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Ägypten: Von Mubarak zu Mursi - 100 Verletzte bei Jahrestag

Ägypten: Von Mubarak zu Mursi - 100 Verletzte bei Jahrestag

In Ägypten brennt es wieder - im Visier: Die Muslimbrüder

Auf den Tag genau vor zwei Jahren begannen – angefacht durch die politischen Umwälzungen in Tunesien - in Ägypten die Massenproteste gegen Präsident Husni Mubarak. Nach 17 Tagen hielt Mubarak dem Druck des Volkes nicht mehr stand und trat zurück.

Ägypten, Proteste
Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo vor genau zwei Jahren: Anfang von Mubaraks Ende.
picture alliance / dpa, Khaled El Fiqi

Doch die Wut der Ägypter ist nicht verflogen. Sie richtet sich nun gegen die neuen Machthaber: Die Muslimbruderschaft und die Regierung unter Mohammed Mursi. Zehntausende haben gegen die neue islamistische Regierung protestiert. Bei Krawallen in Kairo, Suez und Alexandria wurden nach Angaben lokaler Medien mehr als 100 Demonstranten und Polizisten verletzt. In Ismailia am Suez-Kanal zündeten Randalierer das Gebäude der Partei der Muslimbrüder an und verwüsteten das Gouverneursgebäude.

Staatschef Mursi fuhr durch einen Hintereingang in den von Demonstranten belagerten Präsidentenpalast. Die Opposition wirft Mursi vor, er habe die "Ziele der Revolution" verraten. Rund um den Präsidentenpalast kam es zu Straßenschlachten, bei denen Steine flogen. Die Ordnungspolizei setzte Tränengas ein.

Straßenschlachten in den Nebenstraßen des Tahrir-Platzes

Die Muslimbrüder, die Mursi im vergangenen Jahr als ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl nominiert hatten, beteiligten sich nicht an den Protestaktionen. Bei dem ersten 'Revolutionsgeburtstag' 2012 waren die Islamisten mit dabei gewesen. Damals war noch der Militärrat an der Macht, der Mubarak ein Jahr zuvor zum Rücktritt gezwungen hatte.

Unter den Demonstranten waren der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sowie Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei und der populäre linke Oppositionelle Hamdien Sabbahi.

Während es auf dem Tahrir-Platz relativ friedlich blieb, kam es in zwei Nebenstraßen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Ordnungspolizei und einigen Demonstranten. Bereits am Vorabend der geplanten Demonstrationen hatte es in der Umgebung des Platzes Gewalt zwischen Polizisten und jungen Regierungsgegnern gegeben, die eine Betonmauer vor dem Regierungsviertel niederreißen wollten. Dabei waren 16 Menschen verletzt worden.

In der Hafenstadt Alexandria setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein. Diese bewarfen die Beamten mit Steinen. "Für soziale Gerechtigkeit" und "gegen die Herrschaft der Muslimbrüder" demonstrierten Anhänger von Oppositionsparteien etwa auch in der östlichen Stadt Suez und in der Touristenstadt Luxor.

Mursi hatte von einer "Konterrevolution" gesprochen. Er behauptete, die Proteste würden von "Überbleibseln des Mubarak-Regimes" gesteuert.