Gerichtstermin in Kanada„Ich halte das nicht mehr aus“ – Schauspielerin Claire Elyse Brosseau will sterben

Claire Elyse Brosseau
Schauspielerin Claire Elyse Brosseau fordert assistierten Suizid.
The Canadian Press

Seit Monaten verlässt sie kaum noch ihr Zuhause.
Jetzt geht Claire Elyse Brosseau einen drastischen Schritt. Vor Gericht fordert sie ein Recht, das ihr bislang verwehrt bleibt: Die Schauspielerin möchte assistierten Suizid begehen.

Claire Elyse Brosseau: „Ich glaube nicht, dass ich den Tag überstehe“

„Es ist unerträglich.“ Mit diesen Worten beschreibt Claire Elyse Brosseau ihren Alltag. Die Schauspielerin steht am Montag (4. Mai) vor dem Obersten Gerichtshof von Ontario in Kanada – und macht deutlich, wie verzweifelt ihre Lage ist.

Seit Januar habe sie ihre Wohnung kaum noch verlassen. Der Gang zum Gericht ist für sie eine Ausnahme. Eine, die alles verändern soll.

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Jeder Morgen beginne für sie mit Angst. „Wenn ich aufwache, glaube ich nicht, dass ich den Tag überstehen werde“, sagt die 49-Jährige offen. Ihre schweren psychischen Erkrankungen begleiten sie seit Jahrzehnten.

Brosseau leidet unter bipolarer Störung und posttraumatischer Belastungsstörung. Laut ihren Aussagen hätten sich die Symptome über 30 Jahre immer weiter verschärft. Für sie fühle sich das Leben inzwischen wie ein „unerbittliches Leiden“ an.

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Eilantrag für assistierten Suizid

Deshalb geht sie nun einen ungewöhnlichen rechtlichen Schritt. Vor dem Gericht in Ontario reicht Brosseau einen Eilantrag ein. Sie will Zugang zu ärztlich assistiertem Suizid – obwohl ihre Erkrankungen ausschließlich psychischer Natur sind.

Genau das ist aktuell der Knackpunkt. In Kanada ist die sogenannte medizinisch assistierte Sterbehilfe bislang nur für Menschen mit schweren körperlichen Erkrankungen vorgesehen.

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Kampf gegen geltendes Gesetz

Schon im August 2024 hatte Brosseau gemeinsam mit der Organisation „Dying with Dignity“ eine Verfassungsklage eingereicht. Ihr Argument: Der Ausschluss von Menschen mit rein psychischen Erkrankungen verstoße gegen grundlegende Rechte und Freiheiten.

Jetzt geht sie noch einen Schritt weiter. Sie fordert eine individuelle Ausnahmegenehmigung, die ihr Zugang zur Sterbehilfe ermöglichen würde.

„Eine außergewöhnliche Situation“

Ihr Anwalt Michael Fenrick betont die Dringlichkeit des Falls. „Das ist ein außergewöhnliches Rechtsmittel, aber Claires Situation ist ebenfalls außergewöhnlich“, erklärt er vor dem Gerichtsgebäude in Toronto.

Er hofft, dass das Gericht noch vor dem Sommer über den Antrag entscheidet. Doch wie schnell es wirklich geht, ist offen.

Klar ist nur: Die kanadische Regierung hat eine geplante Ausweitung der Regelung zuletzt verschoben. Für Claire Elyse Brosseau bedeutet das vor allem eins – weiter warten.

Hier findest du Hilfe in schwierigen Situationen

Solltest du selbst von Depressionen oder Suizidgedanken betroffen sein, suche dir bitte umgehend Hilfe. Versuche, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über deine Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn du schnell Hilfe brauchst, dann findest du unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 1110111 oder 0800 1110222 Menschen, die dir Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Verwendete Quellen: CTV News