Es soll noch in diesem Jahr vom Netz gehen

Atomkraftwerk Grohnde bereitet Ende vor

Sonnenblumen wachsen am Atomkraftwerk Grohnde. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Sonnenblumen wachsen am Atomkraftwerk Grohnde. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
© deutsche presse agentur

07. Oktober 2021 - 8:38 Uhr

Schluss nach 36 Jahren

Die Vorbereitungen für den Rückbau des Kraftwerks Grohnde bei Hameln laufen auf Hochtouren. Noch wartet der Betreiber Preussenelektra aber auf die Rückbaugenehmigung. Das sehr aufwendige Genehmigungsverfahren läuft bereits seit 2017. Das Kraftwerk soll Ende des Jahres nach 36 Jahren Leistungsbetrieb vom Netz gehen, dann produziert in Niedersachsen als einziges Atomkraftwerk nur noch Lingen Strom.

17 Jahre Rückbau geplant

Der Betreiber Preussenelektra rechnet damit, dass allein der anschließende nukleare Rückbau rund 15 Jahre dauern wird. Dann schließen sich noch rund zwei Jahre für den konventionellen Abbruch der Gebäude an. Für Betreiber und Mitarbeiter bedeutet das ein logistischer Kraftakt, der seit fünf Jahren geplant wird. Die Stilllegung ist Teil des 2011 beschlossenen Atomausstiegs in Deutschland.

"Der Rückbau eines Kernkraftwerks unterscheidet sich stark von dem Abriss anderer Industrieanlagen, weil wir es mit Gebäudeteilen zu tun haben, die im Austausch mit radioaktiven Stoffen stehen", erklärt der künftige Rückbauleiter Dominik van Meegen, der seit fünf Jahren in den Planungen involviert ist. "Jedes einzelne Dübelloch, jede einzelne Fuge im Beton muss beim nuklearen Rückbau hinsichtlich einer möglichen Kontamination freigegeben werden."

Wohin mit dem radioaktiven Müll?

Der Rückbau eines Kernkraftwerks wirft unweigerlich auch Fragen der Entsorgung von radioaktivem Material auf. Dafür ist in Deutschland der Staat verantwortlich. Britta Kellermann, Grünen-Politikerin im Landkreis Hameln-Pyrmont und Teil der «Regionalkonferenz AKW Grohnde abschalten», sorgt sich unter anderem um die geplante Endlagerung der schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle. Dafür vorgesehen ist der Schacht Konrad, ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk im Stadtgebiet Salzgitter.

Der Standort sei Anfang der 80er Jahre ausgewählt worden und es gebe "große Zweifel" daran, ob die Sicherheitsstandards noch dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik entsprächen. Dies sei nie überprüft worden. Die Bundesregierung müsse das bei der aktuell laufenden Überprüfung der sicherheitstechnischen Anforderungen für das Endlager Konrad berücksichtigen.
Bei der andauernden bundesweiten Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll wünscht sich Kellermann eine transparentere und für Laien verständliche Kommunikation, welche Standorte begutachtet würden und warum. "Die Menschen müssen wissen, dass ihre Region gerade Suchgebiet ist und was ein Endlager für das Leben und die Sicherheit der Menschen vor Ort bedeuten würde."

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Noch 6 Atomkraftwerke in Deutschland in Betrieb

Deutschlandweit sind nur noch sechs Kernkraftwerke in Betrieb. Neben Grohnde gehört in Niedersachsen das Kernkraftwerk Emsland dazu. Bis Ende 2021 werden Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf abgeschaltet, bis Ende 2022 folgen mit Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 auch die letzten deutschen Kernkraftwerke.

Das Preussenelektra-Kraftwerk in Stade befindet sich bereits seit 2005 im Rückbau und nahezu in der Endphase. Die Kernkraftwerke Unterweser und Grafenrheinfeld sind mitten im Rückbau - in Grohnde greift man gerne auf die Erfahrungen dort zurück. (dpa/cgo)