Fußball-WMZum Verneigen: Franzosen zaubern mit Herz

Didier Deschamps wechselte Kylian Mbappé aus - und verneigte sich.
Didier Deschamps wechselte Kylian Mbappé aus - und verneigte sich.
Petr David Josek/AP/dpa

Frankreichs Einzug ins Achtelfinale ist eine Machtdemonstration. Und Trainer Deschamps wieder mittendrin. Mbappés nächste Show wird von großen Emotionen begleitet. Wer soll Les Bleus stoppen?

Selbst Trainer Didier Deschamps verneigte sich vor seinem Superstar Kylian Mbappé. Frankreich schwingt sich bei der Fußball-WM mehr und mehr zum Top-Titelfavoriten auf - und zeigt neben spielerischer Brillanz auch noch große Emotionen. Das 3:0 im Sechzehntelfinale gegen Schweden war eine Machtdemonstration. Ein Sieg für den Coach, der einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften hat. Wer soll Les Bleus nur stoppen?

Die Jagd auf Messi geht weiter

„Bitte langsam“, antwortete Deschamps nach der Partie in East Rutherford auf eine entsprechende Frage. „Es gibt immer Raum für Verbesserung.“ Noch sei „nicht alles golden“. Sicher ist aber: Es wäre ganz schön etwas zugerollt auf die deutsche Mannschaft, hätte diese nicht schon am Montag ihr nächstes WM-Debakel erlebt. So wird sich im Achtelfinale am Samstag in Philadelphia eben Paraguay der enormen Offensivpower der Équipe Tricolore erwehren müssen.

Mbappé erzielte bei diesem Turnier nun schon sechs Tore - genau wie Lionel Messi. Auch in der ewigen WM-Torjägerliste rückte er durch seinen Doppelpack gegen Schweden ganz dicht heran an den Argentinier. Messi steht bei 19, Mbappé bei 18 Treffern. Und einen Rekord sicherte sich der Stürmer von Real Madrid bei seiner Sechzehntelfinal-Show auch noch: Zehn Tore hat er in K.-o.-Spielen bei Weltmeisterschaften jetzt schon bejubelt - mehr als jeder andere.

Bewegender Torjubel mit Deschamps

Bei Frankreichs viertem Sieg im vierten Spiel des Turniers fiel Mbappé jedoch nicht nur durch seine nächsten Tore, seine Tricks und seine traumhafte Technik auf. Sein Jubel über das 1:0 war eine besonders bewegende Szene: Der 27-Jährige rannte direkt zu Deschamps an die Seitenlinie, die Kollegen folgten ihm. Nach dem Tod seiner Mutter hatte der Coach das letzte Gruppenspiel gegen Norwegen (4:1) verpasst. Nun war er zurück - und wieder mittendrin.

Das sei Teil ihrer „DNA“, sagte Mbappé über die französische Mannschaft und ihren Trainer. „Wir stehen alle zusammen.“ Deschamps mache eine schwere Zeit durch. Aber: „Er ist bei uns nie allein. Wir werden ihn unterstützen.“ Die Geste habe ihn berührt, erklärte der 57-Jährige, der sowohl als Spieler als auch als Trainer schon Weltmeister wurde, und nach diesem Turnier abtreten wird.

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Olise als Vorbereiter auf Pelés Spuren

Doch bis dahin will Deschamps mit seinem Team noch „eine Mission“ erfüllen. Die sieht vor, Frankreichs dritten WM-Titel nach 1998 und 2018 zu holen. Mit einem Mbappé in dieser Form stehen die Chancen außerordentlich gut. Dazu kommt Michael Olise vom FC Bayern München als herausragender Vorbereiter.

Deschamps lobte den großen Einfluss des 24-Jährigen, der auch gegen Schweden wieder zwei Tore auflegte. Fünf Assists hat der Olise bei dieser WM nun schon - seit Beginn der Datenerfassung schaffte nur Pelé 1970 mehr. Bei der Brasilien-Legende waren es damals sechs Vorlagen. Fast hätte Olise gegen die chancenlosen Skandinavier sogar selbst getroffen. Sein Seitfallzieher mit Traumtor-Potenzial war aber gegen den rechten Pfosten geflogen.

Potter: Selbst perfekt wäre nicht genug

Die Spielfreude der Franzosen ließ auch Schwedens Trainer staunend zurück. „Wir mussten perfekt sein. Und selbst wenn wir perfekt gewesen wären, bin ich nicht sicher, ob das genug gewesen wäre“, sagte Graham Potter. Er habe noch kein besseres Team bei diesem Turnier gesehen, meinte er anerkennend.

13 Tore in 4 Spielen: Frankreichs Starensemble zaubert sich mehr und mehr Richtung Titel. Dank Mbappé. Dank Olise. Auch dank des diesmal nicht ganz so auffälligen Ousmane Dembélé. Und dank Deschamps. Am 19. Juli wollen die Franzosen zurück sein in East Rutherford. Zum Finale. Auch, wenn sie noch nicht darüber sprechen. Der Blick geht auf Paraguay. „Sie haben gezeigt, dass man sie ernst nehmen muss“, sagte Mbappé über die Deutschland-Bezwinger. Ob sich Deschamps wohl auch am Samstag vor ihm verneigt?