter habe ihre Pflicht nicht erfüllt

28.11.2022, Niedersachsen, Verden: Die Angeklagte (l) sitzt vor Prozessbeginn. mit ihrer Rechtsanwältin im Gerichtssaal.  Sie soll ihren ihren Ende April 2019 geborenen Sohn ungenügend versorgt haben, obwohl sie den am Ende lebensbedrohlichen Zustand
Gegen die Mutter ist am Landgericht Verden nun der Prozess gestartet.
ssd cul, dpa, Sina Schuldt

Nun steht die Mutter von vier Kindern wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vor Gericht. Das bedeutet: Ihr wird vorgeworfen, dass sie ihre Pflicht, sich um ihr fünftes Kind zu kümmern, nicht erfüllt hat. Die Staatsanwaltschaft hatte die 34-Jährige sogar wegen Totschlags angeklagt. Doch ein Totschlag setzt einen Vorsatz voraus. „Aus den Akten hat sich das nicht ergeben“, erklärt Gerichtssprecherin Sara Teufel.

Der Richter gab den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung in Betracht komme. Die Angeklagte Mutter kündigte an, am nächsten Verhandlungstag eingeschränkt auszusagen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. (dpa/mba/nid)