Widerstand im Pandschir-Tal

Afghanistan: Gegner der Taliban bilden Allianz

Ahmad Massoud führt eine Allianz gegen die Taliban an.
Ahmad Massoud führt eine Allianz gegen die Taliban an.
© deutsche presse agentur

18. August 2021 - 16:28 Uhr

Ehemalige Regierung und Taliban-Feinde schließen sich zusammen

Das Pandschir-Tal nördlich von Kabul gilt bereits seit den 1990er-Jahren als Zentrum des Widerstands gegen die Taliban in Afghanistan. Nach dem Vormarsch der radikal-religiösen Bewegung scheinen Politiker der ehemaligen, afghanischen Regierung und der Sohn eines berühmten Taliban-Feindes dort nun eine neue Koalition zu schmieden.

Afghanistan: Vizepräsident trifft sich mit Milizenführer

Nach dem kampflosen Einmarsch in Kabul sind die Taliban in Afghanistan faktisch die neuen Machthaber. Doch nur wenige Tage nach dem Fall der Hauptstadt formiert sich neuer Widerstand gegen die militanten Islamisten. Im abgeschiedenen Pandschir-Tal, das sich etwa 100 Kilometer nordöstlich von Kabul befindet, formiert sich offenbar eine neue Allianz.

Yalda Hakim von der BBC und Ezzatullah Mehrdad von der "Washington Post" berichten, dass sich der geflohene Vizepräsident Amrullah Saleh Anfang der Woche mit Milizenführer Ahmad Massoud in der Provinz Pandschir getroffen hat, um über eine neue Koalition gegen die Taliban zu beraten.

Ahmad Massoud ist Sohn und Nachfolger von Ahmad Schah Massoud, der in den 1990er-Jahren Kopf des Widerstandes gegen die Taliban war und bis 2001 einen erbitterten Guerillakrieg gegen die Islamisten führte. Zwei Tage vor den Terroranschlägen vom 11. September wurde der Anführer der sogenannten Nordallianz bei einem Attentat von Al-Kaida getötet.

Bevölkerung von Afghanistan soll sich Widerstand anschließen

Saleh war Weggefährte von Ahmad Schah Massoud und gilt als großer Gegner der Taliban. Der Politiker schrieb nach seiner Flucht bei Twitter: "Ich werde nicht die Millionen Menschen im Stich lassen, die auf mich gehört haben. Ich werde niemals mit den Taliban unter einem Dach leben. Niemals." Saleh rief die Bevölkerung am Dienstag dazu auf, sich "dem Widerstand anzuschließen". Er sei der "legitime geschäftsführende Präsident" des Landes, so Massoud.

Auch der ehemalige Verteidigungsminister Afghanistans Bismillah Chan Mohammadi kritisierte die Taliban in den sozialen Netzwerken scharf. Er habe nicht die Skrupel, mit den Mördern von Tausenden Sicherheitskräften und unschuldigen Zivilisten an einem Tisch zu sitzen und seine Unterstützung für diese Terrorgruppe zu erklären. Mohammadi versprach, dass er Afghanistan "von diesen Terroristen" befreien werde. Mohammadi stammt wie auch Saleh aus der Provinz Pandschir. Beide Politiker sollen in der Region untergetaucht sein.

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Taliban: Keine Kontrolle der Provinz Pandschir

Pandschir ist die einzige Provinz im Land, die nicht von den Taliban kontrolliert wird. Bereits während der ersten Herrschaft der Taliban in Afghanistan galt das schwer zugängliche Tal als Widerstandsnest gegen die Islamisten. Der Widerstand gegen die Taliban hat im Pandschir-Tal offenbar vor allem ethnische Hintergründe. Die Bevölkerung der Provinz gehört in großen Teilen zur ethnischen Gruppe der Tadschiken, die Taliban rekrutieren sich mehrheitlich aus der Volksgruppe der Paschtunen. Auch in religiöser Hinsicht bestehen zwischen den Gruppen Unterschiede.

Gerüchte über eine neue Widerstandsbewegung in Afghanistan gibt es bereits seit Wochen. Die indische Zeitung "The Tribune" berichtete, dass sich sich in den vergangenen Tagen tadschikische Angehörige der afghanischen Armee mit Panzern und Fahrzeugen ins Pandschir-Tal zurückgezogen haben sollen. (ntv/jda)