Auto richtig versichern: Alle Infos über Rabattretter, Rabattstaffel und Eigenschäden

Auto richtig versichern: Alle Infos über Rabattretter, Rabattstaffel und Eigenschäden
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18. Februar 2016 - 10:48 Uhr

Was bei der Kfz-Versicherung beachtet werden muss

Ein neues Versicherungsjahr bringt neue Tarife - und die verursachen teils deutlich höhere Kosten. Auf welche Trends Autobesitzer jetzt achten müssen, welche Begriffe sie kennen sollten und wie sich alles auf die aktuellen Tarife auswirkt:

Rabattstaffel

In den vergangenen zwei Jahren haben fast alle Kfz-Versicherer von einer kurzen Rabattstaffel mit 25 Schadenfreiheitsklassen auf eine lange Staffel mit 35 oder 36 SF-Klassen umgestellt. Von der langen Staffel profitieren einige Kundengruppen. Dazu gehören Fahranfänger in den teuren SF-Klassen, insbesondere wenn sie nicht mehr zu der unfallträchtigen Altersgruppe der 18- bis 23-Jährigen gehören. Auch für Ältere mit 30 bis 35 unfallfreien Jahren sinken die Preise vielfach. In den mittleren SF-Klassen zahlen aber viele Fahrer drauf.

Rabattretter

Mit der Einführung der langen SF-Staffel haben die Versicherer den Rabattretter weitestgehend gestrichen. Der Rabattretter war der günstige "Freischuss" für alle in der höchsten SF-Klasse 25. Dabei erhöhte sich nach einem Schaden der Beitrag nicht. Wer in seinem Vertrag in SF-Klasse 25 eingestuft ist und vom Rabattretter profitiert, sollte sich einen Versicherungswechsel genau überlegen. Neu ist jetzt der Rabattschutz, den Versicherte als Zusatzbaustein abschließen können. Der Vorteil: Fast jeder Versicherte kann ihn abschließen. Der Nachteil: Er kostet Zusatzbeitrag – im Durchschnitt 20 Prozent.

Kfz-Versicherung: Begriffe kennen und Geld sparen

Versicherungssumme

7,2 Millionen Euro Schadenersatz verlangt ein Unfallopfer im vermutlich teuersten deutschen Kfz-Streitfall vom Haftpflichtversicherer. Folgerichtig haben die Gesellschaften in den vergangenen Jahren die Höchstentschädigung pro geschädigter Person weitgehend erhöht. 140 von 190 Tarifen, die das Vergleichsportal transparo in einer Datenbank beobachtet, haben jetzt eine Versicherungssumme zwischen 12 und 15 Millionen. Die übrigen zahlen zehn Millionen Euro oder die vormals üblichen acht Millionen Euro.

Grobe Fahrlässigkeit

Dass Versicherer grob fahrlässig verursachte Schäden komplett bezahlen, entwickelt sich zum Marktstandard. Diese Entwicklung der letzten Jahre betrifft Kaskoschäden am eigenen Auto. Zum Beispiel wenn der Fahrer versehentlich über eine rote Ampel fährt oder im Handschuhfach nach einem Stadtplan kramt und dabei einen Unfall verursacht, dann steht der Vorwurf der groben Fahrlässigkeit im Raum. In diesem Fall darf der Versicherer die Zahlung eigentlich um eine bestimmte Quote kürzen. Um zahlreiche teure Prozesse um Quoten zu vermeiden, verzichten viele Versicherer vermutlich lieber auf die Kürzung und zahlen gleich den gesamten Schaden.

Kaufpreisentschädigung

Wer wenige Monate nach dem Neuwagenkauf einen Totalschaden fabriziert, will oft ein nagelneues Auto als Ersatz. Aber der Zeitwert, und nur den muss die Kfz-Kasko ersetzen, liegt schon niedriger. Um den Ärger der Versicherten zu mildern, erstatten die Gesellschaften für eine bestimmte Zeit trotzdem den kompletten Neuwert. Diese so genannte Neuwertentschädigung bieten seit einigen Jahren fast alle Kfz-Tarife. Auf drei bis sechs Monate nach dem Kauf ist sie meist in Basistarifen begrenzt, auf 12 bis 24 Monate in den etwas teureren.

Eigenschäden

Wer mit seinem Familienwagen einen Kratzer in den Zweitwagen vor der Garage fährt, erlebt meist eine böse Überraschung bei der Schadenregulierung. Die Haftpflichtversicherung des Familienwagens ist für so einen Eigenschaden nicht zuständig. Einige Versicherer haben in diesem Jahr deshalb ihre Bedingungen geändert und zahlen auch für Eigenschäden. Für Besitzer mehrerer Autos ist dieser Zusatz interessant. Ohne die Klausel könnte lediglich die Kaskoversicherung des beschädigten Wagens für den Schaden aufkommen.

Bausteintarife

Nur das bezahlen, was man wirklich braucht – das klingt eigentlich gut. Bei den Bausteintarifen gibt es einen abgespeckten Grundschutz und alle weiteren Wünsche erfüllt sich der Kunde gegen Zusatzbeitrag. So kann der Versicherte den erweiterten Schutz bei grober Fahrlässigkeit oder eine verbesserte Neuwertentschädigung wählen. Die meisten Kfz-Versicherer bleiben allerdings bei zwei Produktlinien: einem Basistarif und einem Komfortschutz mit besseren Leistungen. Immerhin hat sich das Bausteinprinzip bei ausgewählten Tarifleistungen marktweit durchgesetzt. Den Rabattschutz gibt es immer als Zusatzbaustein. Ebenso den Fahrerschutz, einen speziellen Schutz des Fahrers bei selbst verschuldeten Unfällen, und den Schutzbrief.

Pay-as-You-drive-Tarife

Sag mir, wie du fährst, und ich verrate dir, wie viel Kfz-Prämie du bezahlst. Nach diesem Prinzip funktionieren Pay-as-You-drive-Tarife. Dafür muss der Kunde eine Telematikeinheit in sein Auto einbauen, die zahlreiche Daten über sein Fahrverhalten an den Versicherer schickt. Daraus errechnet sich ein Rabatt auf die Kfz-Prämie. Vorsichtiges Fahren wird also belohnt. In den USA und Großbritannien ist die Technik im Einsatz. In Deutschland ist die Technik aber höchst umstritten. Datenschützer bemängeln, dass der Fahrer dadurch gläsern wird und es unklar ist, wofür die Daten noch genutzt werden.

Auf Vergleichsportalen wie transparo.de können Autofahrer schnell die verschiedenen Tarife vergleichen - inklusive Zusatzbausteine. Jeder sollte einmal im Jahr checken, ob sich ein Wechsel der Kfz-Versicherung lohnt.