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30-Jähriger aus Hamburg dealte für krebskranken Vater: Drei Jahre Haft

Verkauf über den Messenger-Dienst Enchrochat

30-Jähriger dealt für Behandlung von krebskrankem Vater: Drei Jahre Haft

ARCHIV - 20.07.2017, Hamburg: Kokain ist auf einem Tisch zu sehen. (zu dpa «Britische Regierung will Kampf gegen Drogen verschärfen») Foto: Christian Charisius/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Symbolbild: Innerhalb von nur knapp zwei Wochen im Frühjahr 2020 habe der Angeklagte zwei Kilo Kokain, mehr als zwei Kilo Marihuana und 1000 Ecstasy-Pillen verkauft.
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Um die Behandlungs- und Bestattungskosten seines krebskranken Vaters zu bezahlen, dealte ein junger Mann mit Drogen im großen Stil. Vor Gericht legt er ein umfassendes Geständnis ab. Das Motiv stimmte letztendlich die Richter milde: Die Strafkammer am Landgericht verurteilte den Angeklagten am Mittwoch wegen Handels mit mehreren Kilo Kokain und Marihuana zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten.

Er wollte Schulden und Behandlungskosten begleichen

Zudem muss der 30-Jährige die Drogengewinne von knapp 100 000 Euro an die Gerichtskasse zahlen. Der Vater des Angeklagten sei 2018 an Krebs erkrankt und 2019 gestorben, erklärte der Richter. Der Sohn habe mit den Drogengewinnen Schulden begleichen wollen, die durch die Behandlungskosten sowie durch die Überführung des Leichnams in die Türkei und die Bestattung dort entstanden seien. Innerhalb von nur knapp zwei Wochen im Frühjahr 2020 habe der Angeklagte zwei Kilo Kokain, mehr als zwei Kilo Marihuana und 1000 Ecstasy-Pillen verkauft. Als besonders strafmildernd wertete das Gericht, dass der Angeklagte gleich zum Prozessauftakt die Vorwürfe „klipp und klar“ gestanden habe.

Encrochat: Das Whats-App der Verbrecher

Für seine Drogengeschäfte hatte er sich ein Encrochat-Handy besorgt. Der vor allem von Kriminellen genutzte Kurznachrichtendienst war von französischen Ermittlern entschlüsselt worden. EncroChat galt lange als einer der größten Anbieter verschlüsselter Kommunikation – und wurde daher oft für organisierte Verbrechen genutzt. Die europäische Polizeibehörde Europol übergab die Daten im Jahr 2020 an das Bundeskriminalamt, worauf in Deutschland mehrere Tausend Strafverfahren eingeleitet wurden. (dpa/kst)