Schauspielerin, Aktivistin, RebellinSusan Sarandon wird 80: Warum sie sich mit Hollywood anlegte

Susan Sarandon engagiert sich seit jeher politisch. Wenige Tage vor ihrem 80. Geburtstag wurde sie bei einem Protest in New York City festgenommen.
Susan Sarandon engagiert sich seit jeher politisch. Wenige Tage vor ihrem 80. Geburtstag wurde sie bei einem Protest in New York City festgenommen.
imago images/Anadolu Agency/Lokman Vural Elibol

Susan Sarandon wird 80. Die Oscarpreisträgerin gehört zu Hollywoods bekanntesten Schauspielerinnen - und zu seinen unbequemsten Stimmen. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich politisch und nimmt dafür auch Ärger in der Traumfabrik in Kauf.

Susan Sarandon ist eine dieser Schauspielerinnen, deren Karriere sich kaum auf ihre bekanntesten Filme reduzieren lässt. Natürlich ist sie die Louise aus "Thelma & Louise", die Janet aus "The Rocky Horror Picture Show" und die Oscarpreisträgerin aus "Dead Man Walking". Doch ebenso prägend für ihre öffentliche Person ist ihre politische Haltung.

Am 4. Oktober 1946 in New York geboren, begann Sarandon ihre Schauspielkarriere Ende der 1960er-Jahre. Der große Durchbruch kam mit "The Rocky Horror Picture Show" (1975), später folgten Filme wie "The Witches of Eastwick" (1987), "Bull Durham" (1988) und "Thelma & Louise" (1991). 1996 wurde sie für ihre Rolle in "Dead Man Walking" mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Gerade dieser Film passte zu einer Schauspielerin, die sich auch abseits der Leinwand mit politischen und gesellschaftlichen Fragen beschäftigte. Sarandon spielte die katholische Ordensfrau Helen Prejean, die sich gegen die Todesstrafe einsetzt. Die Schauspielerin engagierte sich anschließend selbst verstärkt gegen die Todesstrafe und für Menschen, die ihrer Ansicht nach zu Unrecht verurteilt wurden.

Gegen Krieg und soziale Ungleichheit

Ihr politischer Aktivismus ist zentraler Bestandteil ihres öffentlichen Images. Sarandon protestierte gegen den Irakkrieg, setzte sich für soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerrechte ein und unterstützte die Occupy-Wall-Street-Bewegung. Auch in US-Wahlkämpfen hielt sie sich nicht zurück. "Kannst du mit dir selbst leben, wenn du nichts sagst?", beschrieb sie ihre Motivation bereits 2013 in einem Interview mit dem "Guardian".

2016 unterstützte sie zunächst den demokratischen Senator Bernie Sanders bei dessen Präsidentschaftskandidatur. Nach seinem Ausscheiden sprach sie sich für die Green-Party-Kandidatin Jill Stein aus. Sarandon hat damit immer wieder gezeigt, dass sie ihre Bekanntheit nicht unbedingt dazu nutzt, sich in Hollywood möglichst unangreifbar zu machen.

Ihre politischen Positionen brachten ihr entsprechend auch Kritik ein. Besonders deutlich wurde das in den vergangenen Jahren beim Thema Israel und Palästina. Sarandon unterstützt öffentlich die Rechte der Palästinenser und nahm wiederholt an pro-palästinensischen Demonstrationen teil. Nach Beginn des Gaza-Krieges 2023 forderte sie unter anderem einen Waffenstillstand.

Seit Ende 2023 wird sie nicht mehr von der Agentur United Talent Agency vertreten. Sarandon sagte später, ihre politischen Äußerungen hätten dazu geführt, dass sie beruflich Nachteile erleide. Bei den Filmfestspielen von Venedig im September 2026 erklärte sie erneut, dass sie weniger Angebote bekomme und Menschen in der Branche davon abgeraten werde, sie zu engagieren.

Im Februar 2026 erklärte sie bei einer Pressekonferenz in Barcelona nochmal deutlich, weshalb sie sich seit Jahrzehnten politisch einmischt: "Ich habe keine Wahl, was Aktivismus betrifft. Wenn Menschen keine Stimme haben, glaube ich, dass es meine Verantwortung ist, ihnen eine zu geben."

Mit 79 noch auf der Straße

Dass Sarandon trotz möglicher beruflicher Konsequenzen nicht vorhat, sich aus politischen Debatten zurückzuziehen, zeigte sich nur wenige Wochen vor ihrem 80. Geburtstag besonders deutlich. Am 24. September wurde die Schauspielerin in New York bei einem Protest gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu festgenommen, der zu diesem Zeitpunkt vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprach. Sarandon hatte sich einer von Jewish Voice for Peace organisierten Protestaktion angeschlossen.

So endet Sarandons achtes Lebensjahrzehnt ziemlich genau so, wie große Teile ihrer Karriere verlaufen sind: mitten in einer politischen Auseinandersetzung. Am 4. Oktober wird Susan Sarandon 80. Sie kann dann auf einen Oscar, Kultfilme und eine jahrzehntelange Karriere in Hollywood zurückblicken. Doch zu ihrem Vermächtnis gehört ebenso eine Frau, die ihre Bekanntheit immer wieder für politische Anliegen eingesetzt hat - auch dann, wenn das unbequem wurde. Und offenbar denkt sie mit 80 nicht daran, damit aufzuhören.

(ncz/spot)