Viele Rentner bekommen weniger als 900 Euro im Monat

Frauen in der Rente: Am Ende droht die Armut

27. Juli 2019 - 10:23 Uhr

Wie weit kommt man mit 900 Euro im Monat?

Miete, Essen, Kleidung und alle weiteren Dinge aus dem Alltag kosten Geld. Auch im Alter. Dass sich viele Rentner diese banalen Dinge oft aber nicht leisten können, ist die traurige Wahrheit, die neue Zahlen der Bundesregierung belegen. Viele müssen mit unter 900 Euro im Monat auskommen. Frauen sind von der Altersarmut noch stärker betroffen als Männer.

Menschlich, aber unklug

Wer jung ist, schiebt den Gedanken an die Rente gerne weit weg. Das ist menschlich, denn es ist ein unangenehmer Gedanke - aber auch unklug, denn irgendwann muss sich jeder fragen, wovon er eigentlich im Alter leben will. Dass man selbst einmal wie die alte Frau im Park Flaschen sammeln könnte und jeden Cent zweimal umdrehen muss, mag man sich nicht vorstellen. Es könnte aber passieren.

"Die gesetzliche Rente ist nicht mehr armutsfest"

Rentner in Deutschland müssen oft jeden Cent zwei Mal umdrehen, um im Monat über die Runden zu kommen.
Viele Rentner in Deutschland müssen in Deutschland mit weniger als 900 Euro im Monat auskommen. Frauen sind dabei noch stärker betroffen als Männer.
© dpa, Stephanie Pilick

Denn mehr als die Hälfte aller Rentner bekommt weniger als 900 Euro im Monat. Das zeigen neue Zahlen der Bundesregierung, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. Zieht man davon noch Ausgaben wie Miete ab, bleibt vielleicht die Hälfte übrig - wenn die Wohnung sehr günstig ist. Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann sagt, was viele bereits ahnen: "Die gesetzliche Rente ist nicht mehr armutsfest." Heißt: Rentnern droht Armut. Und alleinstehenden Frauen noch eher als Männern. Wie der Rentenbericht von 2018 zeigt, haben Rentnerinnen im Schnitt nur 689 Euro zur Verfügung (Wert von 2017).

Putzfrau stellte Sigmar Gabriel zur Rede

Deutschlands berühmteste Putzfrau Susanne Neumann hat darüber sogar ein Buch geschrieben. "Warum wir ein Leben lang arbeiten und trotzdem verarmen", heißt es. Die Gelsenkirchnerin wurde nach einer Diskussion mit Sigmar Gabriel berühmt, als sie den damaligen SPD-Chef wegen der Sozialpolitik zur Rede stellte. Ihre Kritik: Es gibt immer mehr schlecht bezahlte Jobs, der Staat hilft den bedürftigen Menschen immer weniger. Im Januar 2017 war sie bei RTL zu Gast und sprach darüber, was in unserer Gesellschaft schief läuft. Das Interview sehen Sie im Video.

Mit über 60 noch putzen gehen

Um der Armutsfalle zu entkommen, gibt es verschiedene Wege. Noch weiter arbeiten zum Beispiel. Manche gehen auch mit weit über 60 noch putzen. Oder tragen Zeitungen aus. 2017 hat ungefähr jeder Sechste zwischen 65 und 69 Jahren noch gearbeitet. Wobei: Manche arbeiten auch weiter, weil sie es wollen, noch können und es ihnen Freude bereitet.

Doch glücklicherweise haben viele Rentner vorgesorgt und noch andere Einnahmequellen. Eine betriebliche Alltagsvorsorge zum Beispiel. Frauen, die nicht durchgehend gegen Lohn gearbeitet haben, leben von der Rente ihres Mannes mit. Bei alleinstehenden Frauen und Männern mit besonders geringer Rente springt der Staat ein - und stockt auf Hartz-IV-Niveau auf. Manche Frauen bekommen seit 2015 auch die "Mütterrente", wenn sie Kinder großgezogen haben. Ein wichtiges Standbein im Alter ist schon heute die private Vorsorge.

Der Durchschnitt trügt

Das Gesamtbild sieht daher auch gar nicht so schlecht aus. Im Durchschnitt haben Rentner-Ehepaare 2.572 Euro im Monat zur Verfügung. Alleinstehende Frauen kommen auf 1.422, Single-Männer auf 1.593 Euro – also gesetzliche Rente plus andere Einnahmen. Doch Vorsicht, Durchschnittswerte sind immer trügerisch. Es bedeutet nur, dass den vielen Rentnern mit weniger als 900 Euro auch einige mit sehr guter Rente gegenüber stehen. Dass es im Durchschnitt ganz gut aussieht, hilft der flaschensammelnden Rentnerin im Park daher nicht weiter.