Endspiel in East RutherfordWM-Finale: Was spricht für Spanien? Und was für Argentinien?

Wer holt den Pokal? Die Mentalitätsmonster aus Argentinien fordern die Kontroll-Profis aus Spanien. Welche Rolle spielt Lionel Messi? Welche der unscheinbare Final-Experte der Iberer? Ein Ausblick.
Spanien gegen Argentinien. Zwei Schwergewichte kämpfen um den wichtigsten Pokal im Weltfußball. Das Finale in East Rutherford heute (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) hat noch viel mehr zu bieten als das Duell der Superstars Lionel Messi und Lamine Yamal.
Was für den Titelverteidiger spricht - und was für den Europameister:
Das spricht für Spanien
Defensivstärke: Gerade mal ein Gegentor haben die Iberer auf dem Weg ins Endspiel kassiert - beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien. Zuvor war Keeper Unai Simón 649 Minuten ohne Gegentreffer geblieben und hatte damit einen WM-Rekord aufgestellt. Vor allem Linksverteidiger Marc Cucurella ragt als unermüdlicher Kämpfer aus dem Defensivverbund heraus. Aber auch sein Pendant auf der Gegenseite, Pedro Porro, hat großen Einfluss auf das Spiel und erzielte bei dieser WM seine ersten beiden Länderspiel-Tore. Wie die Spanier im Halbfinale die Zauber-Offensive der Franzosen abkochten, war beeindruckend.
Flexibilität: Spaniens Spiel ist auf Ballbesitz und Kontrolle ausgerichtet - aber nicht nur. Wenn sein Team für etwas bekannt sei, dann dafür, dass es sich je nach Situation anpassen könne, sagte Kapitän Rodri vor dem Finale. „Wir sind eine sehr komplette Mannschaft und deshalb sind wir hier“, betonte der Mittelfeldstar. Gegen Argentinien erwarte er ein extrem physisches Spiel, so der 30-Jährige. Ruhen die Spanier weiter so in sich wie bisher, dürften sie aber auch mögliche Provokationen der Südamerikaner nicht aus dem Tritt bringen.
Oyarzabal: Alle sprechen über Messi und Yamal. Aber die Spanier haben noch einen weiteren Trumpf. Stürmer Mikel Oyarzabal hat bei diesem Turnier bereits fünf Tore erzielt. Und er ist ein echter Final-Experte. In jedem seiner bislang sechs Endspiele als Profi hat der 29-Jährige getroffen: mit Real Sociedad San Sebastián in zwei spanischen Pokalfinals, mit der Nationalmannschaft in zwei Nations-League-Endspielen sowie entscheidend im EM-Finale 2024, mit der Olympia-Auswahl im Endspiel von Tokio vor fünf Jahren. Eine famose Bilanz.
Das spricht für Argentinien
Messi: Zu alt? Ein Lionel Messi ist offenbar nie zu alt. Der 39-Jährige spielt eine herausragende WM, hat bereits acht Tore und vier Vorlagen auf dem Konto. Er trägt diese Mannschaft, er trägt die ganze Nation. Sicher: Er nimmt sich auf dem Platz seine Auszeiten. Aber: Er ist zur Stelle, wenn es darauf ankommt. Die Mitspieler schauen zu ihm auf und suchen ihn, wenn es eng wird. So dürfte es auch im Finale sein - dem mutmaßlich letzten WM-Spiel des Ausnahmekönners.
Mentalität: Das Spiel der Südamerikaner lebt von den Emotionen. Sie treten mit unglaublich viel Herz und Leidenschaft auf. Die glücklichen Gesichter auf den Tribünen oder in der Heimat würden sie beflügeln und berühren, erklärte Trainer Lionel Scaloni. Die Unterstützung half den Argentiniern in der kniffligen K.o.-Phase, mehrere brenzlige Situationen zu überstehen. Gegen Kap Verde und die Schweiz mussten sie in die Verlängerung, gegen Ägypten und England retteten sie sich mit späten Toren. Die Albiceleste darf man niemals abschreiben.
Erfahrung: Spanien tritt mit dem Selbstbewusstsein eines Europameisters auf. Aber: In Argentiniens Kader stehen tatsächlich noch 17 Weltmeister von 2022. Wichtige Stützen der Startelf, die im Finale von Katar damals gegen Frankreich gewann, haben auch diesmal tragende Rollen: Torhüter Emiliano Martínez etwa, Offensiv-Star Messi natürlich, aber auch Stürmer Julián Álvarez. Trainer Scaloni ist ein echter Titelsammler: Neben dem WM-Pokal gewannen die Argentinier in seiner Amtszeit auch schon zweimal die Copa América (2021 und 2024).

