Au-pair-Horror in Australien

Anklage: Paar hielt Inderin 8 Jahre lang als Sklavin

Eine Frau aus Indien soll in Australien als Sklavin gehalten worden sein. (Symbolbild)
Eine Frau aus Indien soll in Australien als Sklavin gehalten worden sein. (Symbolbild)
© Adam Gregor - Fotolia

13. Februar 2021 - 11:38 Uhr

Victoria (Australien): Supreme Court soll entscheiden

Als sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war sie am Ende ihrer Kräfte. Ein Paar aus Melbourne soll eine Inderin acht Jahre lang als Sklavin gehalten haben. Jetzt müssen sich der Mann und die Frau vor dem Obersten Gericht im australischen Bundesstaat Victoria verantworten.

Inderin mit Blutvergiftung im Krankenhaus

Als man die Inderin fand, soll sie mit einer Blutvergiftung in ihrem eigenen Urin gelegen haben, das berichtete der australische Sender "9News". Die Frau litt angeblich an Diabetes Typ 2, wog nur noch 40 Kilogramm und hatte eine Körpertemperatur von 28,5 Grad Celsius. Zwei Monate soll das Kindermädchen im Krankenhaus gelegen haben, bis sich ihr körperlicher Zustand endlich verbessert hatte. Am Mittwoch startete der Prozess gegen ihre mutmaßlichen Peiniger.

Einem Mann und einer Frau aus Melbourne wird vorgeworfen, die Inderin acht Jahre lang als Sklavin gehalten zu haben. Im Juli 2007 soll die Frau auf das Anwesen der Familie in Mount Waverley gezogen sein. Dort sollte sie sich um den Haushalt und die Kinder kümmern, heißt es.

Sie durfte nicht einmal mit ihrer Tochter telefonieren

Doch stattdessen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, sollen ihre Arbeitgeber sie wie eine Sklavin behandelt haben. "Jeder von ihnen übte ein derartiges Maß an Kontrolle über die Grundrechte und Freiheiten aus, dass es sich um einen Zustand der Sklaverei handelte", wird Staatsanwalt Richard Maidment von "abc News" zitiert. Das Paar soll eine perfide Masche genutzt haben, um der Inderin Angst zu machen. Kurz nach ihrer Einreise wäre ihr Touristenvisum ausgelaufen, heißt es. Das Paar nutzte das aus, um die Frau festzuhalten.

Maidment sagte laut "9News" vor Gericht: "Die Angeklagte hat der Beschwerdeführerin ihre Rechte und Freiheiten entzogen". Dazu zählten unter anderem, das Recht darauf, mit anderen Menschen zu kommunizieren und das Haus zu verlassen. Während sie anfangs noch mit ihren Verwandten habe telefonieren dürfen, sei der Kontakt irgendwann ganz abgebrochen. "Früher durfte sie zwei- oder dreimal im Jahr mit ihrem Schwiegersohn und ihrer Tochter telefonieren, aber ab etwa 2012 reduzierte sich der Kontakt auf fast nichts", so die Staatsanwaltschaft.

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Prozess könnte sechs Monate dauern

Die Inderin soll außerdem keine medizinische Hilfe erhalten haben. Angeblich habe sie nur an ihrem Geburtstag Geld für ihre Dienste erhalten, der Betrag habe zwischen fünf und zehn Dollar gelegen. Die Frau wurde 2015 von den Behörden entdeckt, als sie ins Krankenhaus gebracht werden musste. Ihr Zustand war so schlecht, dass sie sofort auf die Intensivstation kam, heißt es in dem Bericht.

Man gehe davon aus, dass der Prozess gegen das mutmaßliche Horror-Paar noch weitere sechs Monate dauern werde.