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Fissurenversiegelung: Kosten, Nutzen und wann die Kasse zahlt

Zwei Zähne im selben Mund, zwei verschiedene Rechnungen: Während die großen Backenzähne über die Versichertenkarte laufen, zahlen Sie für Prämolaren und Frontzähne privat. Ab dem 18. Geburtstag zahlt keine Kasse mehr mit.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Zwischen 6 und 17 Jahren zahlt die gesetzliche Kasse die Fissurenversiegelung der bleibenden großen Backenzähne vollständig.
  • Für jeden anderen Zahn rechnet die Praxis privat ab, üblicherweise 11,64 bis 17,72 Euro pro Zahn.
  • Erwachsene bekommen die Versiegelung nie als Kassenleistung, auch nicht auf den Backenzähnen.
  • Keine Zahnzusatzversicherung führt die Fissurenversiegelung als eigene Position, sie zählt zur allgemeinen Zahnbehandlung.
  • Für ein Kind lohnt sich eine Police wegen Füllungen, Wurzelbehandlung und Zahnspange, nicht wegen der Versiegelung allein.

Welche Zähne zahlt die Kasse, und bis zu welchem Alter?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Fissurenversiegelung bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren, und zwar an den bleibenden großen Backenzähnen, im Zahnschema die Zähne 6 und 7. Bricht der Sechsjahrmolar früher durch, zahlt die Kasse ihn auch vor dem sechsten Geburtstag.

Bei der Fissurenversiegelung verschließt der Zahnarzt die feinen Rillen der Kaufläche mit einem aushärtenden Kunststoff, solange sie noch kariesfrei sind. Abgerechnet wird das als Teil der Individualprophylaxe, im Kassendeutsch die IP-Leistungen. Das ist das Vorsorgepaket, das die Kasse für Kinder und Jugendliche ohnehin trägt, und die Versiegelung ist darin der einzige Posten, der am Zahn etwas verändert. Alles, was außerhalb der Kombination aus Alter und Zahn liegt, ist Privatleistung.

WerWelche ZähneWer zahlt
Kind unter 6 Jahrendie bereits durchgebrochenen SechsjahrmolarenKasse
Kind oder Jugendlicher, 6 bis 17 Jahrebleibende große Backenzähne (Zähne 6 und 7)Kasse
Kind oder Jugendlicher, 6 bis 17 JahrePrämolaren, Frontzähne, Milchzähneprivat
Ab dem 18. Geburtstagalle Zähneprivat

In der Praxis führt das zu gemischten Rechnungen. Die großen Backenzähne laufen über die Versichertenkarte, die Prämolaren stehen auf einem Privatbeleg daneben. Fragen Sie deshalb schon beim Termin nach, welche Zähne Ihr Zahnarzt versiegeln will und welche davon auf der Kassenliste stehen.

Manche Kassen zahlen mehr als das gesetzliche Minimum

Einzelne Krankenkassen versiegeln über die Zähne 6 und 7 hinaus. Die IKK classic zahlt bis zu 50 Euro für die Versiegelung der vorderen Backenzähne bei Kindern von 6 bis 13 Jahren und noch einmal bis zu 50 Euro für Glattflächenversiegelungen bei 9- bis 17-Jährigen.

Das sind Satzungsleistungen, also freiwillige Extras der einzelnen Kasse, und sie stehen nirgendwo im Behandlungsplan. Rufen Sie Ihre Kasse an, bevor Sie einen Privatbeleg bezahlen, und fragen Sie wörtlich nach einem Zuschuss zur Versiegelung der Prämolaren. Wechseln würden wir für 50 Euro nicht, abholen sollten Sie das Geld aber, wenn Ihre Kasse es anbietet.

Was kostet eine Fissurenversiegelung privat?

Privat kostet die Versiegelung 11,64 Euro pro Zahn zum 2,3-fachen Regelsatz und 17,72 Euro pro Zahn zum 3,5-fachen Höchstsatz. Abgerechnet wird sie über die GOZ-Nummer 2000, die mit 90 Punkten bewertet ist. Aus Punktzahl, dem festen Punktwert von 0,0562421 Euro und dem Faktor, den die Praxis ansetzt, ergibt sich der Betrag je Zahn.

PositionPunkteFaktorBetrag je Zahn
GOZ 2000, Versiegelung je Zahn902,3-fach (Regelsatz)11,64 Euro
GOZ 2000, Versiegelung je Zahn903,5-fach (Höchstsatz)17,72 Euro

Das Versiegelungsmaterial und das Trockenlegen des Zahns stecken in dieser Gebühr drin. Eine zusätzliche Materialposition gehört nicht auf die Rechnung, und wenn doch eine auftaucht, fragen Sie nach.

Ein zweites Mal darf die Nummer 2000 auf demselben Zahn nur stehen, wenn neben der Fissur auch eine Glattfläche versiegelt wurde, etwa rund um ein Bracket. Zwei Positionen für einen Zahn sind also nicht automatisch falsch, sie brauchen aber diesen Grund.

Rechenbeispiel: ein kompletter Satz Prämolaren

Wer nach dem 18. Geburtstag alle acht Prämolaren versiegeln lässt, also die Zähne 4 und 5 in allen vier Quadranten, zahlt 93,12 Euro zum Regelsatz. Acht mal 11,64 Euro, vollständig auf eigene Rechnung.

Setzt die Praxis den Höchstsatz an, werden daraus 141,76 Euro. Über dem 2,3-fachen Satz muss Ihr Zahnarzt die Steigerung schriftlich auf der Rechnung begründen, etwa mit einem besonders schwierigen Zahn. Sie dürfen diese Begründung lesen und Sie dürfen sie hinterfragen.

Für die Versicherungsfrage ist die Sache damit entschieden. Von den 141,76 Euro blieben bei einem Tarif, der Zahnbehandlungen zu 80 Prozent erstattet, noch 28,35 Euro bei Ihnen. Dafür schließt niemand eine Police ab, und wir würden es Ihnen auch nicht empfehlen. Teuer wird es auf den anderen Rechnungen eines Kindergebisses: Füllungen, Wurzelbehandlungen und vor allem die kieferorthopädische Behandlung.

Ist die Fissurenversiegelung sinnvoll?

Bei Kindern ja, bei kariesfreien Erwachsenen meistens nicht. Die Rillen auf der Kaufläche eines Backenzahns sind an ihrer engsten Stelle schmaler als 0,05 Millimeter und bis zu 2 Millimeter tief. Keine Borste kommt da hinein, Bakterien schon, und Fissurenkaries ist im Kindesalter die häufigste Kariesform überhaupt.

Deshalb halten wir die Versiegelung bei einem Kind für eine der wenigen Zahnarztleistungen, über die man kaum diskutieren muss. Der Zahn ist frisch durchgebrochen, die Fissur ist noch sauber, und die Behandlung tut nicht weh.

Bei Erwachsenen ist die Rechnung eine andere. Die Zahnärztekammer Hamburg weist darauf hin, dass das Kariesrisiko mit dem Alter eher sinkt und wer kariesfreie, gut zu reinigende Kauflächen hat, auf eine Versiegelung verzichten kann. Interessant bleibt sie vor allem für jüngere Erwachsene mit stark zerklüfteten Zahnoberflächen. Bei einem Erwachsenen ohne einen einzigen Kariesbefund würden wir das Geld sparen.

Zahlt eine Zahnzusatzversicherung die Fissurenversiegelung?

Ja, aber nicht als benannte Leistung. Kein Tarif führt die Fissurenversiegelung in seiner Leistungsübersicht auf. Sie fällt unter den Sammelposten Zahnbehandlung und wird zu dem Prozentsatz erstattet, den der Tarif dort angibt.

Für Sie heißt das: Suchen Sie in der Leistungsübersicht nicht nach dem Wort Versiegelung, sondern nach der Zeile Zahnbehandlung und der Prozentzahl dahinter. Diese eine Zahl entscheidet, was von der Privatrechnung zurückkommt, und sie entscheidet genauso über Füllungen und Wurzelbehandlungen.

Schauen Sie gleich mit an, ob der Tarif in den ersten Vertragsjahren eine Erstattungsgrenze setzt und was er für Kieferorthopädie leistet. Das ist der Posten, der bei einem Kind wirklich ins Geld geht.

Welche Tarife für Kinderzähne infrage kommen

Wir haben drei Anbieter ausgewählt, deren Zahnbehandlungslinie breit genug ist, dass eine Versiegelung dort mitläuft. Geordnet sind sie danach, wie konkret der Anbieter seine Erstattung beziffert. Die DFV steht vorn, weil sie für jede Tarifstufe einen festen Prozentsatz nennt. MAXCARE folgt, wenn im ersten Vertragsjahr schon mehrere Behandlungen anstehen, und DA Direkt, wenn Sie eine Zahnzusatzversicherung für Ihr Kind und nicht für eine einzelne Behandlung suchen.

DFV: vier Stufen mit klar benanntem Erstattungssatz

Bei der DFV wissen Sie vor dem Abschluss, welcher Anteil einer Privatrechnung bei Ihnen bleibt. Zahnbehandlungen erstattet der Tarif Basis zu 50 Prozent, Komfort zu 70, Premium zu 80 und Exklusiv zu 100 Prozent. Eine Versiegelung außerhalb des Kassenfensters wird über genau diese Zeile abgerechnet.

Eine Wartezeit gibt es nicht, Sie können also nach einem Zahnarztbesuch abschließen und den nächsten Termin bereits versichert wahrnehmen. In den ersten 48 Monaten ist die Erstattung allerdings der Höhe nach begrenzt, erst ab dem 49. Monat greift der Tarif ohne diese Staffel.

50, 70, 80 oder 100 Prozent: Ihre Wahl
Die Versiegelung läuft über die Zahnbehandlungslinie. Welcher Anteil der Privatrechnung bei Ihnen bleibt, steht bei der DFV vor dem Abschluss fest.

MAXCARE: wenn im ersten Jahr mehr ansteht als eine Versiegelung

MAXCARE deckelt die Erstattung in den ersten Vertragsjahren und hebt den Deckel dann Jahr für Jahr an. Für ein Kind, bei dem gerade mehrere Zähne gleichzeitig behandelt werden, ist das die Zahl, auf die es ankommt.

TarifErstattung im 1. Jahr bisAb dem 4. Jahr bis
Komfort900 Euro3.600 Euro
Premium1.000 Euro4.000 Euro
Exklusiv1.500 Euro6.000 Euro

Eine Wartezeit verlangt MAXCARE nicht. Wurzelbehandlungen erstattet der Anbieter in allen drei Stufen zu 100 Prozent, was zeigt, wie breit die Zahnbehandlungslinie hier angelegt ist.

Was im ersten Vertragsjahr wirklich zurückkommt
900 bis 1.500 Euro Erstattung im ersten Jahr, bis zu 6.000 Euro ab dem vierten. Für Kinder mit mehreren Baustellen im Gebiss ist das die relevante Grenze.

DA Direkt: wenn die Police das ganze Kindergebiss tragen soll

Für eine einzelne Versiegelung lohnt kein Vertrag, für die zehn Jahre danach schon. Der größte Posten in dieser Zeitspanne ist die Zahnspange, und die kommt meist erst Jahre nach dem Abschluss.

DA Direkt ist deshalb der Kandidat für Eltern, die vorsorglich abschließen und nicht wegen eines konkreten Befundes suchen. Beurteilen Sie den Tarif danach, was er leistet, wenn Ihr Kind zwölf ist, nicht danach, was er heute für einen Beleg über 11,64 Euro tut.

Der Beleg heute ist nicht das Problem
Teuer wird das Kindergebiss bei Füllungen, Wurzelbehandlung und Spange. Genau dafür wird eine Police abgeschlossen, nicht für die Versiegelung.

Was Sie vor dem Termin klären sollten

Klären Sie vor dem Termin, welche Zähne auf welcher Rechnung landen. Die Versiegelung selbst dauert wenige Minuten, die teuren Missverständnisse entstehen im Gespräch davor:

  • Lassen Sie sich die beiden Listen getrennt nennen, die Kassenzähne und die privaten. Bei einem Kind zwischen 6 und 17 gibt es fast immer beide.
  • Bitten Sie für die privaten Zähne um einen schriftlichen Kostenvoranschlag mit dem Faktor, nicht nur um eine Summe.
  • Fragen Sie nach, ob die Fissur wirklich noch kariesfrei ist. Versiegelt wird nur ein gesunder Zahn, alles andere ist eine andere Behandlung.
  • Heben Sie die Rechnung auf, wenn eine Zahnzusatzversicherung besteht. Erstattet wird gegen Beleg, und der Beleg kommt in der Praxis nur einmal.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Ob eine Fissur überhaupt versiegelt werden soll, ob sie dafür noch kariesfrei genug ist und was der konkrete Kostenvoranschlag am Ende ergibt, entscheidet allein die behandelnde Praxis am Zahn Ihres Kindes.

Häufige Fragen zur Fissurenversiegelung

Was kostet eine Fissurenversiegelung?

Privat abgerechnet kostet eine Fissurenversiegelung 11,64 bis 17,72 Euro pro Zahn, je nachdem ob die Praxis den 2,3-fachen Regelsatz oder den 3,5-fachen Höchstsatz der Gebührenordnung ansetzt. Für die bleibenden großen Backenzähne von Kindern zwischen 6 und 17 Jahren zahlen Sie nichts, diese Zähne übernimmt die gesetzliche Kasse.

Zahlt die Kasse die Versiegelung auch bei Erwachsenen?

Nein. Ab dem 18. Geburtstag ist die Fissurenversiegelung an jedem Zahn eine Privatleistung und kostet 11,64 bis 17,72 Euro pro Zahn. Sinnvoll ist sie im Erwachsenengebiss vor allem bei jüngeren Patienten mit stark zerklüfteten Kauflächen, während ein kariesfreies Gebiss mit gut zu reinigenden Oberflächen meist ohne auskommt.

Wie lange hält eine Fissurenversiegelung?

Eine Versiegelung ist kein Dauerzustand. Sie liegt auf der Kaufläche und nutzt sich dort ab, wo am meisten gekaut wird, und sie lässt sich nachbessern. Lassen Sie den Zustand bei den ohnehin fälligen Kontrollterminen mitprüfen und fragen Sie gezielt, ob an einem der versiegelten Zähne nachgearbeitet werden muss.

Was macht der Zahnarzt, wenn in der Fissur schon Karies steckt?

Dann wird nicht versiegelt. Die Gebührenposition für die Versiegelung gilt ausdrücklich für kariesfreie Fissuren, ein bereits kariöser Zahn wird stattdessen aufgebohrt und mit einer Füllung versorgt. Das ist eine andere Behandlung mit einer anderen Rechnung, und sie fällt in der Zahnzusatzversicherung ebenfalls unter die Zeile Zahnbehandlung.