Methoden aus der Suchtmedizin

Abnehmen für hoffnungslose Fälle: Schmerzreize gegen Heißhunger

Das Abnehmen gehört jedes Jahr zu den beliebtesten Neujahrsvorsätzen.
© Getty Images

23. Januar 2020 - 16:12 Uhr

Abnehmen ohne Druck bei Sport, gesunder Ernährung und Disziplin

Keine Lust auf Sport, dafür aber Heißhunger auf Pizza und Schokolade? Diäten waren gestern - jetzt kommen die Hardcore-Methoden, durch die man angeblich Gewicht verliert. Sie sollen "brutal, effizient und wissenschaftlich fundiert" sein. In ihrem aktuellen Buch "Abnehmen für hoffnungslose Fälle" beschreiben Dr. Shird Schindler und Dr. Iris Zachenhofer Methoden aus der Suchtmedizin. Und das alles ohne Sport, ohne gesunde Ernährung und ohne Disziplin.

Schmerzreize setzen

Diejenigen, die sich selbst als "hoffnungslose Fälle" bezeichnen, können also jetzt ganz andere Wege gehen. Statt weniger zu essen, heißt es jetzt also Schmerzreize setzen. Dabei gehe es laut Dr. Zachenhofer viel mehr darum, "seine Spannungen zu regulieren und eben mit unterschiedlichen, teilweise brutalen Methoden in den Griff zu bekommen und damit auch die Lust aufs Essen".

Und das soll so funktionieren: Durch selbst zugefügte Schmerzreize, wird die Spannung und Esslust abgelenkt. "Weil der Körper auf den Schmerz fokussiert ist und sobald der Schmerz nachlässt, verschwindet gleichzeitig diese massive Gier nach Essen, das wir Graving nennen", beschreibt Neurochirurgin Dr. Zachenhofer die Methode. Denn die Essensgier verläuft wellenförmig.

Gier nach Zucker ist wie Drogensucht

Doch wie kommt es zu dieser Gier? Zucker löst im Gehirn das Gleiche aus wie Drogen, deshalb ist die Gier nach dem Zucker – sprich die Sucht nach dem Essen – im Gehirn dasselbe wie Drogensucht. "Der normale Verstand setzt aus und es überwiegt diese massive Gier nach Essen und das kann man nicht mit normalen Methoden behandeln", so die Expertin

Es gibt sanftere und heftigere Methoden. Bei dem leichten "Graving" hilft es, wenn man Dinge tut, bei denen wir ein gutes Gefühl bekommen – wie eine gewisse Sportart, spazieren, Musik hören oder sich einfach zurückziehen.

Was auch funktionieren soll: Riechen statt essen! An dem Essen, worauf man Lust hat, soll man zwei bis drei Minuten riechen. Diese Zeit ist sehr lang. Das Gehirn erkennt das so, als hätte man es wirklich gegessen.

Schmerzreize setzen, um den Heißhunger zu unterdrücken

Und dann gibt es auch die heftigeren Methoden: Wenn die Essgier einen überwältigt ist es hilfreich, sich einen Schmerzreiz zu setzen. Dabei gehe es aber nicht darum, sich zu verletzen.

  • Kerzenwachs auf die Haut tropfen lassen
  • Gummiringe ans Handgelenk schnalzen
  • Musik, die man gar nicht mag, sehr laut hören
  • Chilis oder Wasabi-Erdnüsse kauen
  • Jede Art von Kälte: Eiswürfel lutschen, kalt duschen

"Wichtig ist nur, dass man probiert, was bei einem selbst am wirksamsten ist", so Dr. Zachenhofer. So sollte jeder für sich herausfinden, welche Methode wirklich gut funktioniert. Und wenn dann mal die Situation eintrifft und man Heißhunger hat, weiß man direkt, wie man reagieren kann.

Psychologische Reaktanz bei Ernährungstipps

Die Ärzte raten grundsätzlich davon ab, sich irgendwelche Dinge vorschreiben lässt, wie zum Beispiel zum Sport zu gehen oder nur gesund zu essen. Der Mensch sei schon genug überschallt mit Ernährungstipps und Sportübungen. Dann schaltet sich automatisch die psychologische Reaktanz ein – eine Art Trotzverhalten. "Das heißt, wenn wir immer hören, wir sollen Sport machen, wir sollen laufen, dann kann man das nicht mehr hören und das Unterbewusste macht genau das Gegenteil", erzählt Neurochirurgin Dr. Zachenhofer.

So sollte jeder für sich verschiedene Methoden testen und herausfinden, wobei man ein gutes Gefühl hat. Situationen, in denen man sich nicht so gut fühlt und eher Heißhunger bekommt, sollte man dann versuchen zu vermeiden.