Neue BookTok-Verfilmung bei Prime VideoWie sich Fanfiction heimlich in Filme und Serien schleicht

Die Rollen von Lili Reinhart und Tom Bateman in "Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe" basieren ursprünglich auf "Star Wars"-Figuren.
Die Rollen von Lili Reinhart und Tom Bateman in "Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe" basieren ursprünglich auf "Star Wars"-Figuren.
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Mit "Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe" bringt Prime Video den nächsten BookTok-Hit auf die Bildschirme. Das Besondere: Die Geschichte hat ihre Wurzeln in einer Fanfiction - und ist damit längst kein Einzelfall mehr.

Die nächste Buchverfilmung steht in den Startlöchern: Nachdem "The Love Hypothesis" bereits Bestsellerlisten und BookTok-Charts eroberte, nimmt die RomCom nun Kurs auf die Streamingwelt. Am 23. September erscheint die Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Ali Hazelwood (36) bei Prime Video.

Der Roman, der in Deutschland 2022 unter dem Titel "Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe" erschienen ist, wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische New-Adult-Romanze. Ursprünglich handelte es sich aber um eine Liebesgeschichte zwischen Kylo Ren und Rey aus "Star Wars". Die Filmadaption ist nur ein Teil einer Entwicklung, in der Fanfiction aus ihrer scheinbaren Online-Schmuddelecke ins Rampenlicht des Mainstreams gezogen wird.

Darum geht es in "Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe"

Die neue Romanze auf Prime Video klingt zunächst so gar nicht nach einer Geschichte aus einer weit, weit entfernten Galaxis: Im Mittelpunkt steht die Biologie-Doktorandin Olive Smith, gespielt von "Riverdale"-Star Lili Reinhart (30). Um ihrer besten Freundin zu beweisen, dass sie sich keine Sorgen um ihr Datingleben machen muss, küsst Olive den nächstbesten Mann - und das ist ausgerechnet der wegen seiner schroffen Art an der Universität unbeliebte Dr. Adam Carlsen (Tom Bateman, 37). Überraschenderweise lässt sich dieser aber auf die Scharade ein und täuscht mit Olive eine Beziehung vor. Doch bei einer Liebe zum Schein bleibt es natürlich nicht lange.

Die Gemeinsamkeiten mit "Star Wars" muss man zugegeben erst einmal suchen. Doch schon bevor die Geschichte etliche Überarbeitungen durchlief, hatte Autorin Ali Hazelwood die beiden Lichtschwertkämpfer für ihre Fanfiction an eine irdische Universität verfrachtet - als sogenannte AU-Fanfiction, die in einem alternativen Universum spielt. Die Geschichte war auf der beliebten Fanfiction-Plattform "Archive of our Own" (AO3) veröffentlicht und von einer Literaturagentin entdeckt worden, wie Hazelwood im Interview mit "Collider" verriet. Zusammen mit einer Lektorin überarbeitete sie das Manuskript noch unzählige Male, bis daraus ihr Debüt-Roman entstand.

Von der "Harry Potter"-Fanfiction zum globalen Bestseller

Liebesgeschichten zwischen Rey und Kylo Ren sind auf Fanfiction-Plattformen außerordentlich beliebt. Fans suchen sich gern Figuren aus, zwischen denen sie im Original ein besonderes Knistern wahrgenommen haben, aus dem aber oft nichts wurde. Ebenso beliebt sind etwa auch Hermine Granger und Draco Malfoy aus "Harry Potter". Eine Liebesgeschichte, die ursprünglich von den beiden handelte, könnte in nicht allzu ferner Zukunft sogar ihren Weg ins Kino finden. Die virale Fanfiction "Manacled" von SenLinYu erzählte eine Geschichte in einer düsteren Zaubererwelt, in der Voldemort den Krieg gewonnen hat und Harry Potter tot ist. Im Fokus der Handlung standen Hermine Granger und Draco Malfoy.

Nach einer aufwendigen Überarbeitung, bei der alle Bezüge zu "Harry Potter" verschwanden, erschien die Geschichte im Herbst 2025 in einer neuen Version unter dem Titel "Alchemised" und wurde zum globalen Phänomen. Der rund 1.200 Seiten lange Roman wurde in 21 Sprachen übersetzt und hat weltweit die Bestsellerlisten gestürmt. Aus Hermine und Draco wurden die Alchemistin Helena Marino und der Nekromant Kaine Ferron, die eine gemeinsame Vergangenheit haben. Die Filmrechte hat sich bereits das Studio Legendary gesichert, wie "The Hollywood Reporter" berichtete - angeblich für eine Rekordsumme. Wann Fans mit dem Film rechnen können, ist derzeit aber noch nicht bekannt.

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Auch "Heated Rivalry" hat Fanfiction-Wurzeln

Ähnlich wie Ali Hazelwood hatte sich auch SenLinYu einst an "Star Wars"-Romanzen zwischen Rey und Kylo Ren versucht. "Heated Rivalry"-Autorin Rachel Reid begann ihre Karriere ebenfalls mit Fanfiction - allerdings mit einem ganz anderen Pärchen: Bucky Barnes und Steve Rogers aus den Marvel-Filmen. Natürlich hat es eine solche Liaison im MCU nie gegeben. "Es macht Spaß, Charaktere zu nehmen, die eigentlich keinen Sex haben, und ein bisschen davon einzubauen, weil es in der Ursprungsgeschichte einfach fehlt", sagte die kanadische Autorin im BR-Format "Pop Secret Stories".

Tatsächlich hatte Reid jedoch zunächst mit dem ersten Band ihrer späteren "Game Changers"-Reihe begonnen, auf der die Erfolgsserie "Heated Rivalry" basiert. Weil sie damals glaubte, auf AO3 ausschließlich Fanfiction veröffentlichen zu können, schrieb sie ihr Manuskript kurzerhand entsprechend um. "Ich war total überwältigt von der Resonanz, die die Geschichte dort gefunden hat", erzählt sie auf ihrem Blog. Das gab ihr das nötige Selbstbewusstsein, um es noch einmal mit der originalen Version zu versuchen. Ihre Figuren basieren also nicht auf Marvel-Helden und auch nicht auf realen Spielern, wie sie auf ihrer Webseite betont. Lediglich für die Rivalität zwischen Shane Hollander (Hudson Williams, 25) und Ilya Rozanov (Connor Storrie, 26) aus "Heated Rivalry" sei die "extrem unterhaltsame Rivalität" zwischen den beiden NHL-Superstars Sidney Crosby (39) und Alexander Ovechkin (41) eine Inspirationsquelle gewesen. Ihre Fanfiction-Version ist längst gelöscht.

Reids Geschichte zeigt zugleich, wie fließend die Grenzen zwischen Fanfiction und eigenständigen Romanen inzwischen sein können. Und längst haben einige Geschichten mit Wurzeln in der Fanfiction den Sprung vom Internet auf die Bestsellerlisten und schließlich auf die Leinwand geschafft. 2015 kam etwa "Fifty Shades of Grey" in die Kinos, die Verfilmung eines Romans, der ursprünglich als "Twilight"-Fanfiction entstanden war. Wenige Jahre später folgte die "After"-Reihe von Anna Todd (37), deren Ursprung in einer Fanfiction über One Direction und insbesondere Harry Styles (32) liegt.

Weitere Hazelwood-Verfilmungen in der Mache

Ali Hazelwood fand im Schreiben und Lesen von Fanfiction einst vor allem einen Ausgleich zum Alltag. Inzwischen zählt sie zu den erfolgreichsten internationalen Romance-Autorinnen der Gegenwart. Und "Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe" soll nicht ihre einzige Verfilmung bleiben: Amazon MGM Studios arbeitet bereits an einer Adaption ihres Romans "Love, Theoretically", während bei Netflix ihr Bestseller "Deep End" für den Bildschirm umgesetzt werden soll.