Fußball-WeltmeisterschaftWie die Väter, so die Söhne: Norweger erobern die WM-Bühne

Die Norweger werden bei der WM als Geheimfavoriten gehandelt. (Archivbild)
Die Norweger werden bei der WM als Geheimfavoriten gehandelt. (Archivbild)
Charles Krupa/AP/dpa

Die „Wikinger“ und ihre rudernden Fans: Norwegen sorgt bei der WM für Aufsehen. Erling Haaland und zwei Kollegen wandeln auf ganz besonderen Spuren. Die K.o.-Runde ist bereits zum Greifen nah.

Erling Haaland kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Er sieht so jung aus“, sagte Norwegens Superstar über seinen Vater. „Ich habe ihn in meinem Leben nie mit so langen Haaren gesehen.“ Jetzt, wo die ambitionierten Skandinavier erstmals seit 28 Jahren wieder bei einer Fußball-Weltmeisterschaft dabei sind, werden natürlich auch Erinnerungen und Fotos von früher rausgekramt.

Haaland ist der größte norwegische Hoffnungsträger bei diesem Turnier. Aber nicht ihr einziger Spieler, der auf besonderen Spuren wandelt: Auch Alexander Sørloth und Kristian Thorstvedt sind in große Fußstapfen getreten. 1994 liefen ihre Väter Alf-Inge „Alfie“ Haaland, Gøran Sørloth und Erik Thorstvedt gemeinsam für Norwegen bei der WM auf - damals ebenfalls in den USA. Nun sind die Söhne am Zug - und wollen nach ihrem starken Auftakt weiter für Furore sorgen.

Royaler Besuch und rudernde Parlamentarier

Nach dem „fantastischen Debüt“, wie Haaland das 4:1 gegen den Irak nannte, geht es für die Norweger am Dienstag (2.00 Uhr/MagentaTV) in East Rutherford gegen Senegal weiter. Erbprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, die beiden gemeinsamen Kinder von Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit, werden auf der Tribüne sitzen. Längst ist eine Welle der Euphorie über den großen Teich in die Heimat hinübergeschwappt.

Denn nicht nur im Stadion, sondern auch in Oslo im Parlament wird inzwischen kräftig gerudert: Auf Anweisung des Parlamentspräsidenten schickte die voll besetzte Abgeordnetenkammer zuletzt einen Gruß an die Kicker in den Staaten und setzte zum gemeinsamen Ruder-Schlachtgesang an. Das Rudel-Rudern wird zum Kult - und nicht nur damit sorgen die Norweger für Aufsehen bei dieser WM: Auch mit ihrem Mannschaftsfoto im „Wikinger“-Stil hatten sie bereits frühzeitig ein Highlight gesetzt.

Sørloth verfolgte erste WM im Dänemark-Urlaub

Hinzu kommt die Geschichte ihrer prominenten Söhne. Es sei „einfach toll“, dass er nun genau wie sein Vater einst eine WM spielen könne, sagte der 30-jährige Sørloth unlängst. Er sei der „wichtigste Mensch“ in seiner Karriere. „Er hat mir alles beigebracht, was ich über Fußball weiß.“

Damals, als sein Vater 1994 in den USA auflief, war der heutige Stürmer von Atlético Madrid noch gar nicht geboren. Die WM 2002 in Japan und Südkorea sei die erste gewesen, an die er sich erinnere - wenn auch nur verschwommen, sagte der frühere Leipziger. Er habe die Brasilianer und ihren damaligen Topstar Ronaldo im Dänemark-Urlaub im Fernsehen gesehen, berichtete Sørloth. Und er wisse noch, „wie aufgeregt ich war, die WM mit meinem Vater zu schauen“.

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Geheimfavoriten können K.o.-Runde klarmachen

Bereits vor dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko wurden die Norweger als einer der Geheimfavoriten gehandelt. Nach ihrem erfolgreichen Start können sie im zweiten Gruppenspiel nun schon das Ticket für die K.o.-Phase lösen.

Vor allem Haaland, der bei seiner WM-Premiere direkt wieder als Torjäger glänzte und gegen den Irak einen Doppelpack schnürte, dürfte gegen Senegal erneut im Fokus stehen. Aber auch Sørloth und Thorstvedt. Ihre Väter, für die 1994 nach der Vorrunde Schluss war, dürften erneut mit den Söhnen mitfiebern.