Das Wichtigste in Kürze
- Ein Provisorium kostet je nach Bauart zwischen etwa 50 Euro für eine einzelne Krone und 1.500 Euro für eine Langzeitlösung.
- Für die einfache Standardausführung zahlt die gesetzliche Kasse einen festen Zuschuss von 60 Prozent.
- Mit lückenlosem Bonusheft steigt der Kassenzuschuss auf 70 Prozent nach fünf und 75 Prozent nach zehn Jahren.
- Ein Langzeitprovisorium, das die Einheilung eines Implantats überbrückt, ist keine Kassenleistung und geht komplett auf Ihre Rechnung.
- Lassen Sie sich das Provisorium als eigene Zeile auf dem Heil- und Kostenplan ausweisen, bevor Sie unterschreiben.
Kurzzeitprovisorium und Langzeitprovisorium: der Unterschied entscheidet über die Rechnung
Ein Kurzzeitprovisorium überbrückt wenige Tage bis höchstens etwa vier Wochen, ein Langzeitprovisorium bleibt mehrere Monate im Mund. In der Rechnung liegt zwischen beiden ein Vielfaches, und die Kasse behandelt sie völlig unterschiedlich.
| Versorgung | Kosten |
|---|---|
| Provisorische Krone | ca. 50 Euro |
| Provisorische Prothese | ca. 150 bis 300 Euro |
| Provisorische Brücke | ca. 300 bis 500 Euro |
| Langzeitprovisorium zur Implantateinheilung | ca. 1.000 bis 1.500 Euro |
| Langzeitprovisorium als Klebebrücke | ab ca. 1.500 Euro |
Ein Provisorium ist vorübergehender Zahnersatz, der einen beschliffenen Zahn oder eine Lücke abdeckt, bis die endgültige Versorgung sitzt. Die kurze Variante muss nur überstehen, bis die Krone aus dem Labor kommt: Sie schützt den Zahnstumpf, hält die Lücke offen und verschwindet nach wenigen Wochen wieder.
Ein Langzeitprovisorium trägt dagegen über Monate die volle Kaulast und muss dabei aussehen wie ein Zahn. Das erklärt den Sprung in der Tabelle, und es erklärt, warum die Frage an Ihre Praxis sich lohnt, in welche der beiden Kategorien Ihre Versorgung fällt. Auf dem Kostenplan steht das nicht immer deutlich.
Was zahlt die Kasse beim Provisorium?
Die gesetzliche Kasse zahlt einen befundorientierten Festzuschuss in Höhe von 60 Prozent der Beträge, die für die Regelversorgung des jeweiligen Befundes festgesetzt sind. Dieser Zuschuss gilt für die einfache Standardausführung, nicht für jede Lösung, die Ihnen angeboten wird.
Wer sein Bonusheft lückenlos geführt hat, bekommt mehr. Die Steigerung ist fest geregelt und hängt allein an den nachgewiesenen Jahren:
| Nachweis im Bonusheft | Festzuschuss |
|---|---|
| kein lückenloser Nachweis | 60 Prozent |
| 5 Jahre ohne Lücke | 70 Prozent |
| 10 Jahre ohne Lücke | 75 Prozent |
Was diese Prozentwerte in Euro bedeuten, zeigt ein Beispiel der Verbraucherzentrale für eine Regelversorgung beim Zahnersatz: Bei Kosten von 921,60 Euro zahlt die Kasse 552,96 Euro ohne Bonusheft und 691,20 Euro bei maximalem Bonus. Zehn Jahre lückenlose Vorsorge bringen in diesem Beispiel also 138,24 Euro mehr.
Was “lückenlos” im Bonusheft tatsächlich verlangt
Als lückenlos gilt Ihr Bonusheft, wenn Sie wenigstens einmal in jedem Kalenderjahr zur Untersuchung beim Zahnarzt waren. Für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren sind es zwei Termine pro Jahr.
Fünf Jahre dieser Nachweise heben den Zuschuss auf 70 Prozent, zehn Jahre auf 75 Prozent. Fehlt für den großen Bonus ein einziges Jahr, kann die Kasse es Ihnen einmalig nachsehen, wenn Sie ihr dafür eine ausreichende Begründung liefern. Dabei spielt es keine Rolle, welches der zehn Jahre die Lücke trifft. Versäumte Termine aus dem Jahr 2020 sind wegen der damaligen Kontaktbeschränkungen für beide Bonusstufen unschädlich.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Jahre zählen, legen Sie das Heft bei der Einreichung des Kostenplans einfach bei und lassen Sie die Kasse prüfen. Das ist der einzige Weg, es vor der Behandlung zu klären, und danach ist es zu spät.

So rechnen Sie Ihren Eigenanteil selbst aus
Der Festzuschuss ist immer Ihr Prozentsatz vom festgesetzten Betrag für die Regelversorgung Ihres Befundes. Was Sie selbst tragen, ist die Rechnung der Praxis minus diesem Festzuschuss.
Diese beiden Zeilen stehen auf Ihrem Heil- und Kostenplan direkt untereinander. Nehmen Sie den Plan, suchen Sie den Regelversorgungsbetrag, multiplizieren Sie ihn mit 0,6, 0,7 oder 0,75 je nach Bonusheft, und ziehen Sie das Ergebnis von der Gesamtsumme ab. Was übrig bleibt, ist Ihr Eigenanteil, und diese Zahl können Sie mit dem Plan einer zweiten Praxis vergleichen.
Härtefallregelung: 100 Prozent bei geringem Einkommen
Härtefallpatienten bekommen einen Zuschuss von 100 Prozent und zahlen auf die Regelversorgung keinen Eigenanteil. Ob Sie darunterfallen, hängt an Ihrem Einkommen, und die Prüfung macht Ihre Krankenkasse, nicht die Zahnarztpraxis.
Fragen Sie danach, bevor Sie den Kostenplan unterschreiben. Die 100 Prozent gelten allerdings nur für die Regelversorgung: Ein implantatgetragenes Langzeitprovisorium bleibt auch im Härtefall Ihre Privatrechnung.
Was passiert, wenn Sie sich für die teurere Lösung entscheiden
Der Festzuschuss ist ein fester Prozentsatz der durchschnittlichen Kosten der Regelversorgung, nicht Ihrer tatsächlichen Rechnung. Der Betrag bleibt also gleich, egal wofür Sie sich entscheiden.
Für Sie heißt das: Jeder Aufpreis für bessere Materialien oder eine aufwendigere Konstruktion landet zu 100 Prozent bei Ihnen. Die Kasse steigt nicht mit. Das ist kein Argument gegen die bessere Versorgung, es ist nur der Grund, warum Sie den Aufpreis getrennt betrachten und getrennt entscheiden sollten.
Rechenbeispiel: Langzeitprovisorium während der Implantateinheilung
Wer im Oberkiefer ein Implantat einheilen lässt, trägt das Provisorium etwa sechs Monate und zahlt dafür 1.000 bis 1.500 Euro. Im Unterkiefer dauert die Einheilung ungefähr drei Monate, teurer oder billiger wird die Übergangsversorgung dadurch nicht.
Von der Kasse kommt dafür nichts. Die Festzuschuss-Richtlinie legt fest, für welche Befunde und welche Regelversorgung überhaupt ein Zuschuss vorgesehen ist, und ein implantatgetragenes Langzeitprovisorium gehört nicht dazu. Die vollen 1.500 Euro stehen auf Ihrer Privatrechnung.
Bezahlen würden wir diesen Betrag trotzdem, wenn die Lücke im sichtbaren Bereich liegt oder das Provisorium monatelang voll mitkauen muss. Eine Versorgung, die ständig nachgebessert werden muss, kostet Termine und Nerven, und zwar genau an der Stelle, an der ein Implantat einheilt. Sitzt die Lücke dagegen weit hinten und ist die Einheilung kurz, reicht die schlichtere Variante, und die Differenz gehört in die Endversorgung.
Hier entscheidet sich auch, ob sich eine Zahnzusatzversicherung gelohnt hat. Erstattet ein Tarif Zahnbehandlungen zu 80 Prozent, bleiben von 1.500 Euro noch 300 Euro bei Ihnen. Achten Sie dabei auf die Erstattungsgrenzen der ersten Vertragsjahre: Wer den Vertrag gerade erst geschlossen hat, bekommt selten schon die volle Summe.
Wie lange darf ein Provisorium im Mund bleiben?
Ein Kurzzeitprovisorium ist für wenige Tage bis höchstens etwa vier Wochen ausgelegt, ein Langzeitprovisorium für mehrere Monate. Diese Angaben sind keine Empfehlungen, sondern die Zeiträume, für die die jeweilige Versorgung konstruiert wurde.
In der Praxis wird daraus oft mehr, weil das Labor länger braucht, weil die Kasse den Plan noch prüft oder weil ein Termin verschoben wurde. Melden Sie sich in dem Moment aktiv, statt abzuwarten. Ob ein Provisorium erneuert oder neu befestigt werden muss, entscheidet niemand am Telefon, aber ein Kontrollblick kostet Sie nichts.
Provisorium hat sich gelöst: was jetzt zu tun ist
Löst sich die Versorgung zwischendurch, heben Sie das Teil auf und rufen Sie am selben Tag in der Praxis an. Selbst wieder festkleben sollten Sie nichts: Der beschliffene Zahn darunter ist empfindlich, und ob die Versorgung anschließend korrekt sitzt, können Sie von außen nicht beurteilen.
Welche Zahnzusatzversicherung zahlt das Provisorium?
Wir haben vier Anbieter herausgesucht, deren Bedingungen für diese Situation etwas hergeben, geordnet nach der Stärke des Belegs. Die DFV steht vorn, weil sie als Einzige in diesem Vergleich Provisorien wörtlich in ihren Leistungen nennt. HanseMerkur ist interessant, wenn Sie schnell Schutz brauchen, DA Direkt, wenn Sie Behandlung und Zahnersatz in einem Tarif abbilden wollen, und die ARAG, wenn der Schutz sofort greifen soll.
DFV: nennt Provisorien wörtlich in den Bedingungen
Die DFV führt “Eingliederungen von Provisorien, Aufbissbehelfen und Schienen” ausdrücklich unter Zahnbehandlungen auf. Das ist der sauberste Beleg, den wir für dieses Thema gefunden haben, und er nimmt Ihnen die Diskussion darüber ab, ob ein Provisorium überhaupt eine erstattungsfähige Leistung ist.
Erstattet wird zum Satz der jeweiligen Stufe: Basis 50 Prozent, Komfort 70, Premium 80 und Exklusiv 100 Prozent. Eine Wartezeit verlangt die DFV nicht, in den ersten 48 Monaten ist die Erstattung allerdings der Höhe nach gedeckelt. Ab dem 49. Monat fällt diese Grenze weg.
HanseMerkur: die Frage ist, wann der Schutz greift
Bei der HanseMerkur entscheidet sich die Tarifwahl an der Wartezeit. Zahnvorsorge Top (EZP2) und Top Plus (EZP3) beginnen mit sechs Monaten Wartezeit auf Zahnbehandlungen, Sie können in dieser Zeit also noch nichts abrechnen.
Zahnzusatz Komfort (EZK) und Luxus (EZL) verzichten auf die Wartezeit und begrenzen dafür die Erstattung in den ersten Jahren. Im ersten Jahr sind es 600 Euro beim Komfort und 1.000 Euro beim Luxus, ab dem fünften Jahr zahlen beide unbegrenzt. Für eine provisorische Prothese oder Brücke reicht dieser Rahmen schon im ersten Jahr, für ein Langzeitprovisorium eher nicht.
DA Direkt: Behandlung und Zahnersatz in einem Vertrag
DA Direkt ist der Kandidat für alle, die Behandlung und Zahnersatz nicht in zwei Verträge aufteilen wollen. Ein Provisorium kommt nie allein: Es steht am Anfang einer Krone, einer Brücke oder eines Implantats, und die Endversorgung ist der teure Teil.
Prüfen Sie bei DA Direkt deshalb gezielt zwei Zeilen: unter welcher Rubrik das Provisorium abgerechnet wird, Zahnbehandlung oder Zahnersatz, und wie hoch die Erstattung auf der jeweils anderen Zeile ausfällt. Bei einem Langzeitprovisorium mit anschließendem Implantat geht es um vierstellige Beträge auf beiden Seiten.
ARAG: vier Stufen, kein Warten auf den Versicherungsschutz
Die ARAG bietet vier Tarifstufen an und wirbt bei allen mit dem Verzicht auf eine Wartezeit. Wenn Sie ohnehin abschließen wollten und der nächste Zahnarzttermin näher rückt, ist ein Tarif, der die Wartezeit streicht, der praktischere Einstieg.
Klären Sie dabei vor der Unterschrift, wie der Anbieter mit Behandlungen umgeht, die Ihnen bereits angeraten wurden. An dieser Frage scheitern Erstattungen häufiger als an der Höhe des Prozentsatzes.
Was auf dem Heil- und Kostenplan stehen muss
Der Heil- und Kostenplan ist das Dokument, mit dem Sie noch verhandeln können. Sobald er genehmigt und die Behandlung begonnen ist, ist die Kostenfrage entschieden. Diese Punkte gehen Sie vorher durch:
- Steht das Provisorium als eigene Position auf dem Plan, oder verschwindet es in einer Sammelsumme? Nur eine eigene Zeile können Sie prüfen und einreichen.
- Wurde der Plan bei Ihrer Kasse eingereicht? Den Zuschuss gibt es erst nach vorheriger Genehmigung, nicht rückwirkend.
- Liegt Ihr Bonusheft bei? Fünf oder zehn lückenlose Jahre sind bares Geld und werden nicht automatisch berücksichtigt.
- Bei einem Langzeitprovisorium über 1.000 Euro: Holen Sie einen zweiten Kostenvoranschlag ein. Die Spanne zwischen zwei Praxen ist bei dieser Versorgung groß genug, dass sich der Aufwand lohnt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Welche Übergangsversorgung zu Ihrem geplanten Zahnersatz passt, wie lange sie im Mund bleiben darf und welche Summe am Ende auf dem verbindlichen Heil- und Kostenplan steht, entscheidet Ihre Zahnarztpraxis im Einzelfall.
Häufige Fragen zum Provisorium
Was kostet ein Provisorium?
Ein Provisorium kostet zwischen etwa 50 Euro für eine provisorische Krone und 1.500 Euro für ein Langzeitprovisorium, das ein einheilendes Implantat überbrückt. Dazwischen liegen die provisorische Prothese mit etwa 150 bis 300 Euro und die provisorische Brücke mit etwa 300 bis 500 Euro. Für die einfache Standardausführung zahlt die Kasse einen Festzuschuss von 60 Prozent der Regelversorgung, für ein implantatgetragenes Langzeitprovisorium nichts.
Wie lange darf man ein Provisorium tragen?
Ein Kurzzeitprovisorium ist für wenige Tage bis höchstens etwa vier Wochen gedacht, ein Langzeitprovisorium für mehrere Monate. Überbrückt es die Einheilung eines Implantats, sind das im Oberkiefer rund sechs Monate und im Unterkiefer rund drei Monate. Verzögert sich die endgültige Versorgung darüber hinaus, sollten Sie in der Praxis anrufen statt weiterzuwarten.
Was darf man mit einem Provisorium nicht essen?
Ein Provisorium ist nur provisorisch befestigt, und daran richtet sich die Vorsicht aus. Klebriges wie Kaugummi oder Karamell kann die Versorgung lösen, harte Krusten und Nüsse können sie beschädigen. Kauen Sie in den ersten Tagen bevorzugt auf der anderen Seite und lassen Sie sich in der Praxis sagen, was für Ihre konkrete Versorgung gilt.
Wie schnell bekommt man ein Provisorium?
In aller Regel im selben Termin. Ein Kurzzeitprovisorium ist dafür konstruiert, die Zeit bis zur endgültigen Versorgung zu überbrücken, und diese Zeitrechnung beginnt unmittelbar nach dem Beschleifen des Zahns. Fragen Sie im Termin nach, ob die Praxis es selbst herstellt oder ob das Labor liefert, denn davon hängt ab, wie lange Sie warten.
