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Joghurt-Diät: Der ehrliche Blick auf Plan, Wirkung und Grenzen

Eine angebliche Bremer Studie soll die Joghurt-Diät belegen, lässt sich aber nirgends nachweisen. Was von dem Versprechen übrig bleibt, zeigt diese ehrliche Einordnung.

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Zehn Kilo in zwei Wochen, nur mit Joghurt zum Frühstück und Abendessen: Diese Zahl steht in fast jedem Beitrag zur Joghurt-Diät, meist ohne Quelle und ohne einen Plan dahinter. Wer online nach einem festen Ablauf mit Tagen und Mengen sucht, findet widersprüchliche Versionen desselben Prinzips. Nachprüfbar bleiben am Ende zwei Dinge: ein Milchprodukt mit einem brauchbaren Eiweißprofil und eine Rechnung, die den zehn Kilo widerspricht.

Die Joghurt-Diät in der Praxis: was die kursierenden Pläne wirklich vorschreiben

Anders als die Haferflocken-Diät mit ihrem festen Grammplan ist die Joghurt-Diät kein dokumentiertes, klinisch geprüftes Verfahren mit festgelegten Tagen und Mengen. Der Name bezeichnet ein Bündel nahezu identischer Online-Varianten, die alle demselben Prinzip folgen: Ein bis zwei Hauptmahlzeiten am Tag werden durch eine Kombination aus Natur- oder griechischem Joghurt mit Gemüse, Eiern, Hülsenfrüchten, Beeren oder Nüssen ersetzt. Das Kaloriendefizit soll über den Mahlzeitenersatz entstehen, ohne dass gezählt wird. Auf die genaue Menge, die Anzahl der Tage oder einen verbindlichen Speiseplan einigen sich die Anleitungen nie. Übereinstimmend sind nur die groben Züge: eiweißbetont, auf Milchprodukten aufgebaut, kurzfristig angelegt. Das ist der erste belastbare Befund zur Joghurt-Diät. Gesucht wird hier nach etwas, das in dieser Form nicht existiert.

Ein Beispieltag, wie er in ähnlicher Form in vielen Varianten auftaucht, sieht so aus: morgens 200 Gramm Naturjoghurt mit 3,5 Prozent Fett und 100 Gramm Beeren, rund 170 Kilokalorien; mittags 250 Gramm Magerquark mit 200 Gramm gedünstetem Gemüse, rund 230 Kilokalorien; abends eine normale, ausgewogene Mahlzeit mit 600 bis 700 Kilokalorien. Der Tag landet damit bei etwa 1.000 bis 1.100 Kilokalorien, für die meisten Erwachsenen ein sehr großes Defizit. Diese Struktur illustriert nur, was die Anleitungen beschreiben; belegt ist sie nicht, und keine der Quellen, die sie verbreiten, liefert dazu eine Studie.

Auch bei der Dauer gibt es keinen gemeinsamen Nenner. Manche Varianten sehen einen kompletten Tag nur mit Joghurt vor, andere ersetzen über ein bis zwei Wochen hinweg lediglich eine Mahlzeit täglich. Diese Beliebigkeit macht die Joghurt-Diät streng genommen zu einem Sammelbegriff für jede Ernährungsform, die Joghurt in den Mittelpunkt stellt.

Joghurt, Skyr, Magerquark und Ayran im Nährwertvergleich

Milchprodukte gelten pauschal als kalorienarm, was auf einige zutrifft und auf andere nicht. Die folgende Übersicht zeigt Kalorien, Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate pro 100 Gramm. Die Werte für Naturjoghurt, Quark und Magerquark folgen dem Bundeslebensmittelschlüssel des Max Rubner-Instituts, die Angaben für Skyr und Ayran den handelsüblichen Etiketten, weil beide Produkte dort keine klassischen Einträge haben.

ProduktkcalEiweißFettKohlenhydrate
Naturjoghurt, 3,5 % Fett694 g4 g4 g
Magerquark, unter 10 % Fett i. Tr.7313 gSpuren3 g
Quark, 40 % Fett i. Tr.15911 g11 g3 g
Skyr6411 g0,2 g4 g
Ayran352 g2 g2 g

Die 4 Gramm Kohlenhydrate im Naturjoghurt und im Skyr stammen fast vollständig aus Milchzucker. Fruchtjoghurt und aromatisierte Varianten liegen dagegen oft bei 12 bis 15 Gramm pro 100 Gramm, weil ihnen Zucker oder Fruchtzubereitungen zugesetzt werden; sie gehören für eine Diät in eine eigene Kategorie. Beim Eiweiß fällt der Abstand am deutlichsten aus: Magerquark liefert mit 13 Gramm mehr als das Dreifache des Naturjoghurts, Skyr mit 11 Gramm knapp das Dreifache, beide bei ähnlicher oder niedrigerer Kalorienzahl.

Bei griechischem Joghurt entscheidet das Etikett. Die industrielle Variante, meist als Joghurt griechischer Art verkauft, enthält rund 10 Prozent Fett, wird durch zugesetzte Sahne cremig und liefert pro Portion deutlich weniger Eiweiß. Der echte, abgeseihte griechische Joghurt kommt mit rund 0,2 Prozent Fett und etwa 10 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm aus. Zwischen beiden liegt bei einer 200-Gramm-Portion mehr als das Doppelte an Kalorien.

Für eine Ersatzmahlzeit zählt vor allem, wie viel Sättigung ein Produkt pro Kalorie liefert. 200 Gramm Naturjoghurt bringen rund 8 Gramm Eiweiß, 250 Gramm Magerquark über 30 Gramm bei etwa 45 Kilokalorien mehr. Der Wechsel kostet also kaum Energie und macht dieselbe Mahlzeit spürbar sättigender. Naturjoghurt bringt zusätzlich lebende Milchsäurebakterien mit, deren Rolle für die Verdauung und indirekt fürs Abnehmen der Ratgeber zu Darmgesundheit und Abnehmen einordnet.

Warum Joghurt sättigt, und was Eiweiß beim Abnehmen wirklich leistet

Der reale Mechanismus hinter jeder Joghurt-Diät steckt im Eiweiß und nicht im Milchprodukt. Eiweiß hat unter den drei Makronährstoffen den höchsten thermischen Effekt: Ein Teil der aufgenommenen Energie geht für Verdauung, Transport und Verstoffwechselung wieder verloren. Nach Angaben der DGE macht dieser Effekt rund 10 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus und fällt bei Eiweiß höher aus als bei Fett. Die gängigen Schätzwerte pro Nährstoff liegen bei 15 bis 30 Prozent für Eiweiß, 5 bis 10 Prozent für Kohlenhydrate und 0 bis 3 Prozent für Fett. Dazu kommt die bessere Sättigung bei gleicher Kalorienzahl. So weit trägt die Behauptung.

Wo die Versprechen der Joghurt-Diät überziehen, zeigt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ist die Eiweißzufuhr bereits ausreichend, verändert eine zusätzliche Menge an Protein das Körpergewicht oder die Fettmasse laut DGE “wahrscheinlich nicht”. Unter Kalorienrestriktion, also in der Situation einer Diät, bleibt der zusätzliche Effekt sogar “unklar”. Die Verbraucherzentrale ordnet das ähnlich ein: Die Eiweißzufuhr der deutschen Bevölkerung liegt bereits über dem Bedarf, zusätzliches Milcheiweiß ist für die meisten Menschen überflüssig, und über den Erfolg einer Diät entscheidet die Energiebilanz stärker als die Nährstoffzusammensetzung einer einzelnen Mahlzeit.

Der Sättigungseffekt ist damit real, aber er hängt am Eiweiß und nicht am Joghurt: Dieselbe Wirkung liefert jede andere eiweißreiche Mahlzeit, solange sie in ein Kaloriendefizit eingebettet ist. Welche Lebensmittel dabei ein besseres Eiweiß-Kalorien-Verhältnis als Naturjoghurt liefern, zeigt die Tabelle zu proteinreichen Lebensmitteln. Eine möglichst hohe Eiweißmenge ist dagegen kein eigener Vorteil, weil oberhalb des Bedarfs kein Zusatznutzen mehr entsteht.

Ein weiterer Punkt kommt hinzu, der bei ein bis zwei ersetzten Hauptmahlzeiten häufig übersehen wird: Ein einseitig auf Milchprodukte und Gemüse gestützter Tag deckt Eiweiß und Kalzium gut ab, liefert aber weniger Vitamin C, Eisen und Ballaststoffvielfalt als eine Mahlzeit mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und verschiedenem Obst. Über wenige Tage ist das unproblematisch, als dauerhaftes Muster verengt es die Nährstoffzufuhr unnötig.

Das Rechenproblem hinter “10 Kilo in 2 Wochen”

Die Zahl, die die Joghurt-Diät bekannt gemacht hat, hält einer einfachen Rechnung nicht stand. Ein Kilogramm Körperfett entspricht ungefähr 7.000 bis 7.700 Kilokalorien gespeicherter Energie. Für zehn Kilogramm reines Fett wären damit 70.000 bis 77.000 Kilokalorien Defizit nötig, auf vierzehn Tage verteilt über 5.000 Kilokalorien pro Tag. Das liegt weit jenseits dessen, was ein Mensch ohne massiven Gesundheitsschaden erreichen kann, selbst bei vollständigem Verzicht auf Nahrung.

Was in den ersten Tagen einer solchen Diät tatsächlich schnell sinkt, sind Wasser und Glykogen, die Kohlenhydratspeicher in Muskeln und Leber. Wird die Kohlenhydratzufuhr stark reduziert, leert sich dieser Speicher, und mit jedem Gramm Glykogen verschwinden rechnerisch etwa drei bis vier Gramm gebundenes Wasser mit. Das erklärt den schnellen Sprung auf der Waage in der ersten Woche, hat aber mit Fettverlust nichts zu tun, und der Effekt kehrt sich um, sobald wieder normal gegessen wird.

Realistisch sind bei einem moderaten Kaloriendefizit von 500 bis 700 Kilokalorien pro Tag rund 0,5 bis 0,7 Kilogramm tatsächlicher Fettverlust pro Woche, je nach Ausgangsgewicht und Stoffwechsel. Auf zwei Wochen gerechnet ergibt das ein bis eineinhalb Kilogramm.

Die angebliche Bremer Joghurt-Studie lässt sich nicht nachweisen

Kaum ein Beitrag zur Joghurt-Diät kommt ohne den Verweis auf eine Studie der Universität Bremen aus, die den Effekt belegen soll. Die Prüfung dieser Quelle endet jedes Mal am selben Ort: bei Beiträgen auf blogs.uni-bremen.de, der Blog-Plattform der Universität, auf der Texte ohne fachliche Prüfung veröffentlicht werden. Eine Publikation eines Lehrstuhls, eine Fakultätsarbeit oder ein begutachteter Fachartikel zu diesem Thema existiert nicht. Die Zuschreibung an die Universität Bremen ist unbelegt, und sie entsteht durch eine Verwechslung: Eine Adresse, die auf uni-bremen.de endet, wird für eine Forschungsleistung der Universität gehalten.

Woher die 61 Prozent stammen: die Zemel-Studien aus Tennessee

Frei erfunden sind die Zahlen in diesen Blogbeiträgen allerdings nicht. Die Beiträge nennen ihre Quelle sogar selbst, nämlich die “University of Tennessee (Zemel et al.)”, und geben immer dieselben Angaben weiter: 22 Prozent mehr Gewichtsverlust und 61 Prozent mehr Fettabbau. Dahinter steht Michael Zemel, der 2005 im International Journal of Obesity eine Untersuchung mit 34 stark übergewichtigen Teilnehmenden veröffentlichte. Über zwölf Wochen mit einem Defizit von 500 Kilokalorien pro Tag bekam die eine Gruppe dreimal täglich eine Portion fettfreien Joghurt, die andere ein Placebo-Dessert; die Joghurt-Gruppe verlor rund 60 Prozent mehr Körperfett und deutlich mehr Gewicht als die Kontrollgruppe. Zemels Arbeiten zu Milchprodukten und Gewicht wurden vom National Dairy Council und weiteren Industriepartnern finanziert, und spätere unabhängige Untersuchungen konnten den Effekt nicht in vergleichbarer Größe reproduzieren.

Die angebliche Bremer Studie ist damit keine zweite, unabhängige Bestätigung. Es ist dieselbe zwanzig Jahre alte, industriefinanzierte und nie bestätigte Zahl, die über eine deutsche Uni-Subdomain gelaufen ist und dabei ein neues Etikett bekommen hat. Wer sie zitiert, zitiert Zemel 2005, ohne es zu wissen.

Was von der Joghurt-Diät übrig bleibt

Übrig bleiben ein brauchbares Lebensmittel und ein Name ohne Substanz: ohne einheitliches Protokoll, ohne eine Zahl auf der Waage, die der Physiologie standhält, und ohne die deutsche Studie, die überall zitiert wird. Magerquark, Linsen, Eier oder Hähnchenbrust leisten für die Sättigung dasselbe wie Naturjoghurt, solange die Gesamtkalorien des Tages im Defizit bleiben.

Ein Risiko solcher kurzen, stark reduzierten Phasen ist der Jo-Jo-Effekt. Kehrt der Körper abrupt zur gewohnten Kalorienmenge zurück, füllen sich die zuvor geleerten Wasser- und Glykogenspeicher genauso schnell wieder auf, wie sie sich geleert haben, und das Gewicht steigt entsprechend rasch. Ein Defizit, das über Wochen statt über Tage aufgebaut wird, senkt dieses Risiko spürbar.

Ein Tag, der nur aus Joghurt besteht, landet je nach Menge weit unter 800 Kilokalorien; selbst ein ganzes Kilogramm Naturjoghurt bringt nur rund 690. Unter blutzucker- oder blutdrucksenkenden Medikamenten kann eine so niedrige Energiezufuhr eine Anpassung der Dosis nötig machen, und das gehört vorher ärztlich abgeklärt.

Der nächste Schritt: sichtbar machen, was ein normaler Tag wirklich liefert

Die Rechnung hinter dem Zwei-Wochen-Versprechen hat einen praktischen Kern: Ein Defizit von 500 bis 700 Kilokalorien lässt sich nur ansetzen, wenn die Ausgangsgröße bekannt ist. Daran scheitern die meisten Versuche, denn die eigene Kalorienzufuhr wird beim Schätzen regelmäßig zu niedrig angesetzt, besonders bei Getränken, Aufstrichen, Ölen und Restportionen. Zwei Wochen mitschreiben, ohne etwas zu verändern, zeigt mehr über die eigene Energiebilanz als jede Ersatzmahlzeit. Ab da lässt sich das Defizit dort ansetzen, wo es am wenigsten kostet.

Was Leser zur Joghurt-Diät noch wissen wollen

Wie viel Joghurt am Tag ist beim Abnehmen sinnvoll?

Sinnvoll sind 250 bis 500 Gramm am Tag, verteilt auf eine bis zwei Portionen. 250 Gramm Naturjoghurt liefern rund 300 Milligramm Kalzium, knapp ein Drittel des DGE-Referenzwerts von 1.000 Milligramm für Erwachsene, dazu 10 Gramm Eiweiß; mit Magerquark statt Naturjoghurt steigt der Eiweißanteil auf über 30 Gramm. Mehr als ein halbes Kilo am Tag bringt keinen zusätzlichen Effekt und verdrängt andere Eiweiß- und Ballaststoffquellen aus dem Tag.

Welcher Joghurt eignet sich am besten für eine Diät?

Magerquark und Skyr liefern bei ähnlicher Kalorienzahl fast das Dreifache an Eiweiß und sättigen dadurch zuverlässiger als Naturjoghurt. Bei griechischem Joghurt lohnt sich der Blick aufs Etikett, weil die industrielle Variante mit rund 10 Prozent Fett und das abgeseihte Original mit etwa 0,2 Prozent Fett unter fast demselben Namen im Regal stehen.

Wie viel Zucker steckt in Fruchtjoghurt?

Fruchtjoghurt liegt oft bei 12 bis 15 Gramm Kohlenhydraten pro 100 Gramm, ein 150-Gramm-Becher damit bei etwa 18 bis 23 Gramm. 150 Gramm Naturjoghurt kommen auf rund 6 Gramm, die vollständig aus Milchzucker stammen. Die Differenz von gut 12 Gramm ist zugesetzter Zucker oder Fruchtzubereitung, umgerechnet vier Stück Würfelzucker. Selbst gemischt, aus Naturjoghurt und 100 Gramm frischen Beeren, bleiben rund 11 Gramm Kohlenhydrate übrig, davon nichts zugesetzt.

Stimmt die Universität-Bremen-Studie zur Joghurt-Diät?

Nein. Jede Fundstelle führt zu Blogbeiträgen auf einer Uni-Blog-Subdomain, nicht zu einer Fakultätsarbeit oder einem begutachteten Fachjournal. Diese Beiträge verweisen zudem selbst auf die Arbeiten von Michael Zemel an der University of Tennessee und geben deren Zahlen weiter, obwohl diese Forschung von der Milchindustrie finanziert und später nicht bestätigt wurde.

Ist die Joghurt-Diät gesund?

Kurzfristig und bei normalem Gesundheitszustand spricht wenig gegen eine Ersatzmahlzeit aus Joghurt oder Quark. Als dauerhaftes Konzept ist sie zu einseitig, weil Vitamin C, Eisen und Ballaststoffvielfalt zu kurz kommen. Ein Tagesplan, der nur auf Joghurt aufbaut, bleibt außerdem deutlich unter dem Energiebedarf und gehört bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme vorher ärztlich abgeklärt.

Macht die Joghurt-Diät einen Jo-Jo-Effekt wahrscheinlicher?

Ja, und das hat zwei Gründe. Der eine ist der Wasseranteil des schnellen Anfangsverlusts, den der Abschnitt zur Rechnung erklärt. Der andere betrifft die Muskulatur: Bei sehr niedriger Energiezufuhr verliert der Körper auch fettfreie Masse, was den Grundumsatz senkt und das Halten des Gewichts danach erschwert. Ein Defizit von 500 bis 700 Kilokalorien mit ausreichend Eiweiß und Bewegung ist deshalb dem Zwei-Wochen-Programm vorzuziehen.