Sein Plan in Monaco droht zu scheitern

Harter Spott für Bayern-Leihgabe Nübel

Alexander Nübel muss in Monaco Rückschläge und Kritik wegstecken.
Alexander Nübel muss in Monaco Rückschläge und Kritik wegstecken.
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18. September 2021 - 11:21 Uhr

Sackgasse Fürstentum?

Alexander Nübel möchte unbedingt der Nachfolger von Manuel Neuer werden. Das hat der junge Torwart mehr als deutlich gemacht. Nicht überall kam das gut an. Doch Anspruch und Wirklichkeit liegen weit auseinander. Sein Umweg über Frankreich könnte sogar zur Sackgasse werden.

Auch in Frankreich ist also bekannt, wie die ambitionierten Pläne von Alexander Nübel aussehen. Der Torwart, der den FC Schalke 04 im Sommer 2020 unter nicht so schönen Umständen verlassen hatte, möchte beim FC Bayern unbedingt Nachfolger von Manuel Neuer werden. Und eigentlich, so sah die Planung vor, sollte es schon bald soweit sein. In dieser Saison wollte der 24-Jährige ein echter Herausforderer sein. Die Ablöse zwischen den Pfosten sollte langsam, aber unaufhaltsam eingeleitet werden. Nübel hatte das mehrmals sehr forsch kundgetan, oder über seinen Berater kundtun lassen. Gut kam das in München nicht an.

Harte Realitäten an der Säbener Straße

Und so musste der Plan recht schnell wieder verworfen werden. Denn an der Säbener Straße traf Nübel in der vergangenen Spielzeit, die wollte er als Lernender bestreiten, auf harte Realitäten und auf noch viel härtere Gegenwehr. Auf einen Neuer, der in herausragender Form war, und auf Trainer Hansi Flick, der sich so gar kein bisschen dafür erwärmen konnte, dem Keeper (viel) mehr Zeit als unbedingt nötig zwischen den Pfosten zu gönnen, obwohl das angeblich anders verabredet war. Stichwort(e) "zugesicherte Einsatzzeiten" durch Sportvorstand Hasan Salihamidžić.

Nübel ist mittlerweile in Frankreich. Er spielt unter dem Trainer Niko Kovac bei AS Monaco. Und die Lage für den 24-Jährigen ist gut. Eigentlich. Denn der Kroate vertraut ihm. Für einen Torwart ist das genauso wichtig wie starke Paraden. Und damit sind wir bei der Krux an der Geschichte. Denn starke Paraden zeigt Nübel eher nicht. Der Umweg über das Fürstentum droht aktuell in eine bittere Sackgasse zu führen. Denn Arbeitsnachweise, die seinen Anspruch als kommende Nummer eins beim FC Bayern untermauern, bekommt er kaum mehr zustande. Schlimmer noch: In Frankreich wird die Kritik am deutschen Torwart immer größer. Ganz aktuell lästert Jerome Alonzo. Den kennt man hier eher nicht. In Frankreich aber schon. Der 48-Jährige hat unter anderem für Paris St. Germain gespielt und stand in der höchsten Liga 133 Mal zwischen den Pfosten. Eine Legende ist er damit nicht.

Frankreich-Keeper lästert über Nübel

Egal, als gestandener Torwart hat er zumindest eine gewisse Expertise. Und im "Fall Nübel" brachte er sie vor dem Europa-League-Duell der Monegassen gegen Sturm Graz (1:0) bei "L'Equipe TV" so ein: "Das soll der künftige Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern werden? Auf mich macht er keinen guten Eindruck. Er wirkt lahm, unsicher und technisch limitiert." Nun weiß man auch von den hiesigen Experten, dass lautes Bellen immer gut ankommt, für Schlagzeilen und Diskussionen sorgt. Ganz egal wie hart an der Wahrheit die Meinung orientiert ist. Bittere Nachricht für Nübel: Die Sätze von Alonzo greifen eine Stimmung auf, die sich immer stärker gegen ihn richtet. Für den schwachen Saisonstart der AS wird der Torwart mindestens mitverantwortlich gemacht. Nach fünf Spieltagen steht die Mannschaft nur auf Rang 16, hat lediglich ein Spiel gewonnen, aber schon drei verloren.

Trainer Kovac stellt sich nach der harten Kritik - unter anderem hatte der "Le Figaro" ihn nach dem 0:2 in der Liga gegen den RC Lens zum "Flop des Spiels" erkoren - weiter vor seinen Schlussmann. Mitte der Woche würgte er eine drohende Torwart-Diskussion vehement ab: "Ich bin zufrieden mit Alex, er ist ein kluger Kerl. Er wird seine Qualitäten zeigen, weil er ein sehr guter Torhüter ist." Der Berliner weiß aber auch, dass Nübel dringend große Momente braucht, um wieder Selbstvertrauen aufzubauen. "Er hat mehrere Gegentore kassiert, an denen er nichts machen kann. Von den sieben, die wir in der Ligue 1 kassierten, waren vier oder fünf Tore im Eins-gegen-Eins. Es ist schwer, da dann herauszustechen." Derzeit habe er auch nicht viele Chancen, sein Können zu zeigen, weil die AS nicht viele Gelegenheiten zugelassen haben. "Er braucht Erfolgserlebnisse und mehr Unterstützung von den Spielern vor ihm, nicht nur von den Verteidigern, sondern vom gesamten Team."

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Ein stabiler Rückhalt? Noch nicht

Gegen Graz gab es am Donnerstagabend immerhin wieder ein Zu-Null-Spiel. Allerdings waren die Österreicher extrem harmlos und Nübel bei der besten Gelegenheit der Gäste ohne Chance. Ein Schuss von Ivan Ljubic aus der Distanz krachte an die Latte, der Torwart flog zwar spektakulär, war aber weit weg vom Ball. Immerhin als Fehler hätte man ihm einen Gegentreffer in dieser Szene nicht auslegen können. Davon leistet er sich tatsächlich nur wenig gravierende, aber immer wieder sind Unsicherheit dabei. Ein stabiler Rückhalt ist er so (noch) nicht. Und derzeit auch weit weg davon, einen Eindruck beim FC Bayern zu hinterlassen, der die künftige Torwartfrage langfristig beantwortet. Was dann übrigens auch für die Nationalmannschaft gilt. Denn die Nummer eins beim Rekordmeister ist natürlich immer ein Stammplatz-Thema. Marc-André ter Stegen kennt das Leid der Anderen.

Die Leihe zur AS Monaco ist auf zwei Jahre ausgelegt, viel Zeit also noch für die Wende zum Guten. Aber genauso lange hat Neuer noch Vertrag in München. Und es ist nicht auszuschließen, dass es danach nicht noch ein bisschen weitergeht. Und somit ist auch nicht auszuschließen, dass der Umweg von Nübel nicht dort hinführt, wo er hinführen soll: zurück zum FC Bayern als Nummer eins.

Für diese Rolle wirft Stefan Effenberg - Fußball-Legende, Experte und Kolumnist - nun einen anderen Namen in den Debatten-Topf. Der polarisierende "Tiger" findet Gregor Kobel interessant, wie er bei "t-online" bekennt. "Aus heutiger Sicht", schreibt er, könne es "eigentlich nur einen Nachfolger für Neuer geben." Kobel. Der Schweizer löst das Keeper-Problem von Borussia Dortmund in dieser Saison bislang auf spektakuläre Weise. Dass der BVB trotz wackeliger Abwehr als Dritter sehr gut dasteht, liegt auch den starken Paraden des 23-Jährigen. Dass Nübel sich noch richtig aufdrängt, glaubt Effenberg eher nicht. Er urteilt: "Der Plan, mit dem ehemaligen Schalker Alexander Nübel einen jungen Nachfolger im Verein aufzubauen, ist schon jetzt krachend gescheitert." (tno)