Mehr Arbeitslosengeld, Mindestlohn & Unterhalt

Das ändert sich 2021 bei Geld, Arbeit und Abgaben

Finanziell wird 2021 für viele von uns ein gutes Jahr.
Finanziell wird 2021 für viele von uns ein gutes Jahr.
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06. Januar 2021 - 10:10 Uhr

Diese Änderungen kommen 2021 auf uns zu

Wie genau das Jahr 2021 aussehen wird, vor allem in Bezug auf die Corona-Pandemie, bleibt ungewiss. Im Gesundheitswesen hat das Coronavirus bereits einige Änderungen bewirkt, aber auch in anderen Bereichen stehen im neuen Jahr viele Neuerungen und Gesetze an. Was rund um die Themen Arbeit, Einkommen, Unterhalt und Sozialabgaben wichtig wird, lesen Sie hier.

Arbeitslosengeld II wird erhöht

Ab 2021 steigen die Regelleistungen bei Hartz IV. Diese wurden bereits im Dezember 2020 überwiesen. Zudem werden auch die Mehrbedarfe entsprechend angepasst. Der Arbeitslosengeld-II-Eckregelsatz (Single-Haushalt) wird auf 446 Euro (plus 14 Euro) angehoben. Die Sätze für Jugendliche in einer Bedarfsgemeinschaft steigen auf 373 Euro (plus 45 Euro). Kinder bis zum 5. Lebensjahr sollen ab 2021 283 Euro (plus 33 Euro) monatlich erhalten.

Die ALG-II-Leistungen für Paare beziehungsweise Ehegatten sollen ab 2021 401 statt 389 Euro betragen. Junge Erwachsene unter 25 Jahre, die noch bei den Eltern leben, erhalten dann 357 Euro - 12 Euro mehr. Die Sätze für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren sollen lediglich um 1 Euro auf 309 Euro steigen.

Höhere Beiträge für Kranken- und Pflegekasse bei mehr Einkommen

Zum 1. Januar 2021 werden die sogenannten Beitragsbemessungsgrenzen angehoben: Die bundeseinheitliche Grenze in der Kranken- und Pflegeversicherung steigt von 4687,50 Euro auf 4837,50 Euro im Monat (von 56.250 Euro auf 58.050 Euro im Jahr). Das bedeutet: Für diese 150 Euro mehr an monatlichem Verdienst werden nun noch Beiträge für die Kranken- und Pflegekasse erhoben. Erst das gesamte Einkommen oberhalb von 4837,50 Euro bleibt beitragsfrei.

Der Höchstbetrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (nur Arbeitnehmeranteil – ohne Zusatzbeitrag) steigt dadurch auf 353,14 Euro im Monat an (bisher: 342,19 Euro). Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze schlägt beispielsweise bei einem beitragspflichtigen Bruttoeinkommen von 6000 Euro mit einem Plus von 10,95 Euro für den monatlichen Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (ohne Zusatzbeitrag) durch. Bei einem Einkommen von 4700 Euro, also knapp über der neuen Bemessungsgrenze, sind das monatlich 1,09 Euro.

Bundesweit klettert die Versicherungspflichtgrenze von 62.550 Euro auf 64.350 Euro im Jahr – bis zu diesem Einkommen müssen sich Arbeitnehmer bei der gesetzlichen Krankenkasse versichern. Der Wechsel in die private Krankenversicherung wird 2021 erst ab einem Monatseinkommen von 5362,50 Euro möglich sein. 2020 reichte bereits ein Bruttogehalt von 5212,50 im Monat aus. Durch die Anhebung der Sozialversicherungswerte steigt der maximale Arbeitgeberzuschuss für privat Versicherte von monatlich 367,97 Euro auf 384,58 (mit Anspruch auf Krankengeld, halber durchschnittlicher Zusatzbeitrag in Höhe von 1,3 Prozent). Allerdings übernimmt der Arbeitgeber nie mehr als die Hälfte der tatsächlich gezahlten Versicherungsbeiträge seines Beschäftigten.

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Mehr Mindestlohn

Ab 1. Januar 2012 steigt der gesetzliche Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro auf 9,50 Euro pro Stunde. Dieser gilt auch für Mini-Jobs. Zum 1. Juli 2021 soll er dann noch einmal um weitere 10 Cent auf 9,60 Euro pro Stunde steigen. Bereits seit dem 1. Januar 2018 gilt der gesetzliche Mindestlohn ausnahmslos in allen Branchen. Bis auf wenige Sonderfälle gilt das Lohn-Minimum somit für alle volljährigen Arbeitnehmer in Deutschland, also etwa auch für Rentner, Minijobber oder Saisonarbeiter.

Für Langzeitarbeitslose gilt der Mindestlohn für die ersten sechs Monate, in denen sie wieder arbeiten, nicht.

Auch angehende Azubis dürfen sich 2021 über mehr Geld freuen: Wer sich ab diesem Kalenderjahr für den Beruf seiner Wahl in Handwerk und Betrieb qualifiziert, erhält im ersten Ausbildungsjahr dann mindestens 550 Euro (bisher: 515 Euro für Ausbildungsjahrgang 2020) monatlich. Wenn der Arbeitgeber tarifgebunden ist, gilt die tarifvertraglich festgesetzte Höhe der Ausbildungsvergütung. Für das zweite, dritte und vierte Ausbildungsjahr wird dem wachsenden Beitrag der Auszubildenden zur betrieblichen Wertschöpfung mit steigenden Aufschlägen Rechnung getragen. Auf den Azubi-Mindestlohn in Höhe von 550 Euro erhalten Azubis dann jeweils 18 Prozent, 35 Prozent beziehungsweise 40 Prozent über dem Einstiegsbetrag für das erste Ausbildungsjahr.

Mehr Unterhaltsvorschuss

Kindern, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben und keinen oder keinen regelmäßigen Unterhalt von dem anderen Elternteil erhalten, steht ein Unterhaltsvorschuss vom Staat zu. Zum neuen Jahr werden hier höhere Beträge fällig, da sich auch in Abhängigkeit vom Kindesalter das gesetzlich festgelegte Existenzminimum erhöht hat.

Demnach beträgt der Unterhaltsvorschuss ab Januar 2021 monatlich:

  • für Kinder von 0 bis 5 Jahren: bis zu 174 Euro (2020: 165 Euro)
  • für Kinder von 6 bis 11 Jahren: bis zu 232 Euro (2020: 220 Euro)
  • für Kinder von 12 bis 17 Jahren: bis zu 309 Euro (2020: 293 Euro)

Bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres können Kinder ohne zeitliche Einschränkung Unterhaltsvorschuss erhalten. Kinder im Alter von zwölf Jahren bis zum vollendeten 18. Lebensjahr können unter bestimmten Voraussetzungen Unterhaltsvorschuss bekommen.

Unterhalt für Trennungskinder steigt

Getrennt lebende Väter oder Mütter müssen ihren Kindern im neuen Jahr mehr Unterhalt zahlen. Das ergibt sich aus der neuen Düsseldorfer Tabelle, an der sich die Familiengerichte bei der Festsetzung des Unterhalts orientieren. Zum 1. Januar 2021 wird diese nun geändert. Die Düsseldorfer Tabelle wird vom Oberlandesgericht Düsseldorf veröffentlicht.

Der Mindestunterhalt minderjähriger Kinder beträgt dann ab dem 1. Januar bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres (1. Altersstufe) 393 statt bisher 369 Euro, für die Zeit vom siebten bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres (2. Altersstufe) 451 statt bisher 424 Euro und für die Zeit vom 13. Lebensjahr bis zur Volljährigkeit (3. Altersstufe) 528 statt bisher 497 Euro monatlich.

Diese Erhöhung des Mindestunterhalts führt zugleich zu einer Änderung der Bedarfssätze der zweiten bis zehnten Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle. Sie werden wie in der Vergangenheit in der zweiten bis fünften Einkommensgruppe um jeweils 5 Prozent und in der sechsten bis zehnten Einkommensgruppe um jeweils 8 Prozent des Mindestunterhalts angehoben.

Zusatzbeitrag für Gesetzliche Krankenversicherung steigt - leicht

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag, den alle gesetzlichen Krankenkassen zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent erheben, steigt zum 1. Januar von 1,1 auf 1,3 Prozent. Den Zusatzbeitrag teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer seit 2019 wieder je zur Hälfte (paritätisches Prinzip). Allerdings bedeutet die durchschnittliche Erhöhung nicht per se, dass dieser auch bei ihrer Krankenkasse steigt. Denn über die tatsächliche Höhe entscheiden die Gremien der Kassen individuell. Krankenkassen dürfen ihre Zusatzbeiträge nicht anheben, solange sie über mehr als eine Monatsausgabe Betriebsmittel und Rücklagen verfügen.

Erhöht die Krankenkasse den Beitrag, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des Monats, in dem der neue Zusatzbeitrag gilt.

Quelle: ntv/RTL.de