Ex-Pilot soll an Folgen einer Medikamenten-Überdosis in Münchner Klinik gestorben sein

„Die Klinik hat meinen Mann vergiftet“ - Hätte Willi Jahnkes Tod verhindert werden können?

Ehefrau Sabine, hier rechts im Bild, war jahrelang die große Stütze für ihren Mann Willi. Durch einen tragischen Vorfall in einem Klinikum in München soll Willi gestorben sein.
Ehefrau Sabine, hier rechts im Bild, war jahrelang die große Stütze für ihren Mann Willi. Durch einen tragischen Vorfall in einem Klinikum in München soll Willi gestorben sein.
© Crimespot, Bastian Schlüter

21. April 2021 - 10:24 Uhr

Hat das Klinikpersonal Willi Jahnke eine Überdosis verabreicht?

Willi Jahnke musste wegen eines fiebrigen Infekts ins Krankenhaus. Der ehemalige Condor-Pilot brauchte starke Medikamente, weil er an Parkinson und Demenz litt. Seine Frau Sabine sorgte dafür, dass das Klinikpersonal genau wusste, was ihr Ehemann wann einnehmen musste. Doch als sie einen Tag später ihren geliebten Willi besucht, liegt er im Koma und die Tablettenbox ist leer. War es eine Überdosis?

„Die Box mit den Vierteltabletten war komplett leer!"

Willi Janke wurde am 27. Januar 2020 in die Münchner Klinik rechts der Isar eingeliefert. Sabine Jahnke sagte, dass sie ihrem Mann ein lebenswichtiges Medikament mitgegeben hat. Es heißt Clopazin. Willi brauchte es gegen seine Krampfzustände. Die fürsorgliche Ehefrau hatte die Tabletten in zwei Medikamentenboxen vorsortiert. "Vierzig Vierteltabletten für morgens, vierzig Achteltabletten für nachmittags. Er sollte jeweils eine davon morgens und eine davon nachmittags bekommen. Das Klinikpersonal wusste Bescheid", erinnerte sich die trauernde Witwe. Am Tag nach der Einlieferung schaute die 58-Jährige wieder nach ihrem Geliebten. Sie findet Willi bewusstlos im Krankenbett: "Die Box mit den Vierteltabletten war komplett leer! Und mein Mann in einem komatösen Zustand. Ich bin dann sofort auf den Gang gestürzt und habe die Ärzte zusammengetrommelt".

Willi wird auf die toxikologische Intensivstation verlegt. Die Ärzte räumten in einem Gespräch mit Sabine Jahnke ein, dass ihr Mann eine Clozapin-Vergiftung hätte. Die Rechtsanwältin der Familie teilte mit, dass das Krankenhaus inzwischen zugegeben habe, dass dem Patienten aufgrund eines Versehens alle Tabletten auf einmal gegeben worden seien. Willi Jahnke erholte sich von diesem tragischen Vorfall nicht mehr. Er verstarb am 19. März 2020 im Alter von 66 Jahren.

Witwe von Willi Jahnke fordert lückenlose Aufklärung des Vorfalls in München

Sabine Jahnke pflegte ihren Ehemann zuhause in München.
Sabine Jahnke pflegte ihren Ehemann zuhause in München. Rund um die Uhr wurde sie von einer Pflegekraft unterstützt.
© RTL

Hätte Willi Jahnkes Tod verhindert werden können? Sabine Jahnke verlangt eine lückenlose Aufklärung und erhebt den schweren Vorwurf: "Die Klinik hat meinen Mann Willi vergiftet!". Auf Anfrage hat sich die Klinik nicht zu den erhobenen Vorwürfen geäußert. Wie RTL erfahren hat, laufen sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche Verfahren gegen die Einrichtung.

Die Staatsanwalt München ermittelt seit einem Jahr gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung - bislang ohne Ergebnis. Eigentlich müsste es doch einen Dienstplan für die Station gegeben haben, aus dem hervorgeht, wer in Willi Jahnkes Zimmer war und ihm die Medikamente verabreicht hat. Auf die Frage, wie diesbezüglich der Ermittlungsstand sei, sagte die Staatsanwaltschaft: "Wir gehen auch nicht nur einer These eines möglichen Tathergangs (z.B. die von der Witwe behauptete Zuvielgabe von Medikamenten) nach, sondern ermitteln umfassend, um aufzuklären, ob hier ein strafbares Verhalten im Raum steht". Seit einem Jahr versucht Anwältin Alexandra Glufke-Böhm, Akteneinsicht zu erhalten. Dies sei aber aufgrund laufender Ermittlungen nicht möglich, so die Staatsanwaltschaft. Es hängt wohl auch damit zusammen, dass weitere Verfahren gegen das Klinikum bzw. dessen Mitarbeiter anhängig sind. Ob nun wirklich die Medikamenten-Überdosis zu Willis Tod geführt hat, das muss im Rahmen der Ermittlungen geklärt werden.

Die Jahnkes sind sich sicher: Parkinson Erkrankung kam durch giftige Stoffe im Cockpit

Willi Jahnke im Cockpit
Willi Jahnke(† 66) war mehrere Jahrzehnte lang Pilot bei Condor.
© Crimespot

Jahnke arbeitete mehr als 40 Jahre lang als Pilot. Unzählige Passagiere flog er von 1996 bis 2015 mit Condor in den Urlaub. Er sei immer fit und lebenslustig gewesen, so die Witwe. 2015 musste Jahnke aufgrund gesundheitlicher Umstände in Rente gehen. Er sei immer unkonzentrierter geworden und habe immer wieder Dinge verlegt, erzählte Sabine Jahnke im Gespräch mit RTL. Zwei Jahre später erhielt Jahnke die Diagnose Parkinson. Damals waren sich Familie und auch Ärzte sicher: Die Ursache für diese schwere Erkrankung waren die giftigen Stoffe in der Luft im Cockpit. Seit Jahren klagen Piloten und Flugbegleiter darüber, dass die Luft in der Flugzeugkabine krank mache. Grund für die giftige Luft sei ein gefährlicher Stoff, der bei der Verbrennung von Triebwerköl entsteht und in die Kabine eindringen soll. Jahnkes Klage gegen Condor läuft noch.

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