Film über Betrügerin Elizabeth Holmes"You Can See Everything": Darum sorgt diese Doku für Aufsehen

Der Trailer ging viral, Kritiker vergeben Bestnoten: Heute startet "You Can See Everything" in den US-Kinos. Warum sorgt die Doku über Betrügerin Elizabeth Holmes für so viel Aufsehen? Und kommt der Film auch in Deutschland ins Kino?
Schon Anfang September ging der Trailer zu "You Can See Everything" viral. Jetzt startet die fast dreistündige Dokumentation über Elizabeth Holmes (42), die wegen Betrugs verurteilte Gründerin des einstigen Biotech-Unternehmens Theranos, in den US-Kinos. Der Film gewährt ungewöhnlich intime Einblicke in ihr Leben vor dem Haftantritt und sorgt bereits für begeisterte Kritiken. Was steckt hinter dem Hype um die Doku?
Wer ist Elizabeth Holmes?
Im Mittelpunkt steht ein Fall, der das Silicon Valley nachhaltig erschütterte. Elizabeth Holmes versprach mit ihrem Unternehmen Theranos, zahlreiche medizinische Tests mit wenigen Tropfen Blut durchführen zu können, und erhielt dafür mehr als eine Milliarde Dollar an Investorengeldern. Die Technologie hielt den Versprechen nicht stand. 2022 wurde sie wegen Betrugs und Verschwörung verurteilt; seit Mai 2023 verbüßt sie eine Haftstrafe von zehn Jahren und drei Monaten.
Der Stoff wurde bereits in Dokumentationen und der Serie "The Dropout" mit Amanda Seyfried aufgearbeitet. "You Can See Everything" verspricht allerdings keine klassische Nacherzählung. Stattdessen beobachtet der Film Holmes in ihrem Privatleben - und lässt offen, wie viel von dem, was die Kamera zeigt, tatsächlich unverstellt ist.
Kameras in jedem Winkel
Der Film beginnt 34 Tage vor Holmes' Haftantritt im Mai 2023. Die Unternehmerin und ihr Partner Billy Evans laden Filmemacher Nathan Fielder und sein Team in ihr Zuhause in Kalifornien ein.
Die Kameras begleiten Holmes im Alltag mit Evans und den gemeinsamen Kindern. Es gibt intensive Gespräche, Fielder stellt unbequeme Fragen, auch zur Betrugsaffäre. Selbst nachdem sie ihre Haft angetreten hat, geht der Film weiter. Das Ergebnis ist eine Doku mit 174 Minuten Länge.
Die Produktionsfirma A24 beschreibt den Film als ein zunächst "intimes Porträt einer rätselhaften Verbrecherin", das sich zu einer "verstörenden, dreijährigen Reise in den Abgrund" entwickelt.
Wer steckt hinter der Doku?
Nathan Fielder ist ein kanadischer Komiker, Schauspieler und Filmemacher. Bekannt wurde er mit den Serien "Nathan for You" und "The Rehearsal", in denen er Realität und Inszenierung auf oft absurde Weise vermischt. Sein Co-Regisseur Lance Oppenheim machte sich mit Dokumentarfilmen wie "Some Kind of Heaven" und zuletzt mit dem Film "Primetime" einen Namen.
Die Kombination ist ungewöhnlich: Fielder begegnet einer Frau, deren öffentliche Geschichte von Täuschung geprägt ist, und ist selbst dafür bekannt, sein Publikum gezielt in die Irre zu führen. Der Film stellt damit auch die Frage, wie zuverlässig dokumentarische Bilder überhaupt sind.
Der Film wurde über mehrere Jahre unter strengster Geheimhaltung gedreht und am 6. September beim Telluride Film Festival in Colorado als unangekündigte Überraschungspremiere gezeigt - erst rund um die Premiere wurde auch der erste Teaser veröffentlicht.
Der Trailer ging viral - und Kritiker sind begeistert
Der erste kurze Vorgeschmack verbreitete sich rasant im Internet. Der längere Trailer kam auf mehr als 16 Millionen Aufrufe. Darin fragt Holmes mit unbewegtem Blick, warum sie Fielder täuschen sollte. Der Ausschnitt wurde vielfach geteilt und parodiert.
Auch viele Medien sind von dem ungewöhnlichen Trailer angetan. Der "Spiegel" fragte angesichts des Clips, ob die Macher den Trailer neu erfunden hätten, und attestierte ihm neue Maßstäbe. Die "taz" überschrieb ihre Besprechung sogar mit "Der perfekte Trailer".
Die Kritiken für die Doku fallen ebenso ungewöhnlich euphorisch aus. Der britische "Guardian" vergibt fünf von fünf Sternen und bezeichnet "You Can See Everything" als "Meisterwerk der Täuschung". Die "Los Angeles Times" beschreibt den Film als fesselndes Duell zwischen Holmes und Regisseur Nathan Fielder. Trotz einer Laufzeit von zwei Stunden und 54 Minuten werde er keine Minute langweilig.
Sieben bis acht Millionen Dollar zum Kinostart erwartet
Der Hype könnte sich auch an den Kinokassen auszahlen. Für das erste US-Wochenende werden laut Branchenprognosen sieben bis acht Millionen Dollar erwartet. Das wäre ein beachtlicher Auftakt für eine Dokumentation, die in rund 800 Kinos startet. Die Produktionskosten sollen bei etwa sieben Millionen Dollar gelegen haben. Der Film startet am heutigen Freitag in den USA.
Kommt "You Can See Everything" in Deutschland in die Kinos?
Ob oder wann die Doku in Deutschland zu sehen sein wird, ist bislang offen. Ein deutscher Kinostart oder Streamingtermin wurde bisher nicht angekündigt.
(ncz/spot)