JahresrückblickAugust 2019: Kampf um die Zukunft - und um Grönland

Die Ursachen sind vielfältig, die Zusammenhänge kompliziert, die Meinungen unterschiedlich, die Hintergründe politisch, die Folgen unangenehm. Klimawandel? Vom Menschen gemacht oder vom Lauf der Welt? Einfach nur doofes Wetter? Zufall? Der Weltklimarat jedenfalls sagt: Es ist ernst. Sollte nicht schnell etwas passieren, droht der Menschheit eine düstere Zukunft. Bereits jetzt würde der Meeresspiegel um 3,6 Millimeter pro Jahr ansteigen, warnen die 130 Forscher, die an dem Klimabericht gearbeitet haben. Küstenstreifen und Inseln könnten durch die Wassermassen unbewohnbar werden. Der weltweite Temperaturanstieg betrage im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter rund 1,53 Grad – auf Landflächen bezogen. Im Meer, das sich langsamer erwärmt, sei ein Anstieg von 0,9 Grad messbar.
"Eine Art Sterbehilfe für das Weltklima"

Der Bericht landet immerhin auch auf der Internetseite des Bundesumweltministeriums inklusive Statement der zuständigen Ministerin Svenja Schulze: "Der Bericht des Weltklimarats zeigt: Klimaschutz ist eine Existenzfrage für uns Menschen. Denn der Klimawandel gefährdet unsere Ernährungs- und Lebensgrundlagen. […] Die Art, wie die Menschheit mit dem Land umgeht, kann das Klima schützen oder schädigen." Schön, dass das an der entscheidenden Stelle erkannt wird, schade, dass die Maßnahmen und Bemühungen der Regierung dem Problem nicht unbedingt angemessen sind.
Schon Anfang Februar, ein halbes Jahr vor dem Erscheinen des Berichts, muss die Bundesregierung offiziell mitteilen: Sorry, aber das mit den Klimazielen bis 2020 klappt nicht. Im September wird die Bundesregierung ihr Klimapaket verabschieden, die meisten Experten werden nicht beeindruckt sein, und Umfragen zufolge wird es den meisten Deutschen nicht weit genug gehen. „Eine Art Sterbehilfe für das Weltklima“, wird Klimaforscher Mojib Latif urteilen. Optimismus klingt irgendwie anders.
Es scheint da wirklich ein ernsthaftes Problem vorzuliegen, da können die Internettrolle noch so sehr über Greta Thunberg herfallen, sie beleidigen und niedermachen. Irgendjemand muss diesen Kampf für die Zukunft kämpfen.
Proteste in Hong Kong

Ebenfalls für die Zukunft, aber einen ganz anderen Kampf, kämpft in Hong Kong – gemeinsam mit Tausenden anderen – ein junger Mann, der nur unwesentlich älter ist als Greta. Sein Name ist Joshua Wong. Er kämpft für Freiheit und Demokratie, gegen den zunehmenden Einfluss der chinesischen Führung. Sein Kampf findet auf den Straßen Hong Kongs statt, ist viel brutaler. Ihm stehen nicht nur ignorante Politiker und Internettrolle gegenüber, sondern bewaffnete Sicherheitskräfte und ein unterdrückerisches Regime.
Schnell entdeckt die Welt Gemeinsamkeiten der beiden jungen Aktivisten – und Unterschiede. Greta-Kritiker wittern ihre Chance und skizzieren sich ein klares Bild: Da ist die freche 16-jährige Schulschwänzerin, aufgewachsen in einer aufgeklärten westlichen Vorzeigedemokratie – Schweden – mit dem wahrscheinlich nettesten und bescheidensten Königshaus (neben Nachbarland Norwegen mit Hakan und Mette-Marit). Ein Mädchen, das alles hat und von sicherem Terrain aus auf dicke Hose machen kann. Auf der anderen Seite steht der Junge, der unter Einsatz seines Lebens gegen eine Diktatur kämpft, in dem gewalttätigen Chaos auf den Straßen Hong Kongs. Aber – Twitter sei Dank – beide üben den öffentlichen Schulterschluss: Es ist unser Kampf, denn wir beide kämpfen für die Zukunft, in der es kein „Entweder-Oder“ gibt, denn das eine bedingt das andere.
Trump will Grönland

Trump hat derweil (noch) ganz andere Sorgen. Angesichts des Kampfes um die Rohstoffe der Arktis, würde er gerne das Einflussgebiet der USA vergrößern. Das Objekt seiner Begierde: Grönland. Das ist zwar autonom, gehört aber zu Dänemark. Und was will ein so kleines Land wie Dänemark eigentlich mit dem viel größeren Grönland?
Passenderweise steht im Terminkalender des Präsidenten demnächst ein Dänemark-Besuch an. Da könne man dann „ein bisschen“ mit den Dänen über Grönland reden. Für jemanden, der aus dem Immobiliengeschäft kommt, mag so etwas durchaus ganz logisch erscheinen, in der Politik des 21. Jahrhunderts ist das jedoch ein eher ungewöhnlicher Gedanke. Es erinnert ein bisschen an die Kolonialzeit.
Deshalb stößt die Idee Trumps, Grönland zu kaufen, auf wenig Gegenliebe – weder in Dänemark noch in Grönland. "Ich hoffe inständig, dass dies nicht ernst gemeint ist", sagt die dänische Premierministerin Mette Frederiksen der Zeitung "Sermitsiaq", später nennt sie die Idee im dänischen Sender DR „absurd“ ihr Vorgänger Lokke Rasmussen sprach von einem verspäteten Aprilscherz.
Diese Reaktion erzürnt den US-Präsidenten. So spreche man nicht mit den USA, zumindest nicht unter ihm. Kurzerhand sagt er seinen Besuch in Dänemark ab. In Dänemark weiß man nicht genau, was davon zu halten ist, einige reagieren entsetzt, andere belustigt – ist das gerade wirklich passiert? Ja, ist es, und für Trump wird es in den nächsten Wochen und Monaten bis zum Jahresende noch unangenehmer.
Hinter den Kulissen nähert sich die Ukraine-Affäre

Ein bis heute unbekannter US-Geheimdienstmitarbeiter hat von einem Telefonat Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij gehört. In diesem fordert Trump im Gegenzug für finanzielle Hilfen Ermittlungen gegen den ehemaligen US-Vize-Präsidenten Joe Biden und dessen Sohn Hunter wegen Geschäften in der Ukraine. Pikant dabei: Die Finanzhilfen sind bereits überparteilich genehmigt, und Joe Biden könnte bei der nächsten Wahl gegen Trump antreten. Der CIA-Mitarbeiter meldet dies und wird so die Ukraine-Affäre ins Rollen bringen
